Risikomanagement bei Zuliefererpleite, Teil I

6. November 2009 von JK

Für viele klein- und mittelständische Unternehmen aber auch Existenzgründer wird es sehr gefährlich, wenn der einzige Lieferant plötzlich insolvent wird. Die Gefahr, dass die Insolvenz des Zulieferers das eigene Unternehmen mit in den Abgrund reist, ist besonders in Zeiten der Krise ein hohes Risiko für Gründer und KMU.

Die Abhängigkeit von nur einem oder sehr wenigen Lieferanten birgt gerade für Existenzgründer sowie klein- und mittelständische Unternehmen ein hohes Risiko. Viele Jung-Unternehmer, aber auch gestandene und erfahrene Unternehmer wissen zu wenig über die wirtschaftlichen Folgen für ihren eigenen Betrieb, wenn der Zulieferer ausfällt. Daher ist es für das eigene Risikomanagement extrem wichtig zu wissen, was man tun kann, um nicht in Abhängigkeit eines einzigen Zulieferers zu kommen bzw. wie man die drohende Insolvenz des Geschäftspartners erkennen kann.

Umfrage zum Lieferantenausfall

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Mazars Hemmelrath hat 2.500 Unternehmen zu den Auswirkungen der Finanzkrise auf das eigene Unternehmen befragt. Dabei lag ein Schwerpunkt auf den Auswirkungen von Lieferantenpleiten auf die eigene Firma. Das Ergebnis ist besorgniserregend. 25 Prozent der befragten Unternehmen ist nicht mehr lieferfähig, wenn der Lieferant von sogenannten kritischen Komponenten ausfällt. Jedes zehnte Unernehmen hat keine Ahnung, wie sich eine Lieferantenpleite auf das eigene Unternehmen auswirkt. Genauso wenig wissen die befragten Unternehmen, wie sich die schlechte Zahlungsmoral der Kunden auf das eigene Geschäft auswirkt. Jeder sechste befragte Betrieb hat angegeben, die Auswirkungen überhaupt nicht zu kennen. Bei einem Zahlungsausfall von 25 Prozent der Kunden wären etwa 75 Prozent der befragten Unternehmen nach ungefähr einem halben Jahr spätestens selbst pleite.

Auswirkungen

Den Ausfall von wichtigen Zulieferern müssten die meisten Unternehmen durch höhere Preise, Abschläge bei der Qualität und durch ungünstigere Konditionen bei Ersatzlieferanten kompensieren. Dadurch entsteht ein Teufelskreis, denn diese Maßnahmen ziehen weitere negative Folgen nach sich. Durch die Verzögerungen bei Leistungs- und/oder Lieferschwierigkeiten, die durch die Insolvenz von Zulieferern entstehen können, entsteht ein nicht unbeträchtlicher Imageschaden für das eigene Unternehmen. Außerdem können dadurch Konventionalstrafen entstehen, wenn der Liefertermin nicht eingehalten werden kann. Am Ende verliert das Unternehmen dadurch Marktanteile an die Konkurrenz und wird im schlimmsten Fall selbst insolvent.

Auch die nachlassende Zahlungsmoral der Kunden hat schwere Folge für das Unternehmen. Zum einen bestellen in Zeiten der Krise die Kunden weniger, was die Firma in eine Liquiditätsklemme bringen kann. Durch Zahlungsverzögerungen und –ausfälle verliert das Unternehmen an Kreditwürdigkeit. Sollte das Unternehmen nun einen Kredit brauchen, wird die Bank die Konditionen aufgrund der schlechteren Bonität wesentlich verschärfen.

Folge

Neben den verschärften Kreditbedingungen müssen Existenzgründer und Jung-Unternehmer mit weiteren Folgen rechnen. Durch fehlendes Kapital können die ausstehenden Lieferantenkredite nicht mehr bedient werden. Die Lieferanten könnten dann entweder ganz abspringen oder verlangen Vorkasse von ihren Geschäftspartner.

Der Teufelskreis beginnt sich unaufhaltsam zu drehen. Kommt kein frisches Kapital etwa in Form von Krediten in das Unternehmen, können Rohstoffe nicht mehr gekauft werden, die Produktion gerät ins Stocken und das Unternehmen kann selbst die verringerte Nachfrage nicht mehr bedienen. Weitere Kunden springen ab, die Bonität verschlechtert sich, Lieferanten stellen die Lieferung ein und am Ende steht die eigene Insolvenz.

Vor dem Hintergrund der Finanz- und Automobilkrise hat die Bürgschaftsbank Hessen in Zusammenarbeit mit der hessischen Landesregierung beispielsweise das Sonderprogramm Betriebsmittelfinanzierung aufgelegt, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Betroffene Unternehmen erhalten bis zu 80-prozentige Ausfallbürgschaften für Betriebsmittelfinanzierungen zur Verfügung. Damit können zusätzliche Liquiditätskredite bei den Hausbanken abgesichert werden. Die Bürgschaften sind auf dem normalen Antragsweg erhältlich.

Woran man Probleme beim Geschäftspartner erkennen und wie man gegen Ausfällen vorbeugen kann, zeigen wir im zweiten Teil unseres Beitrags.

Tags: , , , , , , , , , , , , ,
Abgelegt in: Aktuelles

Einen Kommentar schreiben

Bitte beachten: Die Kommentar-Moderation ist eingeschaltet, deshalb könnte Ihr Beitrag etwas später veröffentlicht werden. Sie brauchen Ihren Kommentar nicht mehrmals abzugeben.