Was sind freie Berufe?

12. Dezember 2016 von JK
Was sind freie Berufe und woran unterscheiden sie sich von anderen?

© Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Nach § 1 Abs. 2 Partnergesellschaftsgesetz (PartGG) werden die freien Berufe folgendermaßen definiert: „Die Freien Berufe haben im allgemeinen auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche, und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt.“

Das Problem an dieser Definition aber ist, dass nicht immer zweifelsfrei festgestellt werden kann, welche Tätigkeit nun unter den Begriff der freien Berufe fällt. Eine der wichtigsten Kennzeichen der freien Berufe ist jedoch die sehr enge Verknüpfung zwischen der persönlichen Ausbildung und der beruflichen Selbstständigkeit eines sogenannten Freiberuflers. Die Einordnung der Tätigkeit hat Auswirkung die steuerlichen Verpflichtungen des Selbstständigen.

 

§ 18 Einkommensteuergesetz (EstG) – Katalogberufe

 

Als erste Handreichung für die Einschätzung, ob es sich bei der ausgeübten Tätigkeit um einen freien Beruf handelt oder nicht, bietet § 18 EstG. Hier findet sich eine abschließende Liste freier Berufe, der sogenannten Katalogberufe. Dazu zählen:

  • Heilberufe (z. B. Arzt, Zahnarzt, Heilpraktiker, Physiotherapeuten etc.),
  • Berufe mit rechts-, steuer- und wirtschaftsberatenem Schwerpunkt (z. B. Rechtsanwälte, Notare, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Buchprüfer etc.),
  • Berufe im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich (z. B. Ingenieure, Architekten, Lotsen etc.) und
  • Berufe im sprach- und informationsvermittelnden Bereich (z. B. Journalisten, Dolmetscher, Bildberichterstatter etc.).

Darüber hinaus finden sich im PartGG noch weitere vier Berufsgruppen: Diplom-Psychologen, Heilmasseure, Hebammen und hauptberufliche Sachverständige.

 

Ähnliche Berufe

 

Neben den Katalogberufen gibt es noch den Katalogberufen gleichgestellte bzw. ähnliche Berufe. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie den oben genannten Berufen ähnlich sind. Entscheidend ist hierbei, dass die Ausbildung und die ausgeübte Tätigkeit einem der Katalogberufe ähnlich sind. Wird für die Ausübung eines Katalogberufes eine Genehmigung wie beispielsweise vom Gesundheitsamt benötigt, gilt dies auch für den ähnlichen Beruf.

 

Tätigkeitsberufe

 

Bei Tätigkeitsberufen handelt es um selbstständige ausgeübte Tätigkeiten im wissenschaftlichen, künstlerischen, schriftstellerischen, unterrichtenden oder im erzieherischen Bereich. Eine Zuordnung einer dieser Tätigkeiten unter einen freien Beruf ist nur im Einzelfall durch Prüfung durch das zuständige Finanzamt möglich.

Was bei der Einordnung unter die freien Berufe wichtig ist

 

Bei der Einordnung, ob es sich bei der ausgeübten Tätigkeit um einen freien Beruf handelt oder nicht, ist die ausgeübte Tätigkeit entscheidend, nicht die Berufsausbildung. Das heißt, wenn ein Arzt Bleistifte herstellt, ist er kein Freiberufler mehr. Über die Einordnung ob freiberuflich oder gewerblich entscheidet letztendlich das Finanzamt. Freiberufler brauchen sich nur beim Finanzamt anmelden und erhalten von dort eine Steuernummer. Sie zahlen also folglich auch keine Gewerbesteuer. Der steuerliche Gewinn wird in der Regel durch eine Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) ermittelt.

Einige Freiberufler unterliegen der Mitgliedschaft in der für sie zuständigen Kammer. Viele Freiberufler müssen außerdem zahlreiche Vorgaben des Berufsrechts und der Berufsausübung beachten.

Tun sich mehrere Freiberufler zusammen und gründen eine Personengesellschaft – GbR oder Partnergesellschaft –, muss jeder der Gesellschafter über die dafür notwendigen Fachkenntnisse verfügen, um zu den freien Berufen zu zählen. Fehlen diese Kenntnisse, kann und wird er nicht zu den Freiberuflern gezählt. Ist einer der Gesellschafter des Unternehmens eine Kapitalgesellschaft, unterliegt das Unternehmen dem Gewerbesteuerrecht, da die Gesellschaft in diesem Fall als Gewerbebetrieb eingestuft wird. Gründen Freiberufler eine GmbH, handelt es sich dabei automatisch um einen Gewerbetrieb.

 

 

(Bild: © Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de)

Tags: , , , ,
Abgelegt in: Aktuelles, Allgemein

Einen Kommentar schreiben

Bitte beachten: Die Kommentar-Moderation ist eingeschaltet, deshalb könnte Ihr Beitrag etwas später veröffentlicht werden. Sie brauchen Ihren Kommentar nicht mehrmals abzugeben.