“Wer macht was wo und braucht wie viel Geld wofür” – Interview mit Michael D. G. Wandt vom wabeco Subventionslotse®

6. August 2008 von admin

Hinter “wabeco Subventionslotse®” aus Gießen steht die Fördermittelberatung der Unternehmensberatung Valea BDU. Der wabeco Subventionslotse® hilft seit mehr als 25 Jahren Unternehmen dabei, an Fördermittel zu kommen. In den letzten Jahren ist man nach eigenen Angaben zur erfolgreichsten Fördermittelberatung Deutschlands geworden. Wir sprachen mit dem Leiter Michael D. G. Wandt. Der Fördermittel-Experte hat rund 15.000 Unternehmen bei der Fördermittelbeschaffung unterstützt.

 

BoB: Was gibt es für Fördermittel für gründungswillige Unternehmer?

Michael D. G. Wandt: Erst mal Mittel, die ausschließlich für Gründer gedacht sind. Das ist zum einen der Gründungszuschuss, den meisten geläufig als die Mittel der KfW, in Hessen der KfW Entwicklungsbank Hessen. Daneben gibt es bestimmte Fördermittel, die zum Beispiel mit dem Standort verbunden sind. Diese hängen nicht an der Gründung, können aber im Zuge der Gründung mit beantragt werden.

BoB: Können Sie noch etwas genauer rastern, welche Fördermittel für welche Unternehmen geeignet sind?

Michael D. G. Wandt: Die Frage der Vorgehensweise ist immer: wer macht was wo und braucht wie viel Geld wofür? Das “wofür” bestimmt maßgeblich die Förderung. Die Bemessungsgrundlage wird dann manchmal erweitert, weil man Gründer ist, zum Beispiel kann man als Gründer ein Warenlager als Bemessungsgrundlage mit einbeziehen. “Wie viel” ist auch eine wichtige Frage, weil viele Förderprogramme begrenzt sind, manche nach unten. Der Extremfall sind 10 Millionen Euro, das trifft natürlich auf die wenigsten Gründer zu. Das kleinste ist, abgesehen von der Mikrofinanzierung, 5.000 Euro. Und es gibt Obergrenzen, z.B. das Startgeld mit 50.000 Euro Obergrenze oder bei den Bürgschaftsprogrammen bei Bürgschaft ohne Bank 500.000 Euro. Die meisten Gründer finanzieren sich in einem Bereich unter 500.000 Euro. Das eher dienstleistungsorientierte “SOHO” Gewerbe, Small Office Home Office, hat einen geringeren Kapitalbedarf, wird aber durch zahlreiche Programme gefördert.

Bei der Frage nach dem “Was wird gefördert?” gibt es erstens die Personenförderung. Das kann zum einen der Existenzgründer selbst sein. Bei zwei Gründern, von denen der eine nicht so vermögend ist, wird dieser auch stärker gefördert als der andere, z.B. durch Eigenkapitalersatz und Kapital für Gründung. Daneben gibt es die Personenförderung der im Unternehmen abhängig beschäftigten Mitarbeiter, im weitesten Sinne sozialversicherungspflichtig angestellte Beschäftigte. Dort kann es eine Förderung über Lohnkostenzuschüsse geben. Gründer haben hier besondere Bedingungen in den ersten zwei Jahren, den sogenannten Einstellungszuschuss für Existenzgründer oder jungen Unternehmen. Angenommen, es wird ein Mitarbeiter für den Telefonservice gesucht, so eignet sich zum Beispiel auch sehr gut die Anstellung eines Blinden. Dieser gilt außerdem als schwerstbehindert, so dass Teile der Investition und auch die Lohnkosten bis zu fünf Jahre zum Teil ganz erheblich gefördert werden. Im Bereich der Regionalförderung spielt es auch eine wichtige Rolle, wie viele Arbeitsplätze entstehen.

Dann gibt es die sogenannte Mittelstandsförderung häufig auch für Gründer. “Mittelstand” meint auch bei der Gründung die Größe des Unternehmens, das heißt die Anzahl der Beschäftigten, die Höhe des Umsatzes und der Bilanzsumme. Viele Programme der KfW hören zum Beispiel bei 49 Mitarbeitern auf. Die höchste Stufe, bei der ein Unternehmen noch als Mittelstand eingeordnet wird, ist bei der KfW ein Umsatz von 500 Millionen Euro. Häufig wird der Begriff KMU benutzt. Dies meint erstens die Kleinstunternehmen (unter 10 Mitarbeiter, 2 Mio Euro Umsatz, 2 Mio Euro Bilanzsumme), zweitens die Kleinunternehmen (unter 50 Mitarbeiter, bis 10 Mio Euro Umsatz, 10 Mio Euro Bilanzsumme) und dann die mittelständischen Unternehmen (unter 250 Mitarbeiter, bis 50 Mio Euro Umsatz, 43 Mio Euro Bilanzsumme). Mittelstandsförderung ist sehr kreditlastig.

