Schwieriges Gründungsklima – DIHK-Gründerreport 2009

3. August 2009 von JK

Das Klima für Existenzgründer in Deutschland ist nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) gegenwärtig als schwierig zu bezeichnen. Ende Juni hat der DIHK seine jährliche Einschätzung zum Gründungsgeschehen der deutschen Industrie, Handel und Dienstleistungsbranche veröffentlicht.

Grundlage für den DIHK-Gründerreport 2009 sind Erfahrungsberichte und Aussagen der Gründungsberater aus 80 Industrie- und Handelskammern (IHK) in Deutschland. Weitere Grundlage bildet die statistische Auswertung des IHK-Gründerservices.

Gründerszene bis Herbst 2008

Bis Herbst 2008 verzeichnen die Experten des DIHK einen Rückgang der Existenzgründungen. Sie erreichten sogar einen Negativrekord. Begründet wird der Rückgang mit der anhaltend guten Konjunktur bis etwa Ende des Jahres 2008. Die Perspektiven auf einen sicheren Job waren relativ hoch, so dass der Anreiz „aus der Not heraus“ eine Selbstständigkeit aufzubauen recht gering war.

Gründe für Existenzgründungen 2008

Wie bereits oben angedeutet, dominiert in Deutschland die Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit heraus. Etwa 56 Prozent der befragten Teilnehmer an den Gründungsberatungen der IHK gaben Arbeitslosigkeit oder drohende Arbeitslosigkeit als ausschlaggebenden Grund für eine Existenzgründung an. Insgesamt für 15.833 Gründungen gaben die Gründungsberater der IHK eine Stellungnahme zu Förderanträgen der Agentur für Arbeit und andere Maßnahmenträger zur Unterstützung einer Existenzgründung ab.

Trendwende Herbst 2008

Seit Herbst 2008 lässt sich eine Trendwende im Gründungsverhalten in Deutschland erkennen. Vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Wirtschaftskrise im September 2008 stieg das Interesse an der Selbstständigkeit wieder deutlich an. Für viele Arbeitnehmer wurde die Job-Situation immer unsicherer, so dass auch hier die Angst vor Erwerbslosigkeit bzw. eingetretene Erwerbslosigkeit Hauptgrund für eine Existenzgründung war.

Prognose für 2009

Ende 2009 wird mit einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit gerechnet. Derzeit haben viele Unternehmen auf Entlassungen verzichtet und sich arbeitsmarktpolitischer Instrumente wieder  Kurzarbeit bedient. Wirtschaftsexperten rechnen jedoch damit, dass ab Herbst 2009 die meisten Arbeitgeber auf Entlassungen nicht mehr verzichten können. Daher  rechnen infolge der Krise die Industrie- und Handelskammern mit einem weiteren Anstieg der Gründungen aus der Arbeitslosigkeit. Allerdings wird befürchtet, dass die meisten Existenzgründungen nur von kurzer Dauer sein könnten.

Das kann mehrere Gründe haben: Zum einen haben viele Banken und Kreditinstitute ihre Anforderungen für die Vergabe von Krediten verschärft. Auf der anderen Seite stürzen sich Existenzgründer, die gerade arbeitslos geworden sind, oftmals nur  mangelhaft oder gar völlig unvorbereitet in die Selbstständigkeit – das Scheitern ist in der Regel vorprogrammiert. Erschreckend sind daher auch die Erfahrungsberichte der IHK-Berater: 40 Prozent der Gründungswilligen sind nicht in der Lage ihre Ideen und Vorhaben entsprechend zu beschreiben.

Bessere Beratung

Angesichts der zu erwartenden Entwicklungen, richtet der DIHK-Gründerreport 2009 einen dringenden Appell an Schulen, Hochschulen, Medien, Gründungsberatungen und Politik: Unternehmensgründer müssen rechtzeitig und intensiv auf die Herausforderungen der unternehmerischen Selbstständigkeit informiert, vorbereitet und unterstützt werden. Banken und Kreditinstitute werden aufgerufen für aussichtsreiche Vorhaben genügend Fremdkapital zur Verfügung zustellen.

Weibliche Existenzgründer

Aus dem Gründerreport 2009 des DIHK kann man entnehmen, dass sich im eigentlich als gründungsschwach geltenden Jahr 2008 sieben Prozent mehr Frauen über das Thema Existenzgründung informiert haben als noch vor fünf Jahren. 124.991 Frauen haben sich entsprechend informieren und beraten lassen. Dagegen sank die Zahl der Männer um 18 Prozent auf derzeit 195.183. Experten erwarten daher eine steigende Zahl weiblicher Gründungspersonen, die derzeit etwa ein Drittel aller Gründungswilligen ausmachen.

Ältere Existenzgründer

Ebenfalls positiv hervorzuheben ist die Zahl der Existenzgründer, die 50 Jahre und älter sind, 2008 registrierten die Industrie- und Handelskammern 8.914 Personen die über 50 Jahre alt waren und sich über das Thema Existenzgründung informiert haben. Dies entspricht einem Anstieg von acht Prozent im Vergleich zu vor fünf Jahren.

Der ausführliche DIHK-Gründerreport 2009 finden Sie hier.

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