Neugründung oder Unternehmenskauf? (II)
Für viele Existenzgründer, vor allem der erfahreneren Generation, die auf ein längeres Arbeitsleben zurückblicken können, stellt sich die Frage, ob nicht vielleicht ein Unternehmenskauf besser wäre als eine komplette Neugründung. Im ersten Teil wurde allgemein der Frage nach einer Unternehmensnachfolge sowie der staatlichen Unterstützung bei der Suche nach einem geeigneten Unternehmen nachgegangen. Im zweiten Teil der Serie beschäftigen wir uns mit der Frage von Kosten und Finanzierung einer Übernahme sowie der richtigen Begleitung vor, während und nach dem Übernahmeprozess.
Kosten
Eine Unternehmensübernahme ist letztlich ein Geschäft, bei der sich die Höhe des Preises nach vielen Kriterien bildet. Bei den Preisverhandlungen gibt es daher einige Kriterien, die sich auf die eine oder andere Art und Weise auswirken können. Zum Beispiel, ob der bisherige Firmeninhaber eventuell an einen bestimmten Preis gebunden ist oder nicht. Wichtig ist auch zu wissen, ob der Nachfolge bei der Übernahme an weitere Kosten gebunden ist wie etwa Pachten oder Investitionen für Modernisierungen.
Grundlage für die Preisverhandlungen sollte eine professionelle und objektive Bewertung des Unternehmens sein. Experten raten hierbei zur Ertragswertermittlung. Das ist ein Verfahren, dass vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) mittlerweile auch verbindlich vorgeschrieben wird. Im Mittelpunkt dieses Bewertungsverfahrens steht, ob auch zukünftig bei der Weiterführung des Unternehmens durch den neuen Inhaber sich Gewinne erzielen lassen oder nicht. Die Methode ist Vergangenheitsbezogen. Auf Basis der vergangenen Daten wird eine Prognose für die Zukunft erstellt.
Allerdings gibt es keine Garantie für die Höhe der zukünftig möglichen und erreichbaren Erträge. Die Zukunft des Unternehmens wird oftmals von Käufer und Verkäufer sehr unterschiedlich bewertet. Dabei können sich Bewertungen sogar täglich ändern, so dass daher kein eindeutiger Unternehmenspreis allein durch die Ertragswertermittlung bestimmt werden kann. Daher sollten in dieser Phase der Preisverhandlung Experten wie Unternehmensberater, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater hinzugezogen werden, um eine professionelle und objektive Bewertung des Unternehmens zu gewährleisten. Dies ist im Interesse aller beteiligten Parteien.
Finanzierung
Das Hauptthema jeder Existenzgründung ist die Beschaffung des benötigten Kapitals. Um zu wissen, wie viel Kapital benötigt wird, muss der Bedarf zunächst einmal ermittelt werden. Im Anschluss daran muss festgelegt werden, wie und mit welchen Mitteln die Finanzierungslücke von vorhandenen und benötigten Kapital geschlossen werden soll. Beide Schritte müssen im Businessplan bearbeitet und ausführlich dargelegt werden. Ebenfalls im Businessplan muss enthalten sein, wie der neue Betriebsinhaber gedenkt das Unternehmen in Zukunft weiterzuführen. Dazu gehören konkrete Unternehmensziele und Maßnahmen sowie eine Abwägung von möglichen Chancen und Risiken.
Bei der Übernahme ergeben sich verschiedene Möglichkeiten, wie der neue Inhaber den alten Chef auszahlen kann. Eine Möglichkeit wäre eine Ratenzahlung in Form einer Rente, die komplett aus den zukünftigen Erträgen des Unternehmens an den alten Inhaber gezahlt werden. Es bietet sich aber auch an, den gesamten Betrag auf einen Schlag zu bezahlen. Dafür benötigt der Unternehmensnachfolger aber entsprechendes Fremdkapital. Dieses kann er beispielsweise aus (staatlich geförderten) Krediten, Zuschüssen oder durch Private Equity erhalten. Benötigte Sicherheiten können Existenzgründer durch Bürgschaften wie etwa der Bürgschaftsbank Hessen erhalten.
Natürlich sind auch Mischformen oder erfolgsabhängige Modelle möglich und recht weit verbreitet. Der angehende Unternehmensnachfolger sollte allerdings mindestens zehn Prozent der benötigten Finanzierung in Form von Eigenkapital vorweisen können.
Gute Beratung
Die Verwandlung von einem Angestellten oder Arbeitslosen in einen Unternehmer ist ein schwieriger Prozess. Daher empfehlen Gründungs- und Übernahmeexperten dem neuen Unternehmensinhaber dazu, sich professionelle Beratung und Unterstützung zu holen, damit die Übernahme auch von Erfolg gekrönt ist. Die Beratung sollte dabei schon frühzeitig einsetzen und sich über den gesamten Prozess hinziehen. Fundamentale Fehler, die das gesamte Projekt zum Scheitern bringen könnten, lassen sich dadurch frühzeitig vermeiden bzw. begrenzen.
Potentielle Unternehmensnachfolger sollten sich rechtzeitig professionell coachen lassen. Die Einschätzung der Gründerpersönlichkeit erleichtert dabei die Suche nach dem passenden Unternehmen. Der nächste Schritt ist eine professionelle und objektive Unternehmensbewertung sowie die Erstellung des Businessplans als Grundlage für die weitere Entwicklung des Unternehmens. Die Finanzierungspläne sind die Basis für die Beschaffung des benötigten Kapitals. Der Berater sollte anschließend die Preisverhandlungen zwischen Käufer und Verkäufer sowie den Gründer bei den ersten Schritten als Unternehmer begleiten.
Bei der Suche nach qualifizierten Beratern in der Gründungsphase helfen staatliche Einrichtungen weiter. Der Existenzgründer kann darüber hinaus Zuschüsse aus Förderprogrammen für Gründer und Nachfolger in Anspruch nehmen, um sie professionell vorzubereiten. Auch wer bereits Unternehmer ist, kann die Kosten für die Beratung – abhängig vom Bundesland und der persönlichen Situation – um 50 bis 90 Prozent senken. So gibt es für Coachings von Betriebsübernahmen feste Fördersätze, die auch bei Vorgründungsberatungen und Beratungen nach dem Unternehmensstart in Anspruch genommen werden können.
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