Warum scheitern Gründer (I)

3. Dezember 2010 von JK

Wer beschäftigt sich schon gerne mit dem (eigenen) Scheitern? Viel beliebter sind doch die Erfolgsstorys im Leben als das Scheitern. Nicht anders ist es auch auf dem Gebiet der Existenzgründung und Selbstständigkeit. Bücher, Storys und Legenden ranken sich immer um den Unternehmenserfolg. Das ist auch gut so – aber es kann nicht schaden, sich auch einmal mit dem Scheitern von Existenzgründung und Selbstständigkeit zu beschäftigen. Die Kunst ist es nämlich auch aus dem Scheitern Anderer Lehren für das eigene Geschäft zu ziehen.

Studie

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat im Auftrag der Bundesregierung 3.000 Unternehmer in ganz Deutschland zu ihren Schwierigkeiten befragt, die letztendlich zum scheitern führten. Oftmals ist das Scheitern nicht an nur einer Ursache festzumachen, sondern es gibt ein ganzes Bündel von ihnen, das zum Scheitern geführt hat. Daher ist es sinnvoll sich mit den meistgenannten Gründen zu beschäftigen.

Geldmangel

Hierbei geht es nicht nur um den Geldmangel, der immer mal wieder im Laufe einer Unternehmung auftreten kann, sondern es geht um den Geldmangel der von Anfang an besteht und nie gelöst werden konnte.

In der Regel haben die meisten Existenzgründer am Anfang ihrer Selbstständigkeit das Problem mangelnder Liquidität. Mittels verschiedenen Instrumenten wie dem klassischen Bankkredit – abgesichert durch eine Bürgschaft der Bürgschaftsbank Hessen beispielsweise –, Joint-Venture-Capital, Business Angels und anderen Investoren lassen sich diese Anfangsschwierigkeiten schnell beseitigen. Doch hier liegt bereits die Gefahr: Wer sich am Anfang zu wenig Kapital am Kapitalmarkt bzw. woanders besorgt, hat ständig Geldnot und kann keine ausreichenden Rücklagen bilden, mit denen kurzfristige Rückschläge kompensiert werden können. Wer bereits einen Kredit aufgenommen hat, steht dann vor dem Problem so schnell kein weiteres Darlehen mehr zu bekommen, um mögliche Rückschläge zu bewältigen.

Hier sieht die Studie aber auch ein Grund bei der restriktiven Kreditvergabe der Banken und Kreditinstitute. Viele Kreditgeber machen die Vergabe weiterer Darlehen von Sicherheiten abhängig und nicht unbedingt von den Erfolgschancen, die der Kreditnehmer durch seine neue Tätigkeit bieten kann.

Um diesem Dilemma von Anfang zu begegnen, raten Gründungsexperten dazu, lieber etwas mehr Geld zu leihen und damit eine Rücklage zu bilden. Mit diesem Puffer lassen sich Planabweichungen viel besser bewältigen als ohne. Sollte die Bank jedoch nicht mitspielen – sie hat sicherlich gute Gründe dafür – sollten Existenzgründer und Jungunternehmer lieber den eignen Businessplan den Gegebenheiten anpassen statt mit aller Macht und nur mit geringerem Kapital ihre Ideen umzusetzen. So eine Strategie kann schnell zum finanziellen Engpass führen und die Selbstständigkeit viel eher beenden als geplant.

Strategie

Die falsche Strategie ist ebenfalls ein häufiger Grund, warum Unternehmer gescheitert sind. Strategische Fehlentscheidungen gibt es viele: Abhängigkeit von einem einzelnen oder nur sehr wenigen Kunden, kurzfristige Planung statt mittel- und langfristige, kapitalintensive Fehlinvestitionen, zu niedrige, nichtkostendeckende Preise.

Die Strategie wird bereits bei Gründung festgelegt. Gerade bei kleineren Existenzgründungen hängt die Überlebensfähigkeit vielmehr von der Einzelperson und deren Fähigkeiten ab als in größeren Unternehmen. Hier ist die Verantwortung in der Regel auf mehrere Ebenen verteilt.

Ein praktisches Beispiel veranschaulicht das Thema besser: Der Existenzgründer bringt großes fachliches und technisches Wissen und Verständnis in sein Unternehmen ein. Was ihm aber fehlt sind grundlegende betriebswirtschaftliche Kenntnisse, Kenntnisse über den Markt und Daten zur Marktforschung. Doch auch hier gibt es Abhilfe: Externe Berater ergänzen den fehlenden Sachverstand bei einer Existenzgründung. Die Kosten halten sich für solchen externen Sachverstand in Grenzen dank staatlicher Förderung in Grenzen. Die Kosten werden zu 50 bis 90 Prozent vom Staat übernommen. Solche Gründungsberater und Coaches verfügen über umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen. Sie sind als externe Beobachter schneller in der Lage strategische Fehler zu erkennen als der Existenzgründer selbst. Im besten Falle vermittelt der Berater das fehlende betriebswirtschaftliche Wissen in Form eines Coachings. Auch dies ist ein Schritt des Gründers in die Selbstständigkeit, da er dadurch nicht in Abhängigkeit vom externen Sachverstand gerät.

Im zweiten Teil gehen wir den Themen Auftragsrückgang, unglückliche Umstände und Streitigkeiten im Team als Ursache für das Scheitern der Existenzgründung nach.

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