In der Regionalförderung, da bekommt man in der Regel einen Zuschuss oder ein zinsgünstiges Darlehen. Die Zuschüsse sind gestaffelt, liegen in der Regel irgendwo zwischen 7,5 und 50 Prozent. Hier entscheidet die Postleitzahl. Ich empfehle Gründern immer, die KfW anzurufen und prüfen zu lassen, ob eine regionale Förderung möglich ist. Dort kann direkt auf dem Rechner überprüft werden, ob der Standort im Fördergebiet für das ERP-Regionalprogramm ist, das für einen Zuschuss Voraussetzung ist, oder nicht. Der Umkehrschluss gilt jedoch nicht: nicht überall, wo eine ERP-Regionalprogramm läuft, geht auch ein Zuschuss.

Dann gibt es noch die Sachförderung. Hier wird man gefördert, wenn man etwas ganz bestimmtes tut oder darin investiert. Große Bereiche sind Forschung und Entwicklung, Energie- und Energiesparinvestitionen und Umwelt. Der gängige Fall der Sachförderung liegt zwischen 25 und 35 Prozent, bei Forschung und Entwicklung kann dies auch erheblich mehr sein.

Zum Abschluss noch der Hinweis auf die Projektförderung, die der Sachförderung sehr ähnlich ist. Der Unterschied ist, das hier entweder etwas gefördert wird, was innerhalb der Förderung beginnt und aufhört oder etwas gefördert wird, das ein eigenes Unternehmen sein könnte. Dies passiert sehr häufig in Kooperationen, zum Beispiel wenn man mit anderen etwas entwickelt und es später gemeinsam vermarkten will. Auch die Projektförderung ist sehr zuschusslastig.

BoB: Können Sie einen Fall schildern, bei dem sie besonders erfolgreich auf geeignete Fördermittel hingewiesen haben?

