Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt hat ihren Familien- und Demografieatlas 2009 veröffentlicht. Besonders gelobt wird der Ausbau der Kinderbetreuung, denn Familienfreundlichkeit ist heute ein wichtiger Standortvorteil.
Der letzte Familien- und Demografieatlas wurde von der IHK Frankfurt vor drei Jahren veröffentlicht. 2003 wurden 2167 Krippenplätze registriert. Für die aktuelle Studie wurden aus den 25 in Hessen betrachteten Gemeinden 5360 Plätze gemeldet. Dazu kommt noch die Zahl von 1445 Betreuungsplätzen bei Tagesmüttern.
Familien- und Demografieatlas 2009
Besonders die Gemeinden im Hochtaunuskreis, im Main-Taunus-Kreis und die Stadt Frankfurt haben ihre Betreuungsangebote für Kleinkinder in den letzten Jahren deutlich verbessert. Im Durchschnitt steht jedem fünften Kind unter drei Jahren entweder ein Platz in einer Kindertagesstätte oder bei einer Tagesmutter zur Verfügung. Allerdings gibt es je nach Ort teilweise sehr deutliche Unterschiede. Beispielsweise ist die Versorgungsquote in Eschborn mit 47 Prozent sehr hoch. Im Gegensatz dazu liegt der Durchschnittswert in Schmitten mit 13 Prozent rund acht Prozent hinter dem regionalen Schnitt von 21 Prozent. Die Stadt Frankfurt liegt mit einer Versorgungsquote von 20 Prozent genau im Trend.
Der Großraum Frankfurt und der Taunus liegen mit einer durchschnittlichen Versorgungsquote der Kinderbetreuungsmöglichkeiten von 20 Prozent deutlich über dem Rest von Hessen. Hier gibt es nur für etwa 14 Prozent der unter dreijährigen Kinder einen Betreuungsplatz. Trotz der guten Versorgung in Frankfurt und im Taunus ist von einer Bedarfsdeckung noch lange nicht die Rede. Die Bundesregierung hatte beschlossen, dass für jede dritte Kind unter drei Jahren am Wohnort ein Betreuungsplatz zur Verfügung stehen soll. Derzeit kann der Anspruch nur für jedes fünfte Kind geltend gemacht werden. Deshalb hat die Stadt Frankfurt bereits beschlossen, für rund vier Millionen Euro weitere 900 Kinderbetreuungsplätze zu schaffen.
Regionale Unterschiede
Die Herausforderungen für die Bereitstellung von Betreuungsplätzen sind von Ort zu Ort verschieden. In manchen der untersuchten Orten ist das jährliche Bevölkerungswachstum im Betrachtungszeitraum besonders hoch ausgefallen, wie etwa Eschborn, das um 5,8 Prozent gewachsen ist. An anderen Orten wird dagegen ein Bevölkerungsrückgang beklagt, wie etwa in Weilrod, wo es zu einem Bevölkerungsrückgang von 3,2 Prozent gekommen ist. Trotzdem bietet Weilrod besonders für junge Familien günstigen Wohnraum und vielfältige attraktive Angebote.
Wachstumsmotor Frankfurt
Auch in Zukunft wird Frankfurt am Main und das gesamte Taunusgebiet wachsen. Daher ist für die Experten von der IHK Frankfurt auch wichtig zu fragen, wie viele Frauen im Alter zwischen 15 und 65 Jahren berufstätig sind. Auch hier liegt der Raum Frankfurt und Taunus deutlich über den hessischen Durchschnitt von 45 Prozent. Absoluter Spitzenreiter ist Sulzbach mit 56 Prozent. An zweiter und dritter Stelle kommt Eschborn mit 53 Prozent und Bad Homburg mit 48 Prozent. In der Stadt Frankfurt gehen immerhin noch 46 Prozent der betrachteten Altersgruppe regelmäßig einer Berufstätigkeit nach.
Interessant an der Studie ist, dass die erwarteten Effekte des demografischen Wandels in den untersuchten Regionen weniger dramatisch ausfielen als anderswo. Prognosen zur Folge wird die Bevölkerung beispielweise im Hochtaunuskreis bis 2050 wohl um 12.500 Menschen sinken. Für Frankfurt dagegen rechnen die Experten mit einem Wachstum von 14.000 Einwohnern, die sich hauptsächlich aus Zuwanderern zusammensetzen. Im Main-Taunus-Kreis wird dagegen bis 2050 mit einer Stagnation der Bevölkerungszahlen gerechnet.
Verantwortung: Kommunen und Unternehmen
Aus dem Familien- und Demografieatlas 2009 lässt sich gut erkennen, dass je weniger die Kommunen verschuldet sind, sich um so mehr Möglichkeiten ergeben. Allerdings wurde in der Studie bewusst auf ein Ranking der untersuchten Kommunen verzichtet, da jede Stadt einzigartig ist und sie sich nur schwer miteinander vergleichen lassen. Trotzdem raten die Experten der IHK einen Wettbewerb unter den Kommunen an. Wer sich als interessante Gemeinde präsentiert, lockt dadurch dringend benötigte Investitionen in die Zukunft an. Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist es um so wichtiger, Menschen im erwerbsfähigen Alter anzuziehen und zu halten.
Gleichzeitig sind aber auch die Unternehmen in der Pflicht, ihren Beitrag zur Familienfreundlichkeit zu leisten. Durch flexible Arbeitszeiten oder Kinderbetreuung während der Arbeitszeit beispielweise können Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer gezielt unterstützen. Dadurch können Unternehmen dem Fachkräftemangel aktiv begegnen bzw. vorbeugen. Für viele Arbeitnehmer wird eine familienorientierte Unternehmenspolitik immer wichtiger: Denn die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellen sich schon längst nicht mehr nur Frauen, sondern auch immer mehr Männer.
Hier finden Sie den kompletten Familien- und Demografieatlas 2009 der IHK Frankfurt.





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