Unternehmensgründung in Deutschland
In Deutschland beschwert sich jeder gerne über den Amtsschimmel. Erst will er nicht so recht in Gang kommen, aber wenn er einmal reitet, kann ihn keiner mehr so schnell aufhalten. Doch das muss keinesfalls bedeuten, dass der deutsche Amtsschimmel schnell reitet. So jedenfalls lautet eines der gängigen Klischees über den deutschen Behördenalltag.
Doch das gilt nicht für alle Bereiche: Nach nur drei Tagen der Gründung eines sogenannten Startups, sind diese in Deutschland bereits im Handelsregister eingetragen. Damit liegen die deutschen Behörden deutlich über dem Durchschnitt der Europäischen Union.
Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) hat im Rahmen einer Vergleichsstudie der Europäischen Kommission europaweit Dauer und Kosten für Unternehmensgründungen untersucht. Verblüffendes Ergebnis war, dass man in Deutschland nur halb so viel Zeit für eine Existenzgründung einplanen muss, als im durchschnittlichen Rest der EU.
Schnell aber teuer
Aus der Studie geht hervor, dass in Deutschland das Verfahren der Behörden zur Gründung einer Existenz durchschnittlich nach 6,3 Tagen abgeschlossen ist. Im EU-Durchschnitt dagegen zieht sich der behördliche Vorgang über zwölf Tage hin. Allerdings hat die Sache auch einen kleinen Haken: Zwar geht eine Existenzgründung in Deutschland schneller vonstatten, ist aber auch deutlich teurer als in der restlichen EU. Der größte Faktor im Bezug auf Dauer und Kosten ist laut der Studie die Eintragung in das Handelsregister. Die administrativen Kosten für eine Unternehmensgründung belaufen sich in Deutschland demnach auf durchschnittlich 792 Euro. Dem gegenüber steht der europäische Mittelwert von 554 Euro.
Beratungsangebote nutzen
Als weitere wichtige Gründe für die hohen Durchschnittskosten gibt die Studie Informationsdefizite über das eigentliche Gründungsverfahren sowie unvollständige oder gar fehlerhaften Unterlagen der Gründer an. Daher richtet sich die dringende Empfehlung an die Verwaltung und Gründer das Gründungsvorhaben besser vorzubereiten sowie die staatlichen und privatwirtschaftlichen Beratungsangebote (z.B. der Wirtschaftskammern und Behörden) verstärkt zur Vorbereitung zu nutzen.
Kein Gefälle in Deutschland
Ein weiteres Ergebnis der Studie des Bonner IfM ist, dass es in Deutschland keine regionalen Unterschiede bei der Gründung gibt. Sowohl im Hinblick auf die Kosten als auch auf die Dauer gab es in den drei in Deutschland untersuchten Orten (Meißen, München, Bremerhaven) keine gravierenden Abweichungen.
Europäische Vorgaben
Der Europäische Rat hat 2006 den Mitgliedsländern Vorgaben für eine Beschleunigung der Gründungsvorhaben gemacht. Demnach soll der administrative Zeitaufwand für eine Existenzgründung nicht mehr als fünf Tage in Anspruch nehmen. Die Kosten für eine Gründung sollen in der Regel nicht höher als 800 Euro liegen. Mittels europäischer Vergleichsstudien kontrolliert die Europäische Kommission regelmäßig diese Vorgaben.
Das IfM hat für ihre Vergleichsstudie fünf idealtypische GmbH-Gründungen zu Grunde gelegt. Die Branchen reichen vom Lebensmitteleinzelhändler bis zum IT-Hersteller. Die Ergebnisse der Bonner Forscher beruhen auf ausführlichen Interviews mit Experten, die alle am Gründungsprozess beteiligt sind. Diese Experten kommen aus Institutionen wie städtischen Behörden, Handelskammern bis hin zu den Berufsgenossenschaften.
Tags: Existenzgründung, Gründer, Gründung, Gründungsverfahren, Startup, Unternehmensgründung
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