Welche Gründungsarten gibt es? (II)

28. November 2016 von JK
Welche Gründungsarten es gibt und was Gründer beachten sollten.

© Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Einzelgründungen, Unternehmensnachfolge, Franchising – das sind die vielleicht bekanntesten Gründungsarten. Wer sich selbstständig machen möchte, hat aber auch noch andere Möglichkeiten dazu. Wie wäre es beispielsweise mit einer Teamgründung? Im universitären und wissenschaftlichen Bereich gibt es auch die Möglichkeit mit einer Ausgründung in die Selbstständigkeit zu starten. Und auch Teilzeit- und Kleinstgründungen sind für viele Existenzgründer eine durchaus interessante Gründungsart.

 

Gründungsarten: Teamgründung – Synergien nutzen

 

Teamgründungen gehören zu den Gründungsarten, bei denen mehrere Gründer zusammen starten. Solche Existenzgründungen haben viele Vorteile, beispielsweise können so fachliche oder kaufmännische Defizite ausgeglichen werden. Darüber können mehrere Gründer auch mehr Eigenkapital aufbringen, um die notwendigen Anschaffungen zu finanzieren bzw. genügend Sicherheiten für die Aufnahme von Fremdkapital vorzuweisen.

Gründerteams sollten sich gut kennen, um die Synergien am besten Nutzen zu können. Vorsicht: Sind Existenzgründer befreundet, muss das noch keine Garantie für eine gelungene Existenzgründung sein. Eine Freundschaft ist keine Gewähr dafür, dass auch eine gemeinsame unternehmerische Führung gelinkt. Potenzielle Konflikte sollten daher schon möglichst vorher ausführlich besprochen und entsprechende Lösungen entwickelt werden. Verschiedene regionale Gründungsinitiativen unterstützten Gründer außerdem bei der Suche nach geeigneten Gründungspartnern.

Die klare Aufgabenteilung ist bei einer Teamgründung sehr wichtig, um die Gründung erfolgreich voran zu bringen. Jeder sollte wissen, was zu tun ist und wofür er verantwortlich ist, so dass sich die anderen Partner darauf verlassen können. Die Aufgabenteilung sollte unbedingt frühzeitig und vor allem schriftlich festgehalten werden. Darüber hinaus sollte auch schriftlich fixiert werden, wer bis zu welcher Stufe was entscheiden kann, wie viel Gehalt sich die Gründer auszahlen und was passiert, wenn es mal weniger gut läuft.

 

Gründungsarten: Ausgründungen – Abteilungen outsourcen

 

Von einer Ausgründung spricht man immer dann, wenn Abteilungen eines bestehenden Unternehmens sich selbstständig machen. Die Gründe dafür können verschieden sein, zum Beispiel weil sie besondere Aufgaben übernehmen und selbstständig sich besser organisieren, durch eine Ausgründung Kosten gespart werden, Führungskräfte motiviert oder auch um zusätzliches Innovationspotential mobilisieren zu können.

Bei der Ausgründung als eine der verschiedenen Gründungsarten muss das neue Unternehmen für das alte Unternehmen in der Regel die gleichen Leistungen erbringen wie vorher, als es noch ein nichtselbstständiger Teil des ursprünglichen Unternehmens war. Das hat den Vorteil, dass es bereits einen Auftraggeber gibt und sofort Umsätze generiert werden können, was die betroffenen Mitarbeiter durchaus motivieren kann.

Im universitären Bereich und an Forschungsreichrichtungen kommt es oft zu Ausgründungen durch Professoren oder wissenschaftlichen Mitarbeitern. Sie entwickeln auf Basis ihrer Forschungsergebnisse eine Geschäftsidee und machen sich damit selbstständig. In diesem Zusammenhang muss jedoch gewährleistet sein, dass die Forschungsergebnisse durch die Hochschule oder die Forschungseinrichtung auch zur wirtschaftlichen Verwertung freigegeben werden. In der Regel beteiligen sich die Institute finanziell an solchen Einrichtungen, um auch wirtschaftlich an der Verwertung teilzuhaben.

Für den Erfolg einer Ausgründung sind u.a. die Zusammensetzung des Gründungsteams, der Businessplan und die Marktfähigkeit der Produkte ausschlaggebend. Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) hält für Ausgründungen aus dem wissenschaftlichen Bereich das Förderprogramm EXIST bereit.

 

Gründungsarten: Kleinstgründungen und Teilzeitgründungen – langsam aber stetig

 

Nebenberufliche Existenzgründungen und Kleinstgründungen bieten allen Gründern die Möglichkeit, eine Geschäftsidee neben dem Hauptberuf umzusetzen. Dadurch minimieren die meisten Nebenerwerbsgründer das Risiko und haben darüber hinaus bei Kleinstgründungen immer noch ausreichend Zeit für Beruf, Familie (meist Erziehende) oder die Ausbildung (meist Studierende). Diese Gründungsarten bieten Gründern die Möglichkeit, ohne größeres Risiko Idee auszuprobieren.

Nebenerwerbsgründungen müssen beim Hauptarbeitgeber immer angezeigt werden. Grundsätzlich spricht nichts gegen eine Nebentätigkeit, solange sich die Tätigkeiten nicht zeitlich überschneiden. Darüber hinaus darf dem Hauptarbeitgeber durch den Nebenerwerb keine Konkurrenz gemacht werden.

Teilzeit- und Kleinstgründungen sind in der Regel als Einzelunternehmen organisiert. Wichtig ist die Frage, ob es sich um eine gewerbliche oder um eine freiberufliche Tätigkeit handelt. Die Anmeldung erfolgt beim Finanzamt und bei gewerblicher Tätigkeit auch beim Gewerbeamt.

Bei einer Nebenerwerbsgründung müssen sowohl die Einkünfte aus dem Hauptberuf als auch aus dem Nebenerwerb versteuert werden. Wird der gesetzliche Freibetrag nicht überschritten, fallen bei Kleinstgründungen keine Umsatzsteuer an (§ 19 UStG) an.

Besonders beachtet werden sollte bei allen Kleinstgründungen die Gefahr der Scheinselbstständigkeit. Dies ist insbesondere interessant für die Sozialversicherungen, die Kleinstunternehmen verschärft kontrollieren.

Gewerbliche Kleinst- und Teilzeitgründer sind zudem Mitglied in den jeweils zuständigen Industrie- und Handelskammern bzw. Handwerkskammern. Hier gibt es bei der Beitragsfestsetzung Erleichterungen, wenn gewisse Jahresgewinngrenzen nicht überschritten werden.

 

 

(Bild: © Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de)

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