Furcht vor der Selbständigkeit

21. Juni 2010 von JK

Laut einer aktuellen Umfrage fühlt sich jeder zweite Deutsche für eine Selbständigkeit qualifiziert. Trotzdem scheuen die Deutschen nach wie vor eine Existenzgründung. Nur für jeden Elften ist die Selbständigkeit Ziel seines Berufsweges. Mit der Zurückhaltung bei Existenzgründungen ist Deutschland im internationalen Vergleich weit abgeschlagen.

Selbständigkeit in Deutschland

Die meisten Arbeitnehmer scheuen die Selbständigkeit. Sie verbinden mit einer Existenzgründung den Weg ins Ungewisse ohne regelmäßiges Einkommen, obwohl es starke Partner wie die Bürgschaftsbank Hessen gibt, die Existenzgründer und Unternehmer mit Sicherheiten und Bürgschaften in jeder Phase unterstützt. Nur 14 Prozent aller deutschen Teilnehmer an der Umfrage des internationalen Personaldienstleisters Kelly Services sind derzeit freiberuflich tätig. Vergleich  liegt Deutschland damit zwei Prozentpunkte unterhalb des europäischen Durchschnitts.

In der Bundesrepublik sind die meisten Selbständigen im Bereich der Bildung (32 Prozent), dicht gefolgt von Transport/Distribution (18 Prozent) und anderen Dienstleistungen (17 Prozent) tätig. Auffällig ist, dass etwa ein Fünftel der Selbständigen und Existenzgründer der sogenannten Baby-Boomer-Generation anhängen und damit im Schnitt zwischen 48 und 65 Jahren alt sind. Die sogenannte Generation X (zwischen 30 bis 47 Jahre) ist unter den Selbständigen deutlich weniger vertreten. In etwa gleichauf liegt die Generation der 18 bis 29-jährigen (Generation Y). Ebenfalls auffällig ist, dass mehr Männer (17 Prozent) als Frauen (10 Prozent) freiberuflich tätig sind. Über mögliche Gründe haben wir schon öfter berichtet.

Furcht vor freiberuflicher Tätigkeit

Fast jeder zweite befragte Teilnehmer (45 Prozent) ist davon überzeugt, fachlich für eine freiberuflichen Tätigkeit qualifiziert zu sein und findet diese Vorstellung verlockend. Dabei ist festzustellen, dass Männer diese Frage deutlich selbstbewusster beantwortet haben (53 Prozent) als Frauen (37 Prozent). Vergleicht man die Generationen untereinander, lassen sich ebenfalls signifikante Unterschiede feststellen: 54 Prozent der Baby-Boomer-Generation und 50 Prozent Generation X halten sich für qualifiziert genug. Bei der jüngeren Generation Y sind es nur 35 Prozent. Insgesamt sind jedoch nur neun Prozent der Befragten insgesamt bereit tatsächlich ein eigenes Unternehmen zu gründen bzw. freiberuflich tätig zu werden.

Der Hauptgrund, der die Deutschen einer selbständigen Tätigkeit abhält, ist die Angst kein regelmäßiges Einkommen mehr zu beziehen bzw. zu erzielen. Fast 45 Prozent der Befragten gab dies als Hauptgrund an. 23 Prozent haben Angst vor Misserfolg, weitere 10 Prozent fürchten mangelnde Unterstützung oder fehlende Qualifikation (sieben Prozent). Das regelmäßige Einkommen hält vor allem Angestellte aus Verwaltung (67 Prozent), Finanzdienstleistung (55 Prozent) und  Transport (54 Prozent) von einer Existenzgründung ab. Hinzu kommt sicherlich auch die Auswirkungen der Finanzkrise, die das Risikobewusstsein und -vermeidung der Deutschen zusätzlich geschärft hat.

Unternehmensgründung

Nur 9 Prozent der Umfrageteilnehmer haben angegeben, bereits konkrete Pläne für ein eigenes Geschäft zu haben. Zum Vergleich: Der europäische Durchschnitt liegt bei 20 Prozent. Auch hier zeigen sich deutlich Unterschiede zwischen Männern (zwölf Prozent Zustimmung) und Frauen (sieben Prozent Zustimmung). Am ehesten bereit ein eigenes Unternehmen zu gründen sind die Vertreter aus der IT-Branche (15 Prozent). Am unteren Ende befinden sich die Bereiche Fertigung und Transport. Hier sind nur fünf Prozent der Befragten bereit eine selbständige Tätigkeit aufzunehmen.

Zeit lassen

Die meisten, die sich eine Selbständigkeit vorstellen können, wollen sich damit aber Zeit lassen. So planen 41 Prozent der Befragten in den nächsten zwei Jahren eine Existenzgründung zu wagen. 55 Prozent dagegen wollen es noch langsamer angehen und erst in drei bis fünf Jahren oder noch später ihre Pläne umsetzen. Auch hier lässt sich wieder ein Generationenunterschied feststellen: Je älter die befragten Teilnehmer waren, desto konkreter waren die Pläne. 80 Prozent der Baby-Boomer-Generation haben vor, in den kommenden ein bis zwei Jahren eine Unternehmen zu gründen. Die jüngere Generation Y (78 Prozent) will sich erst in drei oder mehr Jahren daran machen ihre Pläne in die Tat umzusetzen.

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