Gute Noten

2. Juli 2010 von JK

Gute Noten sind nicht nur in der Schule von Vorteil, sondern auch bei Suche nach einem passenden Kredit. Ob ein Mittelständler ein preiswertes Darlehen bekommt, ist heute mehr denn je eine Frage des Ratings. In Zeiten, in denen ganze Länder durch eine Abwertung in Schieflage geraten können, werden Ratings für den Mittelstand beinahe überlebenswichtig. Doch die wenigsten haben das Bewertungssystem der Banken verstanden.

Reserven aufgebraucht

Zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr verfügten die meisten klein- und mittelständischen Unternehmen über genügend Reserven, um die bevorstehenden harten Zeiten relativ gut zu überstehen. Doch heute sind diese zum größten Teil aufgebraucht. Viele Unternehmer sind daher auf die Vorsorgung mit neuen Krediten angewiesen. Doch der Zugang zum Kapitalmarkt ist nach wie vor schwer. Viele Mittelständler stehen vor dem Problem, mit den selben Kennzahlen ihres Unternehmens von verschiedenen Banken unterschiedlich bewertet zu werden und entsprechend unterschiedliche Konditionen angeboten zu bekommen.

Bankenrating

Ein gutes Bankenrating ist für Unternehmen überlebenswichtig geworden. Mit einem Rating bewerten die Banken das Ausfallrisiko von Krediten. Das heißt, es werden Prognosen erstellt, wie wahrscheinlich eine Rückzahlung des Kredits inklusive der geforderten Zinsen durch das Unternehmen ist. Für den Unternehmer bedeutet das, dass je schlechter das Rating ausfällt, desto höher die Zinsen sein werden. Während der Finanzkrise wurden die Anforderungen für ein gutes Rating immer höher geschraubt. Und auch jetzt, in einer Phase der Entspannung, in der viele Unternehmen frisches Kapital benötigen, sind die Banken immer noch vorsichtig. Unternehmen werden teilweise noch strenger bewertet.

Dadurch entsteht ein Teufelskreis: Auf der einen Seite haben viele Unternehmen ihre Reserven und Sicherheiten aufgebraucht und brauchen nun dringend preiswertes Kapital. Auf der anderen Seite sehen Banken in den aufgezehrten Sicherheiten und Reserven ein erhöhtes Risiko und verlangen  daher höhere Zinsen. Das führte bereits dazu, dass laut Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) fast 100.000 Unternehmen seit Beginn des Jahres gar kein Geld mehr von den Banken bekamen. Außerdem steht zu erwarten, dass sich die Ratings noch weiter verschlechtern, wenn die schlechten Geschäftszahlen aus dem vergangenen Jahr in die neuen Bewertungen einfließen. Das Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) geht davon aus, dass bis zu 80 Prozent der Unternehmen dieses Jahr noch schlechter geratet werden als im vergangenen Jahr.

Doch auch die Banken haben ein Eigenkapitalproblem: Sie müssen Kredite nach dem sogenannten Basel II Kriterien mit einem eigenen Anteil an liquiden Mitteln abdecken. Je schlechter das Rating für ein Unternehmen, desto höher die Eigenkapitaldeckung bei den Banken. Diesen Risikoschutz geben die Banken in Form höherer Zinsen an die Kunden weiter. Für Unternehmen bedeutet das, dass sie es in Zukunft noch mehr denn je ihre Kreditwürdigkeit unter Beweis stellen müssen.

Die Rating-Note

Wenige Unternehmer haben das Rating-System ihrer Bank durchschaut oder kennen ihr eigenes Rating-Ergebnis. Dabei setzt sich die Rating-Note bei den meisten Banken aus drei Bereichen zusammen:

  • Jahresabschlüsse,
  • Qualitative Eigenschaften des Unternehmens (z.B. Management, Personal, Innovationskraft etc.),
  • Zuverlässigkeit (z.B. ob Zahlungen pünktlich erfolgen, ob das Konto überzogen wird und wie schnell ein Ausgleich erfolgt).

Wie diese Kriterien gewichtet werden, ist in der Regel abhängig vom Unternehmen. So ist die Managementkultur in einem kleinen Unternehmen weniger ausschlaggebend als bei einem großen Unternehmen. Hat ein Unternehmen Probleme mit der Liquidität, wird dieser Faktor durch die Bank stärker gewichtet. Waren früher Reserven und Sicherheiten besonders ausschlaggebend, liegt heute der Schwerpunkt vor allem auf dem Cash Flow. Hintergrund der Fokusverlagerung ist, dass gerade wegen der Liquiditätsprobleme viele Unternehmen Pleite gegangen sind.

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