Weiter Angst vor Kreditklemme

30. August 2010 von JK

Seit geraumer Zeit beherrscht die Angst vor der Kreditklemme die Tagespolitik. Zwar steigen die Erwartungen an das Wirtschaftswachstum, doch viele Banken und Kreditinstitute schauen bei der Kreditvergabe noch genauer hin als bisher. Die Gefahr, dass sie in Zukunft Kreditanfragen vermehrt ablehnen könnten, steigt. Auch die drohende Verschärfung der Regulierung im Bankensektor verschärft die Lage am Kreditmarkt, die sich besonders belastend auf klein- und mittelständische Unternehmen auswirkt.

Kreditklemme: Ja oder Nein?

Die Aussagen zur Kreditklemme sind sehr unterschiedlich. Während große Verbände wie etwa der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) die Existenz einer Kreditklemme verneint, sieht der Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft (BVMW) die Lage viel pessimistischer. Laut einer Untersuchung des BVMW hat jeder zweite mittelständische Betrieb aktuell Probleme mit der Finanzierung.

Der BVMW stützt sich dabei auf Umfrage unter 1.300 Unternehmen, bei der 42 Prozent der Befragten beklagten, dass weniger neue Kredite an sie vergeben werde. Darüber hinaus würden die Kreditinstitute die Informationspflichten verschärfen, ihre Zinsmargen erhöhen und mehr Sicherheiten als vorher verlangen. Zumindest im letzteren Fall gibt es Abhilfe, beispielsweise durch eine Bürgschaft der Bürgschaftsbank Hessen.

Auch die Politik vermag keine Kreditklemme erkennen zu können. Lediglich die Erkenntnis ist gereift, dass derzeit weniger Kreditnehmer und Kreditgeber zusammen kommen als vor der Wirtschaftskrise.

Frisches Kapital benötigt

Eine Befragung unter 4.600 Unternehmen hat ergeben, dass nach der Krise 2009 viele Unternehmen vermehrt Investitionen planen und ihre Geschäftsaktivitäten ausweiten wollen. Da bei den meisten Unternehmen die Eigenkapitalreserven weitgehend aufgebraucht sind, ist der Bedarf nach frischem Kapital derzeit relativ hoch. Doch 42 Prozent der befragten Unternehmen klagten, dieses Jahr schwerer an frisches Kapital zu kommen als im vergangenen Jahr. 2009 berichteten nur 35 Prozent über Probleme bei der Kreditaufnahme.

Hintergrund der aktuellen Lage am Kreditmarkt ist, dass viele Institute höhere Bedingungen an die Kreditvergabe gekoppelt haben. Hinzu kommt, dass noch genauer auf die Bilanzen der Unternehmen geachtet wird beispielsweise ob die Bilanzen des Krisenjahres 2009 tiefrot sind. Die Verluste im Krisenjahr haben die Eigenkapitalreserven der meisten Unternehmen deutlich schrumpfen lassen. Das verschlechtert im Allgemeinen die Bonität der betroffenen Unternehmen und verringert damit die Chance auf günstige Kreditkonditionen. Die Banken sind nach den sogenannten Eigenkapitalvorschriften von Basel II gezwungen, ihre Konditionen risikoangemessen zu gestalten. Das kann im schlimmsten Fall zur Folge haben, dass sie gar keine Kredite mehr vergeben, weil den Banken das zur Absicherung der Kredite benötigte Eigenkapital fehlt. Ebenfalls zur Verschärfung der Lage hat die Pleitewelle beigetragen, so dass die Kreditinstitute ihre Risikovorsorge hochfahren mussten. Durch die höheren Ausfallrisiken bei Krediten verringert sich die Fähigkeit zur Vergabe neuer Kredite.

Wirtschaftsfonds Deutschland

Eine Möglichkeit die aktuelle Lage am Kreditmarkt zu entspannen wäre die Hilfen aus dem Wirtschaftsfonds Deutschland zu verlängern. Diese Empfehlung gibt beispielsweise der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Mit dem 115 Milliarden Euro umfassenden Wirtschaftsfonds hat die damalige Große Koalition versucht die Finanzkrise in Deutschland abzumildern. Nach aktuellen Angaben erhalten 13.800 Unternehmen Kredite und Garantien aus dem Wirtschaftsfonds. Diese haben einen Umfang von derzeit 12,3 Milliarden Euro.

Sinnvoll ist auch die Eigenkapitalsituation der Unternehmen zu stärken. Dies würde sich positiv auf die Bonität auswirken und damit auch auf die Kreditvergabe durch die Banken. Mit den Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBG H) und die Bürgschaftsbanken, wie etwa der Bürgschaftsbank Hessen, wurden solche Instrumente bereits geschaffen. Es ist daher ratsam, diese Instrumente weiter zu verstärken und auszuweiten.

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  1. Finanznachrichten.info

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