Das Gründungsverhalten in Deutschland ist abhängig von der Lage und der aktuellen Entwicklung der Wirtschaft. In Zeiten der Krise ist daher mit einem tendenziellen Anstieg der Existenzgründungen zu rechnen. Allerdings betrifft das nicht immer gleich den Haupterwerb der Gründer. Viele entscheiden sich lieber für ein zweites Standbein, also einen Zusatzverdienst durch eine selbständige nebenberufliche Tätigkeit.
Entwicklung in Deutschland
Wirft man einen Blick auf das restliche Europa, so stellt man schnell fest, dass die Deutschen deutlich hinter ihren europäischen Nachbarn liegen was die Selbständigkeit allgemein angeht. Nur insgesamt neun Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland gehen einer selbständigen Tätigkeit nach. Nur etwa jeder fünfte Arbeitnehmer kann sich grundsätzlich vorstellen eine eigene Existenz zu gründen.
Trotzdem wird die Selbständigkeit in Deutschland von einem etwa gleich großen Teil der Beschäftigten als beruflich attraktive Alternative betrachtet. Mehr noch: Viele sehen in der beruflichen Selbständigkeit trotz oder gerade wegen der derzeitigen wirtschaftlichen Lage eine Chance. Zu diesem Ergebnis ist eine Untersuchung des Entrepreneurship Centers an der Ludwig-Maximilians-Universität in München gekommen. In Zusammenarbeit mit der Direktvertriebsorganisation Amway wurden im Rahmen der Untersuchung „Zukunft Selbständigkeit“ 900 Voll- und Teilzeitbeschäftigte zu ihren beruflichen Veränderungen und zum Thema Selbständigkeit befragt.
Selbständigkeit vs. Angestelltenverhältnis
Die Studie zeigte, dass für die meisten Beschäftigten eine Existenzgründung im Nebenerwerb am attraktivsten ist. Ganze 80 Prozent der Befragten würde sich für die Variante entscheiden. Grund für dieses Ergebnis ist, dass die Mehrheit der befragten Beschäftigten beruflich kaum noch Entwicklungschancen sieht. Ein deutliches Ergebnis ist die Zahl derjenigen, die sehr unzufrieden mit ihren persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen sind. Deren Zahl stieg innerhalb von einem Jahr von elf auf 16 Prozent an.
Trotzdem ist für 70 Prozent der Studienteilnehmer der Sprung ins kalte Wasser einer hauptberuflichen Selbständigkeit keine Alternative. Für viele wäre dieser Schritt einfach „zu riskant“. Nur 18 Prozent der befragten Arbeitnehmer teilten mit, dass die Selbständigkeit für sie eine echte Alternative zum bisherigen Angestelltenverhältnis ist. In Ostdeutschland ist der Teil sogar noch größer. Hier ist für 23 Prozent der Befragten die hauptberufliche Selbständigkeit eine Alternative.
Was aus der Studie ebenfalls herausgeht ist, dass das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten eher schwach ausgeprägt ist. So halten über ein Drittel die Aufstellung und Umsetzung von Plänen als Grundlage der Existenzgründung für schwer und kompliziert. Darüber hinaus werden die derzeitigen Rahmenbedingungen für Existenzgründung mehrheitlich als schlecht gewertet.
Altersunterschiede
Im Allgemeinen hat auch diese Untersuchung erneut bestätigt, dass es Unterschiede bei der Existenzgründung zwischen jüngeren und älteren Arbeitnehmern gibt. Dabei spielt nicht nur das Alter eine Rolle, sondern auch die bisher gemachte (Lebens-)Erfahrung. Das heißt, wer bereits arbeitslos ist oder aufgrund der derzeitigen Situation verkürzt arbeiten, überlegt es sich eher nebenbei noch etwas hinzuzuverdienen. Vor allem jüngere Arbeitnehmer, die keine weiteren familiären oder finanziellen Verpflichtungen haben, entscheiden sich schneller für eine nebenberufliche Alternative als langjährig Beschäftigte mit Haus und Familie. Grundsätzlich sind die jüngeren eher bereit eine selbständige Existenz zu gründen als ältere. Und auch geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es: Männer sind eher zur Existenzgründung bereit als Frauen.
Ein für die Wirtschaft allgemein interessanter Trend zeigt sich bei den 14- bis 29-jährigen. Sie stehen der Selbständigkeit als Alternative zum Angestelltenverhältnis besonders positiv gegenüber. Sieben Prozent wollen – um ihre Träume und Wünsche zu verwirklichen – ganz sicher ein selbstbestimmtes Berufsleben in Form von Selbständigkeit führen.
Deutschland – Land der Teilzeit-Gründer
Trotzdem wollen nach wie vor die meisten nicht auf die soziale Sicherheit eines Angestelltenverhältnisses verzichten. Daher sprechen sich auch über 80 Prozent der Befragten für eine Selbständigkeit im Nebenerwerb als zweites Standbein aus. Allerdings sehen ein Drittel diese Variante als Möglichkeit für eine spätere hauptberufliche Selbständigkeit an. Hauptgrund für eine nebenberufliche Selbständigkeit ist die Aussicht auf einen Zusatzverdienst. Darüber hinaus spielen aber auch Gründe wie Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung eine Rolle, die oftmals im Angestelltenverhältnis nicht ausgelebt werden können.
Für Frauen ist die nebenberufliche Selbständigkeit oftmals ein Weg Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Vor allem die mittleren Einkommensschichten stehen der nebenberuflichen Selbständigkeit besonders aufgeschlossen gegenüber.
Eine anschauliche Präsentation der Studie finden Sie hier.





D.h. es macht sich keiner mehr selbständig oder was?