Schwierigkeiten im Mikrokredit-Bereich

16. April 2010 von JK

Laut einer neuen Studie gibt es in Deutschland ein Finanzierungsdefizit bei Vorhaben im Bereich zwischen 10.000 bis 25.000 Euro. Vor allem im Bereich von Gründungsvorhaben ist diese Lücke besonders groß. Verschärfend kommt hinzu, wenn die Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit heraus erfolgt. Dann wird es für Gründer besonders schwer an Kapital zu kommen.

Finanzierungsschwierigkeiten

Vor allem Gründer aus der Arbeitslosigkeit sehen sich mit dem Problem konfrontiert, Kapital für ihre Vorhaben im Bereich von 10.000 bis 25.000 Euro zu erhalten. Besonders verwunderlich ist dieses Ergebnis, wenn man bedenkt, dass 39 Prozent aller Gründer Kapital in diesem Bereich benötigen. Beim Bedarf im niedrigen vierstelligen Bereich oder über 25.000 Euro haben Existenzgründer weniger Schwierigkeiten Kapital zu günstigen Konditionen zu erhalten. Diese Ergebnisse gehen aus einer Studie des Gründungsmonitors hervor.

Bei der Finanzierung von Gründungsvorhaben unter 10.000 Euro können die meisten Existenzgründer eigene Ersparnisse, Gründungszuschüsse und das Einstiegsgeld aufbringen und ggf. durch Darlehen von Freunden, Bekannten, Verwandten und der eigenen Familie decken. Bei Beträgen über 25.000 gibt es bei den meisten Banken entsprechende Kreditangebote. Die Bürgschaftsbank Hessen beispielsweise stellt Bürgschaften, die als Sicherheiten von jedem Kreditinstitut gern gesehen werden, ab 50.000 Euro zur Verfügung. Bei Beträgen zwischen 10.000 und 25.000 Euro jedoch haben es die meisten Gründer schwieriger Darlehen zu günstigen Konditionen zu erhalten. Der Grund liegt darin, dass solche Kredite für Kreditgeber – bezogen auf das Kosten- und Ertragsverhältnis – wirtschaftlich ungünstig sind.

Hoher Bedarf

Bei der Finanzierung von Vorhaben bis zu einer Grenze von 25.000 Euro wird im allgemeinen von Mikrofinanzierung gesprochen. Untersuchungen haben ergeben, dass in Deutschland ein Markt für Mikrokredite mit einem Volumen von 5,5 Milliarden Euro existiert. Ein Großteil davon wird allerdings von bereits bestehenden mittelständischen Unternehmen nachgefragt. Etwa 22 Prozent der Nachfrage entfällt auf Existenzgründer, was einem Volumen von immerhin 1,2 Milliarden Euro entspricht. Von diesen 22 Prozent Existenzgründernachfrage entfällt ein Fünftel (22 Prozent) auf Gründer aus der Arbeitslosigkeit. In ganzen Zahlen ausgedrückt bedeutete das, dass es hier ein Bedarf von ungefähr 270 Millionen Euro existiert.

Gründung aus der Arbeitslosigkeit

Bei der Gründung aus der Arbeitslosigkeit heraus haben die Gründer verschiedene Erfahrungen mit deutlich sehr unterschiedlichen Finanzierungsformen gemacht. Geschätzt wird, dass jährlich etwa 53.000 Existenzgründer den Schritt in die Selbständigkeit aus der Arbeitslosigkeit heraus wagen. Von diesen 53.000 Gründern haben etwa 47.000 (ca. 90 Prozent) einen Kapitalbedarf bis 10.000 Euro. Die restlichen 6.000 haben einen Bedarf an Mikrofinanzierung zwischen 10.000 und 25.000 Euro.

Vor diesen Hintergrund hat die Studie des Gründungsmonitors gezeigt, dass Gründer aus der Arbeitslosigkeit einen sehr unterschiedlichen Finanzierungsmix vorweisen können, entsprechend abhängig von ihrem Kapitalbedarf. Durchschnittlich nur zwei Prozent der Existenzgründer aus der Arbeitslosigkeit, die einen Bedarf von bis zu 10.000 Euro haben, können eine langfristige Finanzierung durch ein Bankdarlehen aufweisen. Liegt der Kapitalbedarf bei bis zu 25.000 Euro erhöht sich der Wert nur insgesamt auf sechs Prozent. Deutlicher fallen die Zahlen bei einem Bedarf ab 25.000 Euro aus. Hier haben 54 Prozent der Gründer aus der Arbeitslosigkeit ein Bankdarlehen über die benötigte Summe.

Im Vergleich dazu liegen die Werte bei Existenzgründungen, die nicht aus der Arbeitslosigkeit erfolgen: Den Bedarf bis 10.000 Euro decken 23 Prozent der Gründer mit einem Kredit ab. Bei einem Bedarf bis 25.000 Euro sind es 43 Prozent und bei über 25.000 Euro decken 56 Prozent aller Gründer ihren Bedarf mit einem Bankdarlehen.

Mikrofinanzfonds Deutschland

Seit ungefähr drei Jahren gibt es den Mikrofinanzfonds Deutschland. Er richtet sich insbesondere an Antragssteller mit schwierigen Voraussetzungen, wie zum Beispiel Langezeitarbeitslosen. An dem Fonds sind mehrere Banken und Ministerien beteiligt. Die Gelder aus dem Fonds können über beratende Stellen, sogenannte Mikrofinanzierer, abgerufen werden. Die Antragssteller werden von den Mikrofinanzierern beraten und begleitet. Existenzgründer die Mittel aus dem Mikrofinanzfonds Deutschland in Anspruch nehmen wollen, haften gegenüber dem Fonds mit 20 Prozent der Risiken. Da die Ausgabestellen (i.d.R. eine Bank) nur Zahlstellen sind, werden sie von dem Fonds zu 100 Prozent von Risiken freigestellt.

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