Gründerwettbewerbe bieten die Möglichkeit, seine Geschäftsidee vor einem breiten und unabhängigen Fachpublikum vorzustellen. Oftmals setzt es aus hochkarätigen Beratern der Gründerszene, Banken und Investoren zusammen. Doch was auf dem Papier so hervorragend funktioniert, muss sich auch in der Praxis beweisen.
Gründerwettbewerbe
Gründerwettbewerbe gibt es in jeder größeren Stadt. Sie sind entweder regional oder überregional, auf eine Branche beschränkt oder stehen für alle offen. Die regionalen Wettbewerbe werden oft in Zusammenhang von lokalen/regionalen Banken und Kreditinstituten sowie den örtlichen Industrie- und Handelskammern (IHK) ausgerichtet. Bundesweite Wettbewerbe werden meist auf Privatinitiative von Investoren, Banken und Beratern aber auch von den Medien ausgerichtet. Zu den bekanntesten Gründerwettbewerben deutschlandweit zählen unter anderem der Businessplan-Wettbewerb von NUK (NUK: Neues Unternehmertum Rheinland e.V.), der Gründerwettbewerb von Handelsblatt und Wirtschaftswoche sowie der Gründerwettbewerb enable2start der Financial Times Deutschland (FTD).
Papier – Realität
Auf dem Papier sehen die meisten Businesspläne bei solchen Wettbewerben sehr gut aus. Investoren, Banken und Berater stehen bei den Siegern und den Top Ten Beiträgen oft Schlange. Doch was auf dem Papier so gut aussieht, muss sich erst noch in der Realität beweisen, denn diese sieht in der Regel anders aus, als in der gut durchdachten Szenarioplanung vorgesehen war.
Vor allem branchenfremde Wettbewerbssieger haben es oft schwer, Fuß in der von ihnen ausgewählten Branche zu fassen. In der Regel fehlt das dringend benötigte Basiswissen, beispielsweise über die Infrastruktur, Vertriebs- oder Abnahmestruktur der Branche. Daher kostet es sehr viel Mühe und Überzeugungskraft, die Branchenprofis von der neuen Idee zu überzeugen und die eigene Idee umzusetzen.
Durchhaltevermögen
Viele Jungunternehmen werden von unvorhergesehenen Planabweichungen regelrecht aus der Bahn geworfen. Hier benötigen die Gründer vor allem ein gutes Durchhaltevermögen und einen unerschütterlichen Glauben an ihre Idee.
Schaut man auf die letzten zehn Jahre des NUK-Gründerwettbewerbs, stellt man fest, dass von den etwa 2.000 Teams, die einen Businessplan für den Wettbewerb eingereicht haben, nur etwa 600 am Markt übrig geblieben sind. Das heißt, dass nur rund 30 Prozent den Praxistest ihrer Businesspläne bestanden haben und nach dem Wettbewerb mit einem nachhaltig erfolgreichen Unternehmen am Markt bestehen konnten.
Geänderte Rahmenbedingungen
Existenzgründer sollten bedenken, dass sich die Rahmenbedingungen für ihr Unternehmen in der wichtigen Startphase ihrer Gründung laufend verändern. Daher raten Gründungsberater dringend dazu, die Businesspläne ständig der Realität anzupassen.
Denn manchmal kann es ganz schnell gehen. Konnte man erst mit Mühe wenige Händler und Kunden von seinem Produkt überzeugen, können innerhalb kurzer Zeit plötzlich die Verkaufszahlen explodieren und die Nachfrage rasant steigen. Ist einmal der Punkt erreicht, muss schnell gehandelt werden, um die Nachfrage auch befriedigen zu können.
Nicht nur der Umsatz steigt, sondern auch die Kosten. Plötzlich ist der Kapitalbedarf in den ersten Jahren viel höher, als in den Planungen zunächst angenommen. Dazu kommen plötzlich Forderungen nach Werbemitteln und ein hohes Betriebsvermögen, dass beispielsweise durch eine Betriebsmittelbürgschaft der Bürgschaftsbank Hessen gewährleistet werden kann. Auch die Konkurrenz wird auf das eigene Unternehmen aufmerksam. Man muss sich auf Angriffe bereits am Markt bestehender Firmen vorbereiten, um nicht etwa durch Rechtstreits – etwa um Namen – aus der Bahn geworfen zu werden.
Flexibilität
Gerade in der Anfangsphase ist es wichtig, gegenüber den Entwicklungen am Markt offen und flexibel zu sein. Vor allem bei neuen und innovativen Geschäftsideen bzw. Produkten, müssen die Existenzgründer ihren Businessplan als einen dynamischen Prozess begreifen. Ein guter Businessplan allein ist nichts wert, auch wenn er auf einer guten Idee und einem zukunftsfähigen Markt basiert. Mindestens genauso wichtig ist der Unternehmergeist des Gründers bzw. Gründerteams. Und dieser Unternehmergeist sollte auch nicht durch etwaige Rückschläge – gerade in der Anfangsphase – aufgegeben werden.





Wie bekannt ist das Prinzip des LeanStartup?
Als Prozessdesigner, der ich fünf Jahre im neuen BMW Werk Leipzig, für die Prozessoptimierung in der Produktionssteuerung tätig war, bin ich selbst erst kürzlich über den Begriff bzw. Vorgehen “gestolpert”.
http://delicious.com/RalfLippold/leanstartup, insbesondere das Video getagged vom 20.02.2010 gibt interessante Einblicke.
Ich frage mich ernsthaft, ob dieses inkrementale Vorgehen (mit geringem Kapitalbedarf) für Banken nicht so unattraktiv wirkt. Wie ließe sich dies ändern? Wie ist die Wahrnehmung von Lean in der Öffentlichkeit?
Was meinen Sie oder andere Leser des Blogs dazu?