Michael D. G. Wandt: Da ist das Bild vom Trüffelschwein. Das Bild benutze ich immer als Einleitung in meinen Seminaren. Es gibt im Prinzip zwei Typen von Unternehmern, die Fördermittel bekommen. Die einen sind die, die das vorher noch nie gemacht haben und auch keine Fördermittel kannten. Der größte Fehler ist, dass viele denken, dass es einem Unternehmen schlecht gehen muss, um gefördert zu werden. Es gibt immer wieder Anfragen an uns derart: Ich habe endlich geschafft mit meinem Steuerberater einen Verlust auszuweisen und bin jetzt in der Lage, Fördermittel zu beantragen. Dann müssen wir erklären, dass das genau das Problem ist, weshalb derjenige keine Fördermittel kriegen wird. Tatsächlich gehen die Fördermittel am besten, wenn es einem gut geht. Der Staat möchte ja das, was gut funktioniert, beschleunigen und nicht in Strukturerhaltungssubventionen investieren. Diejenigen, die noch nie eine Förderung beantragt haben, erleben diese zweischneidig: erstens dauert es lange und ist aufwendig, mit Projektbeschreibung, eine Arbeitsplatzbeschreibung für jeden Projektmitarbeiter usw. Das wurde häufig davor noch nie gemacht. Im Zuge der Förderung merken die, das ist auch Arbeit, aber man kriegt dann auch etwas. Die anderen, die schon einmal Fördermittel beantragt haben und die sich deshalb ein bisschen auskennen, kann man tatsächlich überraschen. Da gibt es zum Beispiel einen Fall, wo ein Unternehmer letztlich für fünf Millionen Euro investieren wollte und im Zuge der Gebietsförderung eine Förderung beantragt hat. Dies funktionierte auch, er sollte dann nur beachten, dass er aufgrund der Größe des Projektes eine europaweite Ausschreibung machen muss. Da blieb ihm die Spucke weg, denn er hatte zuvor mit seinem Projektbetreuer besprochen, ähnlich einer Ausschreibung Angebote einzuholen, die durchzusehen und nachzuverhandeln, weil dadurch viel bessere Preise zu erzielen seien. Das führte dazu, dass der Unternehmer sagte “Hab ich doch gewusst, Blödsinn mit der Förderung, am Ende kriegt die Förderung ein anderer”. Der kam dann über seinen Rechtsanwalt zu uns, der sich das gar nicht vorstellen konnte, dass mit dieser Förderung letztlich die höheren Preise finanziert würden. Wir haben mit dem Landesförderinstitut gesprochen. Es ging hier um 17 Mitarbeiter und eine Million Euro Zuschuss, wovon der Unternehmer rund 510.000 Euro bekommen hätte, also rund 10 Prozent der Baukosten. Dann haben wir mit dem Institut und mit der prüfenden Instanz der Förderbank, dem Rechnungshof´, verhandelt und mit dem Wirtschaftsministerium gesprochen und dafür gesorgt, dass es eine Einzelförderung, keine Richtlinienförderung, wird. Die Folge war, dass wir den Satz pro Mitarbeiter auf 45.000 Euro erhöhen konnten und wir haben die Ausschreibung weggekriegt, er musste jetzt lediglich drei Angebote einholen. Insgesamt war es ein rund 50 Prozent höherer Zuschuss mit geringeren Auflagen. Das Problem ist der voraus eilende Gehorsam von Leuten, wenn sie Richtlinien sehen. Aber die Richtlinie ist ja nur als Normierung für die Vielzahl der Anträge gedacht, d.h. um zu wissen, was gemacht werden kann und was nicht. Die Grundunterstellung ist: es muss sich um eine sinnvolle Investition handelt, die auch aus der Sicht des Landes gemacht würde, wenn man das nicht fördert. Das ist dieser Eiertanz mit dem Subsidiaritätsprinzip auf der einen Seite, d.h. niemand soll Geld kriegen, der das nicht braucht. Auf der anderen Seite möchte man nichts fördern, was von Anfang an unwirtschaftlich ist. Dann hätte man natürlich die Förderung auch evtl. gar nicht gebraucht. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein 17-Mann-Betrieb noch drei Leute einstellt, ist viel größer als die Wahrscheinlichkeit, dass 17 Ein-Mann-Betriebe drei Leute einstellen. Das ist ein typisches Strukturproblem. Als Ein-Mann-Betrieb muss man denjenigen, den man einstellt, anlernen. Gleichzeitig muss ich denjenigen bezahlen und mache weniger Umsatz, weil die Qualifizierung des Mitarbeiters Zeit in Anspruch nimmt. Das Ergebnis sind höhere Kosten und geringere Einnahmen – das kriegen viele nicht gehoben. Da ist ein Puffer nötig – die Einarbeitung des ersten Mitarbeiters kostet rund 50.000 Euro. Es ist auch eine Fehlannahme zu glauben, dass der eingestellte Mitarbeiter genauso viel arbeitet wie der Unternehmer. Die wenigsten Leute sind so sehr von Eigenmotivation getrieben. Die meisten machen ihre Arbeit und sind irgendwann dann auch fertig und gehen nach Hause. Das ist ja auch normal, so sind ja auch die Arbeitsverträge.

BoB: Welche Bedeutung hat Ihrer Erfahrung nach die Förderung durch die Bürgschaftsbanken, insbesondere die Bürgschaftsbank Hessen?

