Private Start-up Investoren mit bis zu 20 Prozent unterstützt

5. August 2013 von JK

Investitionszuschuss für Business AngelsWährend das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die Förderinstrumente zur Aufnahme einer hauptberuflichen Selbstständigkeit aus der Arbeitslosigkeit heraus immer weiter kürzt, fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) private Start-up Investoren – Business Angels – mit bis zu 20 Prozent der investierten Summe.

 

Programm „Investitionszuschuss Wagniskapital“

 

Bereits am 15. Mai 2013 startet das Programm „Investitionszuschuss Wagniskapital“ des BMWi. Mit dem Programm werden private Investoren – sogenannte Business Angels –, die sich mit mindestens 10.000 und maximal 250.000 Euro pro Jahr an innovativen Unternehmen mindestens drei Jahre beteiligen, mit 20 Prozent des investierten Kapitals gefördert. Das heißt, Business Angels erhalten 20 Prozent ihrer Investitionen vom Staat zurück. Das entspricht einer zusätzlichen Verzinsung des investierten Kapitals von acht Prozent pro Jahr und stellt kein schlechtes Geschäft dar.

 

Insgesamt stellt das BMWi 150 Millionen Euro zur Förderung der Business-Angel-Szene zur Verfügung. Allerdings werden damit nicht nur Business Angels gefördert, sondern grundsätzlich alle Investoren, bei denen es sich um natürliche Personen mit Sitz in einem Land der Europäischen Union (EU) oder um Beteiligungs-GmbHs, die sich in deren Besitz befinden, handelt.

 

So funktioniert die Förderung

 

Ein Unternehmen mit einem entsprechenden Kapitalbedarf lässt sich von der zuständigen Stelle ihre Förderfähigkeit bescheinigen (siehe weiter unten). Mit der Bescheinigung der Förderfähigkeit gestaltet sich nun die Suche nach Wagniskapitalgebern deutlich einfacher – Business Angels winken 20 Prozent Erstattung durch den Staat. Das heißt, beteiligt sich ein Investor beispielsweise mit 100.000 Euro an dem Unternehmen, erhält es 20.000 Euro sofort vom Staat zurück, während er aber weiterhin Anteile im Wert von 100.000 Euro besitzt.

 

Das Antragsverfahren ist im Vergleich zu anderen Förderinstrumenten sehr schlank gehalten. Die Begründung des BMWi ist, dass Investoren möglichst unbürokratisch Unterstützung erhalten sollen und der Investitionsprozess möglichst wenig beeinträchtigt wird. Um einen Missbrauch zu verhindern, soll der Investor auch vertragsrechtlich in vollem Umfang an den Chancen und Risiken des Unternehmens teilhaben. Das heißt, es darf sich bei der Investition nicht um ein verkapptes Darlehen handeln. Daher sind Geschäftsmodelle, die auf Vermietung oder den Onlinehandel beruhen, von der Förderung ausgeschlossen, weil sie zu berechenbar sind.

 

Die Beteiligung des privaten Investors muss auch zu einer tatsächlichen Erhöhung des Kapitals des Unternehmens führen. Das heißt, sie dürfen nicht einfach einem anderen Teilhaber Anteile abkaufen, wenn die Investition durch den Staat gefördert werden soll. Außerdem darf der Investor nicht bereits vor der ersten Förderung an dem Unternehmen beteiligt gewesen sein und lediglich seine Anteile durch die geförderte Beteiligung aufstocken.

 

Gefördert werden können auch mehrfache Beteiligung eines privaten Investors an einem Unternehmen, wenn die Beteiligung jedes Mal mindestens 10.000 Euro umfasst, beispielsweise wenn das Unternehmen vorgegebene Meilensteine erreicht hat. Insgesamt können pro Unternehmen insgesamt Anteile im Wert von bis zu einer Million Euro im Jahr bezuschusst werden.

 

Kritik

 

Kritik kommt vor allem von Experten und Beratern aus der Gründerszene. Zwar ist das Programm gedacht, um innovativen Start-up Unternehmen aus verschiedenen zukunftsträchtigen Branchen zu mehr Wagniskapital zu verhelfen. Allerdings können alle Unternehmen, die zum Zeitpunkt der Beteiligung höchstens zehn Jahre alt sind, maximal 50 Vollzeit-Mitarbeiter beschäftigen und bis zu zehn Millionen Euro Umsatz  erzielen von diesem Programm profitieren. Damit schießt das Programm „Investitionszuschuss Wagniskapital“ über sein Ziel hinaus. Statt wie verlautbart vor allem die Start-up-Szene zu unterstützen, werden wohl vorzugweise eher etablierte und risikoarme Unternehmen profitieren. Um die Zugehörigkeit zu einer der Zukunfts- und Innovationsbranchen nachzuweisen, reicht ein Auszug aus dem Handelsregister aus (Unternehmenszweck). Das Unternehmen, an dem sich Investoren im Rahmen dieses Programmes beteiligen wollen, muss nicht zwingend  in Deutschland seinen Sitz haben und hier auch keine Arbeitsplätze durch die Investition schaffen. Es reicht aus, wenn ein Unternehmen mit Sitz im EU-Ausland eine Filiale in Deutschland unterhält, um in den Genuss der Förderung zu kommen.

 

 

(Bild: Dr. Klaus Uwe Gerhardt/ pixelio.de)

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