Kapital für KMU

Studien bestätigen die derzeitige Empfindung vieler Unternehmer, dass es schwerer geworden ist, an frisches Kapital zu kommen. Den Mittelständlern machen die eigene sinkende Bonität, erhöhte Sicherheitsforderungen der Banken bei der Vergabe von Darlehen sowie steigende Zinsen für langfristige Kredite zu schaffen. Das ist jedoch ein normaler wirtschaftlicher Vorgang.

Klemme oder nicht

Ob es eine Kreditklemme in Deutschland gibt oder nicht, darüber streiten aktuell Politik und Wirtschaft verbissen. Fest steht, dass viele der Mitglieder des Bundesverbands mittelständischer Wirtschaft (BVMW) berichten, dass Banken und Kreditinstitute mehr Sicherheiten als vor der Krise verlangen. Auch die Zinsen für längerfristige Kredite sind gestiegen. Diesen Trend bestätigen auch Wirtschaftsinstitute wie das Ifo-Institut. Nach Auswertungen des Instituts zur Folge haben über 40 Prozent der deutschen Unternehmen Probleme bei der Beschaffung von frischem Kapital. Zwei Drittel aller Banken gab laut einer Umfrage der Deutschen Bundesbank an, bei der Kreditvergabe vorsichtiger als noch vor der Krise vorzugehen.

Auf der anderen Seite sieht das selbe Institut und das Marktforschungsinstitut GfK gegenwärtig keine Anzeichen dafür, dass die Mehrheit der Unternehmen von einer Einschränkung bei der Kreditvergabe betroffen sind. Darüber hinaus können trotz der Krise viele Mittelständler nicht über mangelnde Aufträge klagen.

Ursache: Die schlechte Wirtschaftslage

Dieses Phänomen scheint auf den ersten Blick paradox zu sein. Aber bei genauer Betrachtung ist das ein ganz normaler wirtschaftlicher Vorgang. Viele klein- und mittelständische Unternehmen haben Probleme frisches Kapital zu bekommen. Das liegt nach Meinung von Ökonomen nicht an einer restriktiven Kreditvergabe seitens der Banken, sondern vielmehr an der schlechten gesamtwirtschaftlichen Lage. Die meisten Unternehmen – unabhängig von Größe und Branche – müssen aktuell erhebliche Umsatzrückgänge verzeichnen, teilweise zwischen 30 und 70 Prozent. Das lässt die Liquiditätsreserven vieler Firmen rasant schmelzen und die Bonität in den Keller sacken. Muss ein Unternehmen in so einer Situation einen Kredit aufnehmen, steigt das Bedürfnis der Bank nach entsprechenden Sicherheiten, wie beispielsweise einer Ausfallbürgschaft der Bürgschaftsbank Hessen.

Preise für Kredite steigen

Da die Banken die Bonität ihrer Kunden prüfen, bevor sie einen Kredit vergeben, steigen  bei geringer Kreditwürdigkeit auch die Preise (Zinsen) für ein Darlehen. Je geringer die Bonität ist, desto höher bewertet die Bank das Ausfallrisiko des Kredits. Dieses Risiko wird folglich in den zu zahlenden Zins eingerechnet.

Für viele Unternehmen wird es momentan immer schwieriger die Bedingungen der Kreditinstitute zu erfüllen. Darum darf der psychologische Aspekt bei Kreditverhandlungen nicht unterschätzt werden, denn viel hängt auch vom persönlichen Eindruck des Bankberaters ab. Zur Zeit herrscht bei den Beratern die Angst vor unberechenbaren Risiken vor. Besonders krisengeschüttelte Branchen wie die Automobilindustrie bekommt die Zurückhaltung zu spüren. Zur Zeit kann kaum ein Unternehmen aus diesem Bereich ausreichende Sicherheiten vorweisen, auch wenn die Zukunftsaussichten positiv ausfallen.

In einem solchen Fall helfen meist nur öffentliche Förderprogramme wie das Sonderprogramm Betriebsmittelfinanzierung des Landes Hessen und der Bürgschaftsbank Hessen. Im Rahmen des Sonderprogramms werden Unternehmen, die von der Finanz- und Automobilkrise betroffen sind, bis zu 80-prozentige Ausfallbürgschaften für die Betriebsmittelfinanzierung zur Verfügung gestellt.

Transparenz und aktive Kommunikation

Das die Banken das Ausfallrisiko möglichst klein halten wollen, ist verständlich. Doch wenn klein- und mittelständische Unternehmen keine Kredite zu attraktiven Konditionen mehr bekommen, müssen sie Insolvenz anmelden. Das wiederum kann nicht im Interesse der Banken sein, denn eine steigende Zahl von Insolvenzen lässt auch die Zahl der Kreditausfälle steigen.

Damit Unternehmer, wie auch Existenzgründer und Selbstständige, trotzdem an frisches Kapital kommen, raten Experten zu Transparenz und aktiver Kommunikation mit der Bank. Grundlage für das Bankgespräch sollte ein klar strukturiertes Konzept bzw. ein Businessplan für die nächsten Jahre sein. Eine selbstkritische Beurteilung der gegenwärtigen Lage und der eigenen Zukunftsaussichten erhöhen die Chancen auf einen Kredit beträchtlich.

Unternehmer sollten aufzeigen, wo es noch Einsparpotentiale gibt und wie ggf. alternative Finanzierungsinstrumente weitere Liquidität ins Unternehmen bringen könnten. Mit einer Bürgschaft können Unternehmer, Gründer und Selbstständige ebenfalls die Wahrscheinlichkeit für einen positiven Kreditentscheid erhöhen.

Bei den Kreditverhandlungen sollten darüber hinaus Szenarien entwickelt werden, wie Verluste in der Zukunft vermieden und die Unternehmung in die Gewinnzone geführt werden kann. Wer an die Zukunftsfähigkeit der eigenen Idee und des eigenen Unternehmens glaubt, kann seine Chancen auf frisches und preiswertes Kapital deutlich erhöhen.

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