Michael D. G. Wandt: Es gibt mit den Bürgschaften, die über die Banken abgewickelt werden müssen, ein Grundproblem. Ich muss zur Bank gehen und die Bank sagt, wir machen das mit der Bürgschaftsbank. Wenn die Bürgschaftsbank sagt, das machen wir nicht, z.B. weil das ein Finanzdienstleister ist, und für den bürgen wir sowieso nicht, habe ich eine Absage in der Tasche und in der Folge lehnt in aller Regel auch die Bank ab. Ich habe selten einen Bankmitarbeiter erlebt, der einem “Nein” in der Akte, in der Prüfung, ein “Ja” entgegengesetzt hat. Die „Bürgschaft ohne Bank“ löst das auf, weil ich die Bürgschaftsprüfung ohne Bank machen kann. Das ist ein unglaublicher Vorteil. Es hat zwei wesentliche Effekte: jemand, der ins Risiko geht, prüft mein Konzept. Das ist wirklich was wert. Das ist sicher mehr wert, als die Prüfung durch einen Unternehmensberater, weil der auch das Problem hat, je schlechter er das Konzept beurteilt, desto schwieriger werden seine Rechnungen bezahlt. Vor allem wenn er feststellt, dass der Gründer das Problem der Gründung ist. Das andere ist, wenn die Zusage kommt, dann haben Sie ein dokumentiertes “Ja” für eine Risikoübernahme in Ihrer Akte. Dann kommt keiner, der sagt, “ach kenn ich, quatsch”. Zum Beispiel wenn jemand mit einer Gründung kommt, die etwas mit dem Internet zu tun hat und dann hören muss, “Internet ist sowieso doof, machen wir nicht”. Bänker verstehen häufig die Geschäftskonzepte nicht. Bänker wollen wissen, ob es einen Geschäftsplan gibt, sie verstehen ihn aber nicht, sie lesen ihn auch nicht. Wir haben gerade eine Umfrage gemacht beim Bundesverband Kapital für den Mittelstand und da ist das rausgekommen. Das ist eine Fleißarbeit, die der Unternehmer für sich selbst machen sollte, für die Bank muss er das nicht machen sondern einen haben, der der Bank garantiert, dass alles stimmt. Die Bänker konzentrieren sich dann auf die Zahlen. Die Bürgschaftsbank Hessen hat sich stark verbessert. Weil es durch die Kombination mit dem Gutachten der IHK zu sinnvollen Terminen im Unternehmen kommt. Das heißt: es kommt jemand aus der Bürgschaftsbank und jemand aus der IHK, der die Branche und den Standort beurteilen soll ins Unternehmen und man sitzt am Tisch und redet über die Sache. Da kommt das Konzept weiter. Wenn es zu einem solchen Termin kommt, ist es auch sehr wahrscheinlich, dass nachher auch eine Bürgschaft gestellt wird.

BoB: Was hat es mit der kostenlosen Fördermittelprüfung vom wabeco Subventionslotse® auf sich?

Michael D. G. Wandt: Die kostenlose Fördermittelprüfung geht über die Betrachtung der Richtlinien hinaus. Das Ergebnis: wir können den Leuten sagen, wie viel Geld sie wofür kriegen. Dann wird beschrieben, was man zu beachten hat. Wir bereiten die Daten für jede einzelne Förderanfrage auf. Jeder bekommt eine schriftliche Antwort. Nicht jedes Vorhaben wird nur mit Fördermitteln finanziert, sondern es gibt auch Eigenkapital und private Gelder, die typische Bankfinanzierung, Leasing, Factoring (das hat man als Gründer jedoch nicht). Die Unternehmer, die zu uns kommen, kommen in der Regel mit der Frage: wann kriege ich wie viel Geld wofür? Wir haben das aufbereitet mit den 2.200 Fällen der letzten fünf Jahre als Basis. Die Leute füllen ein Formular aus, das hat zwei Vorteile: man vergisst nichts und wir als Berater sehen, was nicht drin steht. Dieser Bogen ist der Filter. Das heißt, wir schicken diese 2.200 funktionierenden Fälle mit Fördermitteln da durch, und dann bleiben da 20, 30, 40 Stück hängen, die der Anfrage sehr ähnlich sind. Dann schauen wir uns an, wie diese Fälle tatsächlich finanziert und gefördert wurden. Dabei kommt folgendes raus: wie viel Eigenkapital muss es mindestens sein, damit die Finanzierung klappt. Wenn ein bestimmter Eigenkapitalanteil die Regel ist, dann ist das auch das, was die Bank macht, die hält sich gerne an Regeln. Dann ist die Frage, wie hoch sind die nicht rückzahlbaren Mittel, wie hoch können die gesicherten Mittel sein, wie hoch können die nicht-gesicherten Mittel sein und wie hoch kann eine Ersatzsicherheit sein. Ersatzsicherheiten sind ja die öffentlichen Bürgschaften, die es von der Bürgschaftsbank, dem Land und dem Bund gibt. Mit der kostenlosen Fördermittelprüfung werten wir den Bogen so aus, dass wir die Prognose machen, gleichen das mit den Förderrichtlinien ab und schreiben den Leuten auf, wie viel Geld sie wofür kriegen. Wir sagen dem Unternehmer dann, was er zu tun hat, um an diese Gelder zu kommen und wir schätzen das Vorhaben und das Unternehmen auf einer Skala von 1 bis 10 ein. Es heißt Fördermittelprüfung, weil die Leute das Richtige darunter verstehen: dass es eigentlich eine Fördermittelprognose ist, also die an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit.

Nachtrag: Seit September 2007 bloggt Herr Wandt im Fördermittel-Tagebuch speziell zum Thema Fördermittel für Handwerker.

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