Die Krise aussitzen

Familienunternehmen wurden von anderen Unternehmen oft wegen ihrer konservativen Finanzpolitik belächelt. Dies gilt vor allem für kleinere und mittlere Familienbetriebe. Doch die Auswirkungen der Krise auf dem Kapitalmarkt stecken diese Unternehmen viel leichter weg. Sie haben zum Teil noch genug Eigenkapital, um sogar in der Krise antizyklisch investieren zu können.

Stimmungswandel

Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft stehen nicht schlecht. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) stellte in seiner Herbstumfrage 2009 fest, dass der Mittelstand mittlerweile wieder optimistischer in die Zukunft schaut. Das Urteil fiel im Vergleich zu den beiden Vorjahren dieses mal wesentlich besser aus.

Auf solche Signale hatte der Mittelstand lange gewartet. Durch die globale Wirtschafts- und Finanzkrise sind nicht nur große weltweit agierende Konzerne in Schwierigkeiten geraten, sondern auch viele Familienunternehmen. Nach einer Studie der Stiftung Familienunternehmen der Universität Witten/Herdecke brach bei etwa 73 Prozent der Betriebe die Nachfrage drastisch ein. 53 Prozent der befragten Unternehmen beklagten einen Preisverfall und gut 40 Prozent mussten ihre Preise um teilweise über zehn Prozent kürzen. Ein Viertel der Unternehmen bemängelte die mangelnde Unterstützung durch die Banken.

Und trotzdem ist die Stimmung in vielen familiengeführten Unternehmen nach wie vor besser als die wirkliche wirtschaftliche Lage.

Hoher Eigenkapitalbestand

Dafür, dass die Stimmung besser ist als die eigentliche Lage, gibt es bei den Familienunternehmen natürlich bestimmte Gründe. Nun zahlt sich nämlich die über Jahre betriebene konservative Finanzpolitik aus, für die während der Wachstumsphase die Unternehmen belächelt wurden. Viele Betriebe verfügen nämlich immer noch über ein hohes Eigenkapitalpolster aus den vergangenen Jahren. Noch sind die meisten Familienunternehmen in der Lage, die Erlöseinbrüche durch Eigenmittel zu kompensieren.

Vor allem in Krisenzeiten bietet eine solide Eigenkapitalbasis einen wichtigen Puffer, da in Jahren, in denen sich die Banken mit Anschlussdarlehen eher schwer tun, alternative Finanzierungsmöglichkeiten schwer zu finden sind. Außerdem stellen in Zeiten der Krise Fremdkapitalgeber besonders hohe Anforderungen beispielweise an Sicherheiten. Mit einer Bürgschaft – wie etwa von der Bürgschaftsbank Hessen – können diesen Anforderungen nachgekommen werden.

Vor der Krise verfügten Familienunternehmen im Durchschnitt etwa über 44,7 Prozent Eigenkapital. Zum Vergleich: Im industriellen Mittelstand geht man nach Hochrechnungen von einer Eigenkapitalquote zwischen 20 und 30 Prozent aus.

Warum ist das so?

Die Erklärung für den hohen Eigenkapitalbestand ist recht einfach: In der Regel decken sich in Familienunternehmen die Interessen von Unternehmen und Eigentümern. Vorausgesetzt natürlich, dass die Familienmitglieder im Unternehmen aktiv sind. Bei Familienunternehmen kommt der Ertrag des Unternehmens auch dann der Familie zu gute, wenn er im Unternehmen bleibt, im Gegensatz zu anderen Unternehmensformen wie etwa einer Aktiengesellschaft.

Die Mittelständler haben die vergangenen wirtschaftlich erfolgreichen Jahre dazu genutzt, ihre eigene Finanzkraft zu stärken. Eine Auswertung von 50.000 Bilanzen mittelständischer Unternehmen hat ergeben, dass sich in den Jahren zwischen 2002 und 2007 wichtige betriebliche Kennziffern wie die Eigenkapitalquote, Liquidität und Rentabilität deutlich verbessert haben.

Die Stärkung der eigenen Finanzkraft kann als eine Lehre aus den vergangenen Krisen im Jahre 2000 und 2001 gesehen werden. Heute sind mittelständische Familienbetriebe viel besser in der Lage Umsatzeinbrüchen zu begegnen als noch zu Beginn des Jahrtausends. Daher stehen die Chancen für viele familiengeführte Unternehmen ziemlich gut die Rezession zu überstehen.

Investitionen

Vor dem Hintergrund der konservativen Finanzpolitik und der hohen Eigenkapitalquote sind die Unternehmen derzeit in der Lage, auch kostenintensive Investitionen vorzunehmen, für die Banken derzeit nicht unbedingt die erforderlichen finanziellen Mittel zur Verfügung stellen. Viele Unternehmen haben daher die Zeit genutzt und antizyklisch investiert, um neue Märkte zu erschließen oder neue Kundenkreise zu gewinnen. Vor allem ist ein Trend weg von den traditionellen Märkten hin zu exotischen Ländern zu beobachten.

Wirtschaftsexperten sehen die Zeit für Expansionen finanzkräftiger Unternehmen gegenwärtig als besonders gut an. Gerade die Schwächephase kann so zur Chance für viele Unternehmen werden. Die Preise für Immobilien sind weltweit gefallen und die Staaten haben Pakete zur konjunkturellen Belebung der Wirtschaft aufgelegt, die auch Neugründungen gezielt unterstützen. Von der derzeitigen Lage werden daher aller Wahrscheinlichkeit nach solche Unternehmen, die langfristig planen und über ein starkes Management verfügen – Eigenschaften, die Familienunternehmen besonders häufig auszeichnen.

0 Antwort auf “Die Krise aussitzen”


  • Keine Kommentare

Hinterlasse eine Nachricht