Mittelstand zeigt sich in der Krise stabil

1. Juni 2009 von JK

Mittelständische Unternehmen schlagen sich in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise besser als Großkonzerne. Die Umsätze und die Zahl der Beschäftigten deutscher Mittelständler sinken unterdurchschnittlich. Laut dem Jahresmittelstandsbericht 2009 trifft die Rezession klein- und mittelständische Unternehmen weitaus geringer als den Rest der Wirtschaft.

Rund zwei Prozent

Das ist das Ergebnis aus dem Jahresmittelstandsbericht 2009 der etwa 4,5 Millionen mittelständischen Unternehmen in Deutschland. Die Unternehmen erwarten im Schnitt einen Umsatzrückgang für dieses Jahr von nur etwa zwei Prozent. Stellt man diese Prognose den Berechnungen der Gesamtwirtschaft gegenüber, ergibt sich ein eklatanter Unterschied: Die Bundesregierung rechnet für die Gesamtwirtschaft mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von ganzen sechs Prozent. Augenscheinlich beurteilt der deutsche Mittelstand seine Aussichten wesentlich zuversichtlicher als der Rest der Wirtschaft.

Allerdings trügt der Vergleich etwas: Bei den befragten Unternehmen aus dem Jahresmittelstandsbericht 2009 handelt es sich vor allem um kleine und mittlere Betriebe, in denen nur sehr wenige exportabhängige Branchen vertreten sind. Dazu zählen unter anderem das Gastgewerbe, der Einzelhandel und das Handwerk. Trotz der anhaltenden Wirtschaftskrise können sich die Branchen auf die bisher recht feste Konsumentwicklung in Deutschland stützen.

Daneben ist auch die Umwelttechnologiebranche nach den Einschätzungen führender Wirtschaftsberater ebenfalls gut gerüstet. Auch auf diesem Zukunftsmarkt sind viele klein- und mittelständische Unternehmen vertreten, die für die Zeit nach der Krise gut aufgestellt sind.

Stimmungsbild der Wirtschaftslage

Der Jahresmittelstandsbericht wird jährlich von der Arbeitsgemeinschaft Mittelstand erarbeitet. Unterstützt wird die Arbeitsgemeinschaft durch eine Kooperation aus neun deutschen Wirtschaftsverbänden. Dadurch ist die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand mit ihrem Jahresbericht in der Lage, ein ziemlich genaues Stimmungsbild der aktuellen Wirtschaftslage in Deutschland zu präsentieren. Im Gegensatz zu den Prognosen führender Wirtschaftsinstitute, die sich für ihre Konjunkturprognosen auf  Modellrechnungen verlassen, setzt die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand vor allem auf die direkte Befragung und Einschätzung der Unternehmen.

Aus dem Jahresmittelstandsbericht geht hervor, dass die Zahl der Beschäftigten in diesem Jahr wohl um etwa 250.000 zurückgehen wird. Legt man die Gesamtzahl der Beschäftigten in der Bundesrepublik von 32 Millionen Arbeitnehmern und Selbstständigen an diesen Wert an, so entspricht das einem erwarteten Rückgang von 0,8 Prozent. Die Bundesregierung schätzt den gesamtwirtschaftlichen Rückgang der Beschäftigtenzahlen auf 1,2 Prozent. Besonders schwer wiegen dabei die Entwicklungen in der exportorientierten und –abhängigen Metall- und Elektroindustrie sowie im Maschinen- und Automobilbau: Zwischen September 2008 und Februar 2009 ging die Zahl der Beschäftigten in diesem Bereich der Wirtschaft um ganze zwei Prozent zurück und umfasst nun nur noch 3,58 Millionen Arbeitnehmer.

Zeitversetzte Trendentwicklung

Wie lange der gute Trend im Mittelstand aber noch andauert, ist ungewiss. Kurzfristig rechnet das Baugewerbe für den Herbst sogar mit Kapazitätsengpässen. Grund dafür ist, dass dann endlich die von der Bundesregierung aufgelegten Konjunkturpakte greifen, die sich zum Großteil auf Infrastrukturmaßnahmen und das öffentliche Bauen erstrecken. Allerdings werden dadurch die Rückgänge aus dem Wirtschafts- und Wohnungsbau nur kurzzeitig überbrückt. Außerdem steht zu befürchten, dass es dem öffentlichen Bauen die Kontinuität fehlt. Nach den letzten Steuerschätzungen ist in den kommenden Jahren mit enormen Steuerausfällen und Neubelastungen durch die Konjunkturpakete zu rechnen, die erst einmal kompensiert werden müssen. Daher rechnet die Baubranche spätestens ab 2011 mit starken Auftragsrückgängen im Bereich des öffentlichen Bauens.

Auch andere auf den Binnenmarkt orientierte Branchen des Mittelstands werden von der Krise wahrscheinlich erst mit einiger Zeitverzögerung getroffen. Die Arbeitslosigkeit beschleunigt sich erwartungsgemäß erst zum Ende des Jahres. Diese Entwicklung wird daher erst zum Jahresende Rückwirkungen auf das Konsumklima haben.

Die Bürgschaftsbank Hessen verfolgt dieses Entwicklung mit großem Interesse. Als Partner der klein- und mittelständischen Wirtschaft setzt sie aktiv für mehr Chancengleichheit für den Mittelstand ein. Durch die Versorgung mit Krediten für klein- und mittelständische Unternehmen trägt die Bürgschaftsbank Hessen zur Förderung der Chancen der mittelständischen Wirtschaft im Wettbewerb bei. Die angebotenen Ausfallbürgschaften werden von anderen Banken und Sparkassen als vollwertige Kreditsicherheit akzeptiert. Mit den Bürgschaften übernimmt die Bürgschaftsbank Hessen als Partner des Mittelstands wesentliche Teile des Kreditrisikos und ermöglicht so kreditfinanzierte Investitionen, wenn Unternehmen für diese Kredite keine ausreichenden Sicherheiten stellen können.

Idealentwicklung

Der Idealfall wäre, wenn zum Ende des Jahres hin die exportorientierte Industrie wieder in Gang kommt und damit der Abwärtsbewegung im Mittelstand entgegenwirkt. Auch wenn sich diese Idealentwicklung wie ein Wunschtraum anhört, gibt es gewisse Zeichen, die Hoffnung aufkeimen lässt. Laut den aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes legten die Industrieumsätze des verarbeitenden Gewerbes im März 2009 erstmals seit August 2008 im Vergleich zum Vormonat wieder zu.

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