Was Gründer antreibt und erfolgreich macht, Teil II
Für die Wissenschaft war das Unternehmertum bislang wenig interessant. Obwohl Existenzgründer und Unternehmer jährliche viele Arbeitsplätze schaffen, lag das Unternehmertum bislang nicht im Fokus der Wissenschaft. Nun liegen erste Forschungsergebnisse von Betriebswirten zu diesem Thema vor und bergen einige Überraschungen.
Nachdem im ersten Teil des Beitrags die (persönlichen) Voraussetzungen und die Motivation von erfolgreichen Existenzgründern näher betrachtet wurden, haben sich die Wissenschaftler gefragt, wie sich diese Ergebnisse (wirtschaftlich) nutzen lassen.
Prototyp eines Unternehmers?
Bei der Frage der wirtschaftlichen Verwertung der Untersuchungsergebnisse scheiden sich die Geister. Während die einen die Ergebnisse für eine bessere Identifizierung von Unternehmerpersönlichkeiten nutzen und diese gezielt fördern wollen, warnen die anderen davor, dass es keinen Prototyp eines Unternehmers gibt. Vielmehr bringt jede Persönlichkeit Eigenschaften mit, die sich sowohl positiv als auch negativ auf das Existenzgründungsvorhaben auswirken können.
Die Forschungen zum Unternehmertum haben ergeben, dass Gründungen komplexe Vorgänge sind. Gründer müssen viele verschiedene Eigenschaften miteinander verknüpfen können, um ihren Weg in die Selbständigkeit erfolgreich zu gestalten. Kreativität, Beigeisterungsfähigkeit, analytisches Denken und viel Spaß und Leidenschaft sind nur einige dieser Eigenschaften, die ein erfolgreicher Existenzgründer mitbringen sollte.
Erweiterter Unternehmerbegriff
Existenzgründer und Unternehmer lassen sich nicht in vorgefertigte Schablonen pressen. Daher scheint die Verfahrensweise, Unternehmerpersönlichkeiten an einigen wenigen Eigenschaften festmachen zu wollen, veraltet zu sein. Vielmehr setzt sich daher eine erweiterte Definition des erfolgreichen Unternehmertums durch. Demnach ist ein Unternehmer eine Person, die eine unternehmerische Gelegenheit erkennt und wahrnimmt und anschließend alle benötigten Schritte einleitet, diese erkannte Gelegenheit für sich zu nutzen.
Praktisch bedeutet dieser erweiterter Unternehmerbegriff, dass heute nicht mehr klar abzugrenzen ist, wer alles als Unternehmer anzusehen ist. In der Wissenschaft wird auch der so genannte Intrapreneure unter diesem Begriff gefasst. Dabei wird ein Intrapreneure – in Abgrenzung zum Entrepreneure – als Person angesehen, die innerhalb eines Betriebs unternehmerisch handelt. Des Weiteren ist für viele Menschen die Tätigkeit als Unternehmer eher eine Episode in ihrem Leben, die typischerweise dann einsetzt, wenn die Personen bereits vorher einer anderen Tätigkeit nachgegangen sind.
Persönliche Eigenschaften
Trotz des erweiterten Ansatzes des Unternehmertums bringen Studien immer wieder überraschende Ergebnisse zu bestimmten persönlichen Eigenschaften der Unternehmer zu Tage.
Beispielsweise gibt es signifikante Übereinstimmungen in der Biografie von Gründern und Kapitalgebern. Können Gründer Erfahrungen in Großunternehmen vorweisen wie ihre Kapitalgeber, ist die Chance auf eine Förderung höher als ohne diese biografische Übereinstimmung. Ähnlich verhält es sich bei Geldgebern, die selbst Erfahrungen mit Start-ups gemacht haben. Weitere Übereinstimmungen gibt es bei Ingenieuren, die Ingenieure tendenziell besser bewerten, genauso wie Betriebswirte Betriebswirte besser einschätzen.
Stressresistenz
Die Stressresistenz spielt für den Erfolg des eigenen Unternehmens eine besonders hohe Rolle. Beobachtungen von mehr als 200 kleineren Unternehmen über zehn Jahre hinweg haben ergeben, dass es einen positiven Zusammenhang zwischen stressbedingten Beschwerden bei Existenzgründern und dem langfristigen Erfolg ihrer Gründung gibt. Es konnten sich nur die Gründer langfristig gegen die Konkurrenz durchsetzen, die mit der großen Verantwortung und der einhergehenden reduzierten Freizeit umgehen konnten.
Fazit
Unternehmensgründer lassen sich nicht oder nur schwer in wissenschaftliche Kategorien pressen. Deshalb geht ein Teil der Wissenschaft dazu über, erfolgreiche Gründungen nicht mehr an den Fähigkeiten und Eigenschaften des Gründers zu bewerten, sondern mit den Umständen, in denen sich die Existenzgründer befinden, zu erklären. Der Gründer wird somit zu einer abhängigen Variable im gesamten Gründungsprozess. Der Erfolg von Unternehmensgründungen wird darauf zurückgeführt, dass diese Unternehmen besonders in das Wissen und die Kenntnisse ihrer Mitarbeiter investieren. Schafft es das Unternehmen dagegen nicht, dieses Wissen nicht für sich zu nutzen, dann wird der Mitarbeiter sehr bald die Gelegenheit ergreifen sich selbst selbständig zu machen.
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