Selbständig im Kleinstgewerbe

21. Mai 2010 von JK

Der Weg vom Angestellten zum Einzelkämpfer im Kleinstgewerbe ist schwer und oft holprig. Zum Beginn der Selbständigkeit werden die Weichen für die Entwicklung der eigenen Unternehmung gestellt.  Daher wollen wir heute ein paar Tipps für einen möglichst reibungslosen Einstieg in die Selbständigkeit ins Kleinstgewerbe geben.

Unternehmensformen

Existenzgründer, die ein Kleinstgewerbe betreiben wollen, haben die Wahl zwischen zwei Rechtsformen: Einzelunternehmen oder die haftungsbeschränkte Unternehmens Gesellschaft (UG haftungsbeschränkt). Während die erste Form in Deutschland recht bekannt ist, setzt sich die zweite Form erst langsam unter Existenzgründern durch. Bei der haftungsbeschränkten UG handelt es sich um eine Art „Mini-GmbH“. Im Gegensatz zu einer GmbH reicht eine anfängliche Einlage von einem Euro. Hinzu kommen noch Notarkosten in Höhe von ca. 150 Euro. Der Kapitalstock der UG muss durch Gewinnrücklagen aufgestockt werden, bis eine Einlage von 25.000 Euro erreicht wurde. Danach hat der Gründer die Möglichkeit die UG in eine echte GmbH umzuwandeln oder die Rechtsform beizubehalten. Wer eine Existenzgründung in einem Bereich mit hohem Haftungsrisiko plant, sollte sich für die UG entscheiden, da wie bei einer GmbH der Geschäftsführer nicht mit seinem Privatvermögen haftet.

Buchhaltung

Bei Einnahmen bis maximal 10.000 Euro raten Gründungsexperten jedoch zum Einzelunternehmen. Der Vorteil ist, dass hierbei nur eine jährliche Steuererklärung erstellt werden muss. Der Gewinn wird ähnlich wie ein Gehalt nach dem Einkommensteuertarif versteuert. Darüber hinaus fällt bis zu einer Umsatzgrenze von 500.000 Euro und einem Gewinn unter 50.000 Euro die Buchhaltungspflicht weg. Dadurch sinken für den Einzelunternehmer auch die Gebühren beim Steuerbrater.

Bei einer haftungsbeschränkten UG ist ein Steuerberater beinahe obligatorisch, da die Finanzbuchhaltung Pflicht ist. Zur Einkommensteuererklärung kommt die Umsatzsteuervoranmeldung, die Umsatzsteuerjahreserklärung, die Gewerbe- und Körperschaftsteuer sowie ein Jahresabschluss hinzu. Die jährlichen Verwaltungskosten für die UG belaufen sich, je nach Aufwand der Verwaltung, zwischen 1.500 und 3.000 Euro.

Steuern

Die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) wird für Existenzgründer erst dann steuerlich interessant,  wenn durch die Unternehmung auf Dauer Gewinne eingefahren werden soll. Dann fallen die rund 15 Prozent Körperschaftssteuer sowie die etwa 16 Prozent Gewerbesteuer für den Gründer an. Nimmt man beide Steuern zusammen machen diese insgesamt weniger als die Einkommensteuer aus. Das heißt, bei einem durchschnittlichen Gewinn von 100.000 Euro im Jahr fallen 36 Prozent Einkommensteuer an im Gegensatz zu rund 31 Prozent Körperschafts- –und Gewerbesteuer.

Aufpassen sollten Existenzgründer, die von den Gewinnen der UG leben wollen und diese ausschütten. In diesem Fall kommen noch 25 Prozent Abgeltungssteuer hinzu. Eine Alternative dazu ist das Geschäftsführergehalt. Das heißt, wenn sich der Geschäftsführer ein Gehalt aus den Gewinnen auszahlen lässt fällt die Abgeltungssteuer nicht an. Zudem mindert das Gehalt die Gewinne der UG, was sich wiederum positiv auf die Steuerbelastung der Unternehmung auswirkt. Das Geschäftsführergehalt unterliegt dagegen wieder der normalen Einkommensteuer.

Damit die Steuerlasten die Existenzgründer nicht zu sehr belasten, empfehlen Gründerexperten die klassischen Sparmodelle, die beiden Rechtsformen offen stehen. Eine Möglichkeit zur Minderung der Steuerbelastung ist beispielsweise die geringfügige Beschäftigung des Lebenspartners (z.B. im Bereich der Buchführung). Das Gehalt des Lebenspartners, das häusliche Arbeitszimmer, falls vom Finanzamt anerkannt, die Betriebskosten des Firmenwagens sowie der Anschaffung von technischen Hilfsmitteln lassen sich steuerlich geltend machen.

Wichtig: Beschäftigung von Familienangehörigen

Wer in seinem Unternehmen Familienangehörige dauerhaft beschäftigen möchte, sollte nicht vergessen bei der Rentenversicherung per Anfrage formell feststellen zu lassen, dass es sich wirklich um ein Arbeitsverhältnis handelt und nicht um eine Scheinbeschäftigung. Sollte dieser Schritt versäumt werden, kann es passieren, dass das angestellte Familienmitglied zwar Sozialversicherungsbeiträge geleistet hat, aber daraus später keine Leistungsansprüche ableiten kann.

Leistungsabrechnung

Kleinstunternehmen sollten unbedingt darauf achten wie sie ihre Leistungen abrechnen. Hat man Anfangs beispielsweise nur einen einzigen Kunden, gerät man schnell in den Verdacht der Scheinselbständigkeit. Eine pauschale Abrechnung im Monat wird als klares Indiz für Scheinselbständigkeit gewertet. Daher empfehlen Gründungsexperten nicht pauschal sondern auf Stundenbasis abzurechnen. Reisekosten sollten sich Kleinstunternehmen immer per Einzelnachweis erstatten lassen. Auf die Stellung eines Dienstfahrzeugs durch den Kunden sollten die Kleinunternehmer verzichten. Das gleiche gilt auch für Diensthandys. Die Telefonkosten sollten von Kleinunternehmern in die Stundenkalkulation miteinbezogen werden, um den Verdacht auf Scheinselbständigkeit auszuräumen.

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3 Reaktionen

  1. Mini-GmbH findet großen Anklang | Bürgschaft ohne Bank

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  2. Zurück zum Kleinunternehmen | Bürgschaft ohne Bank

    […] Die Fragen die sich viele Gründer am Anfang stellen sind: Was wenn sich das Unternehmen nicht so entwickelt wie erwartet? Was passiert, wenn ich wieder eine Festanstellung annehme und die Selbstständigkeit nur noch nebenberuflich betreiben möchte? Geht der Weg zurück vom umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen zum vergleichsweise unkomplizierten Kleinunternehmen? […]

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