Was Gründer antreibt und erfolgreich macht, Teil I

Für die Wissenschaft war das Unternehmertum bislang wenig interessant. Obwohl Existenzgründer und Unternehmer jährliche viele Arbeitsplätze schaffen, lag das Unternehmertum als Forschungsobjekt bislang nicht im Fokus der Wissenschaft. Nun liegen erste Forschungsergebnisse von Betriebswirten zu diesem Thema vor und bergen einige Überraschungen.

Das Bild des Unternehmers

In Deutschland ist das Bild des Unternehmers gekennzeichnet vom Einzelkämpfer und eines permanenten Workaholics. Unternehmer, so das weit verbreitete Klischee, seien nur an der eigenen Gewinnmaximierung interessiert, bei dem für das Privatleben nichts mehr übrig bleibt. Auf der Beliebtheitsliste der Wunschberufe liegen Unternehmer mit Abstand auf den hinteren Rängen.

Wissenschaftler weltweit haben sich daher die Frage gestellt, ob an diesen klischeehaften Vorstellungen etwas dran ist. Sollte das der Fall sein, so steht die Frage im Vordergrund, wie man diese Erkenntnisse dazu nutzen kann, potentielle Existenzgründer zu identifizieren und sie besser auf ihrem Weg in die Selbständigkeit zu unterstützen.

Funktion für die Wirtschaft

Existenzgründer und Unternehmer haben eine wichtige Funktion in unserer Wirtschaft. Sie sorgen durch die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen für Beschäftigung und tragen zum allgemeinen Wirtschaftswachstum bei. Nach Schätzungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) entstehen in Deutschland durch Existenzgründer und Unternehmer jährlich etwa 625.000 neue Arbeitsplätze.

Rätselhaftes Unternehmertum

Um dem Rätsel des Unternehmertums auf den Grund zu gehen, wurden 549 Gründer aus den verschiedensten Branchen zu ihrer sozialen Herkunft, Bildungsstand und den Beweggründen für ihre Unternehmensgründung befragt. Das Ergebnis war für die beteiligten Wissenschaftler überraschend. Die Studie räumte mit vielen Klischees auf, beispielsweise dass sie viele Existenzgründer aus den ärmsten Lebensverhältnissen hochgearbeitet haben. Damit räumten Wissenschaftler mit der „Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär“-Klischee gründlich auf. Die Studie ergab nämlich, dass nur weniger als ein Prozent der Existenzgründer aus den ärmsten Schichten der Gesellschaft kommen.

Die Mehrheit der befragten Existenzgründer entstammt der Mittelschicht. Interessant ist an dieser Stelle auch die Zahl der Unternehmer, die bereits vor der Selbständigkeit finanziell unabhängig waren. Auch ihre Zahl bewegt sich unter einem Prozent.

Gute Voraussetzungen

Viele Existenzgründer bringen von hause aus gute Voraussetzungen mit, vor allem was den Bereich der Bildung angeht. 95 Prozent der befragten Gründer verfügte über ein Universitätsstudium. Außerdem hat sich aus der Befragung herauskristallisiert, dass die meisten Gründer bereits in der Schulzeit zum Drittel der Klassenbesten gehörten und dies sich auch an der Universität fortsetzte. Etwa die Hälfte der Befragten spielte bereits während der Ausbildung mit dem Gedanken einer Selbstständigkeit.

Natürlich konnten die Wissenschaftler nicht mit allen Klischees aufräumen. Für den Großteil der Existenzgründer stand die Aussicht reich zu werden im Vordergrund für ihre Unternehmensgründung. Besonders stark ausgeprägt ist dieser Wunsch bei Gründern, die aus der Arbeiterschicht kommen. Für sie ist der finanzielle Anreiz besonders wichtig. Außerdem gibt der Großteil der Gründer an, dass sie es verlockend fanden ihr eigener Herr zu sein und ihre eigenen Ideen verwirklichen zu können.

Umfeld

Die Wissenschaftler nahmen an, dass das familiäre und das Freundesumfeld hohe Auswirkungen auf die Entscheidung des Gründers haben. Doch die Umfrage ergab, dass dem nicht so ist. Das heißt, dass die Mehrheit der Gründer die einzigen Unternehmer im Umfeld ihrer Familie und Freunde sind. Daher spielte für sie die Ermutigung, Unterstützung und Begleitung durch Freunde und Familie eine eher untergeordnete Rolle. Sie zogen ihre Motivation mehr aus sich selbst heraus, als aus ihrer Umwelt. Trotzdem sind die meisten Gründer Familienmenschen, denn mehr als zwei Drittel der befragten Existenzgründer waren bei Unternehmensgründung verheiratet und etwa 60 Prozent hatten bereits Kinder.

Erfahrung

Mit dem Klischee des unerfahrenen Berufseinsteigers konnten die Wissenschaftler ebenfalls aufräumen. Die Studie ergab, dass der durchschnittliche Existenzgründer bereits 40 Jahre als ist. Deutlich in der Minderheit sind Gründer, die sich direkt nach dem Studium mit einer Geschäftsidee selbstständig machen.

75 Prozent der Befragten schauten im Durchschnitt auf sechs Jahre Berufserfahrung als Angestellter zurück, bevor sie sich selbstständig machten. Jeder Zweite kann sogar auf mehr als zehn Jahre Berufserfahrung zurück schauen. Das die Berufserfahrung eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Existenzgründung ist, gilt mittlerweile als eine gesicherte Erkenntnis.

Interessanterweise ist es mit einer Existenzgründung nicht getan. Sind die Gründer einmal auf den Geschmack gekommen, gibt sich der Großteil der Gründer nicht mit nur einer Unternehmung zufrieden. Über die Hälfte der Befragten hat mindestens zwei Unternehmungen gegründet.

Geschlecht

Auch das Geschlecht spielt nach wie vor eine große Rolle bei der Existenzgründung. Nicht nur in Deutschland ist die Zahl weiblicher Existenzgründer geringer, sondern auch international. Männer gründen häufig doppelt so oft wie Frauen. Der Schwerpunkt von männlichen Existenzgründungen liegt dabei vor allem auf dem natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Sektor. Weibliche Gründer dagegen sind häufig im Dienstleistungssektor anzutreffen.

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