Drohende Armut im Alter

Etwa ein Zehntel aller deutschen Selbstständigen ist durch Altersarmut gefährdet. Vor allem Selbstständige mit niedrigem Einkommen sind davon betroffen. Sie verdienen monatlich zu wenig, um etwas für die private Altersvorsorge zu tun. Einem weiteren Fünftel der Selbständigen droht im Alter die sogenannte „relative Armut“.

Studie zum Altersvorsorgeverhalten

Elf bis zwölf Prozent der Selbständigen mit niedrigem Einkommen sowie 20 bis 22 Prozent der Selbständigen mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens droht Altersarmut. Zu diesem Ergebnis kam das Mannheimer Forschungsinstitut Ökonomie und Demographischer Wandel (MEA) in einer Studie zum Altersvorsorgeverhalten unter Selbstständigen. Die Forscher verglichen Daten zur Vorsorgefähigkeit, -bereitschaft und -niveau von Selbstständigen und haben diese in einer Studie zum Altersvorsorgeverhalten unter Selbstständigen vorgestellt.

Selbstständige, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen oder Mitglied eines berufsständischen Versorgungswerks sind, sind eher die Ausnahme als die Regel. Das heißt, über 75 Prozent der Selbstständigen und Freiberufler sind nicht über die klassische und obligatorische Altersvorsorge abgesichert. Dem größten Teil der Selbstständigen stehen dennoch ausreichend Mittel für die private Altersvorsorge zur Verfügung. Lässt man die Rentenanwartschaft eines abhängig Beschäftigten einmal außer Acht, dann ist das Nettovermögen einer Familie mit einem selbstständigen Hauptverdiener etwa dreimal so hoch wie mit einem abhängig beschäftigten Hauptverdiener. Zwar kann eine Familie mit einem Selbstständigen als Hauptverdiener durchschnittlich im Monat mehr sparen, trotzdem beträgt die private Altersvorsorge nur vier Prozent am Gesamtvermögen, wie die Studie ergab.

Ungenügende Vorsorge

Eines der Ergebnisse der Studie ist die Erkenntnis, dass Selbständige der unteren Einkommensgruppen deutlich weniger für das Alter vorsorgen als Arbeitnehmer. Obwohl Arbeitnehmer bereits Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung abgeführt haben, ist der Anteil derjenigen, die zusätzlich privat für das Alter vorsorgen, höher als unter den Selbständigen der unteren Einkommensgruppen. Die Forscher konnten eine ziemlich genaue Trennlinie zwischen vorsorgenden und ungenügend vorsorgenden Selbstständigen ziehen. Die Grenze liegt bei einem Nettohaushaltseinkommen von ca. 2.000 Euro pro Monat. Laut der Studie sind in diesem Bereich etwa 30 Prozent aller Selbstständigen und 48 Prozent aller abhängig beschäftigten Arbeitnehmer zu finden.

Rentenversicherungspflicht für Selbstständige?

Seit 1991 hat sich die Zahl der Selbstständigen, die ohne weitere Angestellte auskommen, auf ungefähr 2,3 Millionen verdoppelt; Tendenz steigend. Laut der Studie könnte ein Großteil der 2,3 Millionen Selbstständigen im Alter auf die staatliche Grundsicherung angewiesen sein, die auf dem Niveau der Sozialhilfe angesiedelt ist.

Trotzdem sehen die Experten keine Notwendigkeit auf ein generelles Schutzbedürfnis der Selbstständigen zu schließen, mit dem sich eine generelle Versicherungspflicht begründen lassen könnte. Etwaige negative Effekte durch die Einbeziehung in die Rentenversicherungspflicht müssen genau bedacht und abgewogen werden, so die Mannheimer Forscher. Bisher gibt es eine solche Pflicht nur für Selbstständige, die nur für einen einzigen Auftraggeber arbeiten. Eine Zwangsversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung lehnen daher auch über zwei Drittel der befragten Selbstständigen und Freiberufler ab.

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