Wissensmanagement und Zukunftsstrategien in KMU, Teil I

Mit Planspielen und Szenarioentwicklung bereiten sich immer mehr Familienunternehmen sowie klein- und mittelständische Unternehmen auf die Herausforderungen der Zukunft vor. Dadurch können sie auch in Zeit wirtschaftlicher Schwierigkeiten flexibel bleiben und nach Überwindung der Krise wieder voll durchstarten.

Szenarioentwicklung

Szenarien und die Entwicklung von Zukunftsstrategien gehören in jeden unternehmerischen Alltag. Wer eine Unternehmung gründet oder sich als Freiberufler selbstständig macht, sollte sich mit verschiedenen zukünftigen Entwicklungen auseinander setzen und Strategien für einen möglichst positiven Verlauf in der Zukunft entwickeln.

Erstmals hat das Unternehmen Shell in den 70er Jahren die Szenarioentwicklung angewendet und konnte Dank dieser geistigen Vorarbeit die Öl-Krise in den 70er Jahren professionell bewältigen. Das Management stellte sich einfach die Frage, was ist, wenn das Öl teurer und immer knapper wird. Eine Vorstellung die in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts noch völlig absurd war.

Was Shell in den 70er Jahren einführte, ist heute Standard in allen großen Unternehmen weltweit. Mit Szenarien, die auf einer Menge verschiedener Annahmen basieren, können die Unternehmen auf wirtschaftliche, soziale und politische Veränderungen reagieren und rechtzeitig bei negativen Entwicklungen gegensteuern.

Corporate Foresight

Experten bezeichnen unternehmensbezogen Zukunftsstrategien als Corporate Foresight. Diese setzen sich nun auch vermehrt in klein- und mittelständigen Unternehmen durch. Eine Umfrage der Universität Lüneburg ergab, dass ungefähr 42 Prozent der befragten Familienunternehmen die Szenarioentwicklung als strategisches Instrument im Unternehmen verwenden.

Während sich die großen weltweit agierenden Unternehmen seit Jahren mit zukünftigen Trends und Entwicklungen beschäftigen, treffen veränderte Kundenwünsche klein- und mittelständische Unternehmen oft unvorbereitet. Sobald ein neuer Bedarf an beispielsweise bestimmten Technologien entsteht, muss das Produkt bereits im Regal liegen. Wenn man aber erst beim Einsetzen des Bedarfs mit der entsprechenden Forschung beginnt, ist es schon zu spät. Wer einen dauerhaften Vorsprung vor der Konkurrenz anstrebt, muss sich intensiv mit der Trend- und Zukunftsforschung beschäftigen. Das gilt um so mehr für klein- und mittelständische Unternehmen, für die es überlebenswichtig werden könnte. Es ist kein Geheimnis, dass viele Mittelständler pleite gehen und das obwohl sie mit ihren Produkten zu einer bestimmten Zeit erfolgreich waren. Auf neue Trends, Entwicklungen und Veränderungen haben sie jedoch nicht reagiert und hielten lieber an ihren altbewährten Produkten fest. Das Ergebnis ist, dass sich die Kunden weiter entwickelt haben und das Produkt nicht mehr den Wünschen und Anforderungen der Kunden entsprach.

Unbegründetes Misstrauen

Viele klein- und mittelständischen Unternehmer misstrauen jedoch nach wie vor dem Einsatz solcher Instrumente. Als „Hokuspokus“ und „Beutelschneiderei“ wird der professionelle Einsatz von Szenario- und Zukunftsentwicklung abgetan. Dabei können diese Instrumente als Entscheidungsgrundlage dienen und den Unternehmensinhaber bei der strategischen Ausrichtung der Firma unterstützen. Durch Workshops in Zusammenarbeit mit den Managern und Führungskräften eines Unternehmens lassen sich gemeinsam Faktoren erarbeiten, die den Markt in den kommenden Jahren beeinflussen können. Professionelle Berater geben keine Empfehlungen ab, was das Unternehmen zu tun uns zu lassen hat. Vielmehr nehmen sie ihre Kunden an die Hand, begleiten sie, sammeln das firmeneigene Wissen, ordnen und interpretieren es.

Auch Banken und andere Kreditinstitute reagieren positiv auf Szenario- und Zukunftsentwicklungen im Unternehmen. Die professionelle Hilfe bei der Entscheidungsfindung kann für die Bank Grund genug sein, dass Vorhaben auch finanziell mit der Gewährung entsprechender Kredite oder Bürgschaften realisieren zu helfen. Eine professionelle Zukunfts- und Szenarioplanung wird der Kreditwürdigkeit jedenfalls nicht schaden.

Im zweiten Teil werfen wir einen Blick auf modernes Wissensmanagement im Mittelstand.

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