Dem Mittelstand geht es doch gut…

Norbert Kadau, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank Hessen, über qualifizierte Unternehmer, Kreditausfälle, strenge Anforderungen der Banken und fehlendes Eigenkapital.

Es ist längst nicht so schlecht bestellt um die Finanzierung des deutschen Mittelstandes, wie notorische Pessimisten uns glauben machen wollen. Mehr denn je gilt in diesem Land: Gute Unternehmen bekommen ihre Finanzierung.

Denn wenn ein Unternehmer eine gute Idee mit einem erfolgversprechenden Geschäftsmodell hinterlegt und glaubhaft macht, sein Unternehmen vernünftig führen zu können, der wird auch andere überzeugen. Dies bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass zweitklassige Konzepte von drittklassigen Unternehmern nicht finanziert werden, weil sie ein zu großes Risiko bergen – für die Bank wie für den Unternehmer selbst.

Dass es wieder mehr erstklassige Unternehmer gibt, belegen die Statistiken: Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen geht immer weiter zurück, seit dem Rekordjahr 2004 hat sich die Lage merklich entspannt. Zählte das Statistische Bundesamt im ersten Halbjahr 2005 noch 19.153 Unternehmensinsolvenzen, waren es im Vergleichszeitraum 2006 noch 16.265. Diese erfreuliche Entwicklung schlägt naturgemäß auch auf die Kreditausfälle durch, die ebenfalls zurückgehen.

Allerdings hat eine sinkende Ausfallquote ihre Ursachen auch in den gewachsenen Ansprüchen, die Banken und Sparkassen an Unternehmer stellen, bevor sie Kredite gewähren können. Die engmaschigen Filter der Vergabepraxis erfüllen offenbar ihren Zweck – wer hier durchkommt, besteht auch am Markt besser. Dass wir dazu verstärkte Förderung seitens der Kreditinstitute gerade für den Mittelstand beobachten, stärkt wiederum meine These von den qualifizierten Unternehmern in diesem Land. Dabei beobachten wir mit Freude, dass auch Großbanken sich wieder verstärkt dem Mittelstand zuwenden. Während also einerseits die Vergabekriterien schärfer geworden sind, vermehren sich andererseits die Optionen für Unternehmer, auch eine Finanzierung zu finden.

Also alles eitel Sonnenschein im Mittelstand? Nach wie vor haben es kleine und mittlere Betriebe schwerer als Großunternehmen, an frisches Geld zu kommen: Sie verfügen über weniger Eigenkapital; hier rächt sich – neben anderen Einflussfaktoren – die Steuerpolitik vergangener Jahre, die Abschöpfung vor Thesaurierung entstandener Gewinne stellte. Dazu muss der Mittelstand relativ zur Bilanzsumme ein höheres Anlagevermögen finanzieren als große Unternehmen. Die aktuelle Unternehmensbefragung der KfW kommt zu dem Ergebnis, dass gerade kleine Unternehmen deswegen ihr Finanzierungsverhalten stark umstellen mussten und noch immer müssen.

Den Defiziten gegenüber stehen moderne Instrumente, die helfen können, die Eigenkapitalquote zu verbessern, etwa Mezzanine-Kapital, Leasing oder Factoring. In Ergänzung zu solchen Instrumenten stehen Bürgschaftsbanken den Unternehmern zur Seite und stützen ihre Finanzierung bei fehlenden Sicherheiten – nach wie Ablehnungsgrund Nummer Eins. Über Institute wie das unsere finden qualifizierte Unternehmer Zugang zu Finanzierungen, die sie alleine nicht besichern könnten – sei es durch Übernahme von Bürgschaften in Zusammenarbeit mit der Hausbank, sei es durch unser sehr erfolgreiches Programm “Bürgschaft ohne Bank”, wo der Gang zunächst zu uns und dann erst zur Hausbank führt.

Trotz aller – mitunter marktschreierischer - Klagen: Kreditinstitute leisten sehr gute Arbeit in der Beratung und Bewertung von Fördervorhaben – auch und gerade durch optimiertes Risikomanagement. Dennoch wünsche ich Unternehmern und Banken einen noch engeren Dialog in den unterschiedlichen Lebensphasen eines Unternehmens. Denn davon profitieren wir letztlich alle.

1 Antworten auf “Dem Mittelstand geht es doch gut…”


  • … ja aber wie kann jemand, der nicht vom Fach ist, entscheiden, ob das Konzept eines Existenzgründers oder Unternehmers funktioniert oder nicht? Nichts gegen Bänker, aber wenn sie Unternehmertypen wären, wären sie keine Bänker, oder?

    Hannes

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