Inhabergeführte Unternehmen trotzen der Krise

6. Juli 2009 von JK

Der deutsche Mittelstand ist geprägt von Familienunternehmen. In Zeiten der Krise profitieren vor allem die inhabergeführten Unternehmen von ihren eher konservativen Finanzstrukturen. In den vergangenen, wirtschaftlich besseren Jahren haben sie einen nicht unbeträchtlichen Teil ihres Eigenkapitals in das eigene Wachstum, in mehr Effizienz und in den Generationswechsel bzw. in die eigene Nachfolgeregelung investiert.

Sichern des Familienunternehmens

Aber auch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise geht an Familienunternehmen nicht spurlos vorbei. Konzentrierten sich Familiengesellschafter in der Vergangenheit vor allem auf die Bereiche Wachstum, Markterschließung und Generationswechsel, gilt heute die Aufmerksamkeit vermehrt Krisenthemen wie Restrukturierung und Sanierung. Um das inhabergeführte Unternehmen auch in der aktuellen wirtschaftlichen Lage zu sichern, sind in den vergangenen Monaten auf viele Familiengesellschafter einige Veränderungen zu kommen. Statt das ihre Firma – wie lange Zeit zuvor – Geld bringt, müssen sie derzeit auf Ausschüttungen verzichten und sogar Kapital in das Unternehmen stecken.

Die konservativen Finanzstrukturen vieler Familienunternehmen haben zwar dazu geführt, dass das Eigenkapital vor allem in das eigene Wachstum und den Generationswechsel investiert wurde, doch in Zeiten der weltweiten Wirtschaftskrise ist die Kraft zu Innenfinanzierung vieler Unternehmen deutlich geschwächt. Nun steht den Unternehmen die schwere Aufgabe bevor, der wirtschaftlichen Flaute bis zum nächsten Aufschwung stand zu halten.

Hohe Einsatzbereitschaft

Familienunternehmen können in Zeiten der Krise vor allem auf den engen Zusammenhalt zwischen Gesellschaftern und Mitarbeitern zählen. Die Bereitschaft zur Stützung des Unternehmens ist bei Familienunternehmern um ein vielfaches höher, als bei anderen Unternehmensformen, denn Firma und Familie sind oftmals eng emotional miteinander verflochten. Das Wittener Institut für Familienunternehmen hat festgestellt, dass die Familien in guten Zeiten vom Unternehmen profitieren und in schlechten Zeiten bereit sind auf Ausschüttungen zu verzichten. Anders als bei anderen Unternehmensformen ziehen die Kapitalgeber in Krisenzeiten ihr Geld nicht aus dem Unternehmen, sondern stecken oftmals noch frisches Geld in die Firma. Viele Familienunternehmer fühlen sich darüber hinaus den Mitarbeitern gegenüber besonders stark verbunden.

Risikofinanzierung

Viele klein- und mittelständische Unternehmen beklagen, dass die Vergabe von Krediten durch die Kreditinstitute derzeit mit immer mehr Bedingungen verknüpft werden. Bevor die Banken Unternehmen mit Kapital unterstützen, erwarten sie ein hohes Engagement der Firmen. Die Familienunternehmer müssen sich klar zur Zukunft des Unternehmens bekennen. Für Familienbetriebe bedeutet das, dass sie zuerst mit eigenem Kapital in das Risiko gehen müssen, bevor die Banken mit weiterem Kapital einspringen. Außerdem muss ganz klar geregelt sein, dass die Risikofinanzierung der Kreditinstitute nicht für nachträgliche Gewinnausschüttungen an die Familiengesellschafter verwendet wird, sondern in das Unternehmen investiert wird.

Doch die meisten inhabergeführten Unternehmen haben bereits im Vorfeld Verhaltensregeln für Krisensituationen erarbeitet. Natürlich gibt es keine pauschale Regel wie viel des erwirtschafteten Gewinns im Unternehmen bleiben sollte, aber besonders erfolgreiche Familienunternehmen belassen den größten Teil des Gewinns im Unternehmen. Dadurch können die Familienbetriebe auch typische betriebswirtschaftliche Fehler vermeiden, wie etwa strukturelle Probleme des Unternehmens mit frischem Kapital zu kaschieren.

Finanzierungsbedarf

Um den Finanzierungsbedarf beispielsweise für Investitionen decken zu können, haben Familienunternehmen wie auch andere klein- und mittelständische Unternehmen die Möglichkeit auf eine Vielzahl von Lösungen zurück zugreifen. Für den Fall, dass das Unternehmen beispielsweise über zu wenig Sicherheiten für einen Kredit verfügt, ist eine Bürgschaft eine ideale Lösung. Mit einem genauen Konzept des Finanzierungsvorhabens können sich die Unternehmer an eine Bürgschaftsbank – wie etwa der Bürgschaftsbank Hessen – wenden und eine Bürgschaft beantragen. Die Bürgschaftsbanken übernehmen in der Regel 80 Prozent des Risikos bzw. geben bis zu zwei Millionen Euro an Sicherheiten. Ausgestattet mit einer solchen Referenz und einem starken Partner an der Seite, erhalten Unternehmen auch in Zeiten der Wirtschaftskrise Kredite und frisches Kapital von ihren Kreditinstituten.

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