Aus der Not heraus
Aus der Not heraus entstehen viele Selbständigkeiten in Deutschland. Gerade in Zeiten der Krise gilt Selbständigkeit nach wie vor als einzige Alternative (drohender) Arbeitslosigkeit zu entgehen. Demnach ist auch die Zahl der krisenbedingten Existenzgründungen 2009 weiter gestiegen.
Studie
Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn hat die jüngsten Zahlen für das Jahr 2009 veröffentlicht. Demnach gab es im vergangenen Jahr 410.000 Existenzgründungen. Dies entspricht im Vergleich zu 2008 einem Anstieg von 2,7 Prozent. Die Zahl der Unternehmensauflösungen ist 2009 im Gegensatz zum Vergleichszeitraum 2008 um 3,6 Prozent auf 397.000 gesunken. Damit ist das Gründungssaldo wieder positiv ausgefallen. Es entstanden 2009 etwa 13.000 neue Unternehmen deutschlandweit. 2008 fiel das Gründungssaldo das erste Mal seit den 70er Jahren des vorherigen Jahrhunderts negativ aus – es wurden mehr Unternehmen aufgelöst als neue entstanden.
Verhaltener Optimismus
Die Studienautoren warnen jedoch vor allzu großem Optimismus. Die meisten Gründer seien keine Überzeugungstäter, so die Autoren, sondern handelten schlicht aus der Not heraus. Eindeutiges Indiz dafür sind die gestiegenen Arbeitslosenzahlen in den Jahren 2008 und 2009. Die Verbindung zwischen steigenden Arbeitsloszahlen und Existenzgründungen ist signifikant. Selbständigkeit bleibt für viele Menschen in Deutschland die Alternative zur Arbeitslosigkeit.
Die Daten der Agentur für Arbeit untermauern diese These: In den ersten drei Quartalen 2009 beantragten nach Auskunft der Agentur knapp 117.000 Arbeitslose Fördermittel aus dem Gründerzuschuss (ALG I) oder Einstiegsgeld (ALG II). Im Vergleichszeitraum 2008 waren es nur rund 111.000 Anträge.
Der Rückgang der Unternehmensauflösungen ist auch noch kein Zeichen für eine Überwindung der Krise. Auf ihrem Höhepunkt 2008 haben vor allem Unternehmer ihre Geschäfte aufgelöst, die eh nicht mehr richtig gelaufen sind, aber eine Liquidierung noch hinausgezögert haben. So kam es 2008 zunächst zu einer Marktbereinigung von nicht mehr profitablen oder schlecht laufenden Unternehmen.
Für die Experten vom IfM ist dieses Verhalten nachvollziehbar: Viele Selbständige zögern vor dem Hintergrund keinen anderen Job mehr zu finden, wenn schon viele große Unternehmen Kurzarbeit einführen oder Leute entlassen müssen, die Abwicklung möglichst lange hinaus. Selbständigen, die bei der Gründung keine freiwillige Weiterversicherung in der Arbeitslosenversicherung abgeschlossen haben, bleibt dann nur noch Arbeitslosengeld II (Hartz IV). Sinnvoll ist dieses Verhalten nicht. Je länger die Liquidation hinausgezögert wird, desto höher ist das Risiko direkt in die Insolvenz gehen zu müssen. 2009 ist die Zahl der Insolvenzen um knapp 17 Prozent auf 34.300 gestiegen.
Für das laufende Jahr erwarten die Experten eine Fortsetzung des Trends. Die Zahl der Arbeitslosen wird wahrscheinlich weiter steigen und mit ihnen die Zahl der Neugründungen.
Tags: Agentur für Arbeit, Einstiegsgeld, Existenzgründer, Existenzgründung, Gründer, Gründung, Gründungszuschuss, IfM, Insolvenz, Institut für Mittelstandsforschung, Liquidierung, Selbständigkeit, Unternehmen, Unternehmer
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Aktuelles
21. Juni 2010 at 05Europe/BerlinMon, 21 Jun 2010 09:05:52 +0000
[...] Der Hauptgrund, der die Deutschen einer selbständigen Tätigkeit abhält, ist die Angst kein regelmäßiges Einkommen mehr zu beziehen bzw. zu erzielen. Fast 45 Prozent der Befragten gab dies als Hauptgrund an. 23 Prozent haben Angst vor Misserfolg, weitere 10 Prozent fürchten mangelnde Unterstützung oder fehlende Qualifikation (sieben Prozent). Das regelmäßige Einkommen hält vor allem Angestellte aus Verwaltung (67 Prozent), Finanzdienstleistung (55 Prozent) und Transport (54 Prozent) von einer Existenzgründung ab. Hinzu kommt sicherlich auch die Auswirkungen der Finanzkrise, die das Risikobewusstsein und -vermeidung der Deutschen zusätzlich geschärft hat. [...]
16. Juli 2010 at 01Europe/BerlinFri, 16 Jul 2010 09:01:25 +0000
[...] man gerne die Existenzgründer, die sich bedroht von Existenzängsten zur Selbständigkeit aus der Arbeitslosigkeit als einzige Alternative gezwungen sehen. Im Gegensatz zu anderen Existenzgründer unterstellt man [...]