Studie zum Erfolg von Familienunternehmen

26. April 2010 von JK

Schon oft wurden mittelständische Familienunternehmen in diesem Blog thematisiert. Gerade in Deutschland sind Familienunternehmen prägend für den Mittelstand und ein Garant für Wachstum und Stabilität. Daher können Existenzgründer und Selbständige viel von diesen Unternehmen lernen, beispielsweise über langfristige Planung.

Familienunternehmen: Klischee & Realität

Oft wird Familienunternehmen nachgesagt, dass sie ungern Dinge verändern. In vielen Köpfen spukt das Bild des sturköpfigen Patriarchen herum, der seit Ewigkeiten sein Unternehmen nach dem Motto „Haben wir schon immer so gemacht“ führt. Doch was ist an solchen Klischees dran? Liegt nicht in jedem Vorurteil irgendwo ein Fünkchen Wahrheit? Eine Studie der Handelshochschule Leipzig (HHL) hat Strategien und Renditen von insgesamt 175 Familienunternehmen analysiert und sie mit den vorherrschenden verglichen.

Das Ergebnis der Studie ist, dass der Großteil der Unternehmen sehr erfolgreich ist. Die meisten der befragten Unternehmen bewältigen die anhaltende Wirtschaftskrise nach wie vor ohne größere Probleme.

Wer hat das Sagen im Unternehmen? Auch hier bewahrheitet sich das Klischee: In über der Hälfte der Unternehmen hatte die mittlere Führungsebene der Firma kein Mitspracherecht. Alle wichtigen Entscheidungen werden auf der obersten Führungsebene getroffen. In 77 Prozent der untersuchten Firmen entscheidet über die Änderung der Unternehmensstrategie ausschließlich die Geschäftsführung. Ein noch höherer Wert – 83 Prozent – wurde bei der Frage nach neuen Standorten bzw. bei Standortschließungen ausschließlich in der Chefetage erreicht.

Langfristige Planung sichert Erfolg

In ihrem Expansionsverhalten spiegelt sich ebenfalls die konservative Unternehmensstrategie eines Großteils der Familienunternehmen wieder. Die Studie hat ergeben, dass sich die Unternehmen auch in guten Zeiten mit Expansionen zurückhalten, um lieber für schlechte Zeiten zu sparen. Dadurch konnten etwa zwei Drittel der Unternehmen in den letzten drei Jahren trotz der Krise ihre Gesamtkapitalrendite steigern. Einem Sechstel der untersuchten Unternehmen ist es sogar gelungen, ihr eingesetztes Kapital jährlich um sechs Prozent zu steigern.

Das so erwirtschaftete Polster haben viele Unternehmen aber derzeit auch bitter nötig, um die teilweise dramatischen Einschnitte durch die Wirtschaftskrise abzufedern. Trotz der Absatzeinbrüche bei den Unternehmen, wollen nur ca. 30 Prozent der Befragten Mitarbeiter entlassen. 22 Prozent der Unternehmen wollen sogar antizyklisch reagieren und gezielt neue Fachkräfte einstellen.

Der Kapitalstock ist auch für Investitionen der Unternehmen von Bedeutung. So wollen 60 Prozent der Familienbetriebe anstehende Investitionen aus eigener Kraft stemmen. Das gute Kapitalpolster sorgt für gute Voraussetzung bei der Kreditaufnahme. Durch den hohen Eigenkapitalanteil haben es familiengeführte Unternehmen oft einfacher an die benötigten Kredite zu bekommen. Trotzdem klagen etwa ein Drittel der mittelständischen Familienunternehmen über die allgemein verschärften Kreditkonditionen der Banken.

Unschätzbarer Vorteil: Zusammenhalt

Ein unschätzbarer Vorteil vor allem in der Krise ist der hohe Zusammenhalt in familiengeführten Unternehmen. Die Krise schweißt nicht nur die Familie enger zusammen, sondern auch die Mitarbeiter mit der Geschäftsführung.

Trotzdem ist nicht alles heiterer Sonnenschein: Etwa ein Fünftel der befragten Unternehmen beklagt Spannungen innerhalb der Familie. In den meisten Fällen geht es um die Rolle der Familie in der Geschäftsführung des Unternehmens und über die Verteilung der Gewinne. In manch einem Unternehmen hat die anhaltende Wirtschaftskrise sogar zu Eskalation der Konflikte beigetragen. Zwar sagt der Volksmund, dass Blut dicker ist als Wasser, aber er sagt auch, dass bei Geld nicht nur die Freundschaft aufhört. So manch eine Familie ist am Streit um Geld schon auseinandergebrochen.

Nichtsdestotrotz ist Loyalität, Engagement und Einigkeit in den Unternehmenszielen für über 90 Prozent der befragten Familienunternehmen nach wie vor von sehr hoher Bedeutung. Vor diesem Hintergrund geben einige der Studienteilnehmer an, dass die Krise die Familie noch enger zusammengeschweißt hat. Davon werden voraussichtlich auch die Unternehmensnachfolger profitieren. Vor der Krise gaben ca. 80 Prozent der Unternehmer an, die Nachfolge innerhalb der Familie zuregeln. Derzeit sind es 91 Prozent, die sich für eine interne Nachfolgeregelung aussprechen.

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