Hohes Insolvenzrisiko 2010

Die Angst vor einer möglichen Insolvenz greift im Mittelstand um sich. Nach einer aktuellen Studie droht jedes dritte mittelständische Unternehmen den Aufwärtstrend der allgemeinen Wirtschaftslage zu verpassen. Grund dafür ist die geringe Investitionsbereitschaft der Unternehmen aus Angst vor einer möglichen Pleite.

Aktuelle Lage

Das Wirtschaftsberatungsunternehmen Ernst & Young hat in ihrem jüngsten Mittelstandsbarometer eine Studie zur Investitionsbereitschaft und zur aktuellen Lage des Mittelstands erhoben. Demnach halten die meisten Mittelständler die Krise für überstanden. In den kommenden sechs Monaten erwarten 38 Prozent der befragten Unternehmen eine Verbesserung der Geschäftslage. Im Vergleich zum Juli 2009 ist das ein Anstieg von neun Prozentpunkten. Zu Beginn des Jahres 2009 lagen die Erwartungen nur bei 16 Prozent. Sollte die Krise jedoch noch weitere sechs Monate dauern, sieht sich jedes zehnte mittelständische Unternehmen in seiner Existenz bedroht. Daher erwarten Wirtschaftsexperten einen Anstieg der Insolvenzen in diesem Jahr, weil mit einem endgültigen Überwinden der Krise erst im Juni 2011 gerechnet wird.

Investitionsbereitschaft

Die Investitionsbereitschaft hat sich unterdessen kaum verbessert. Nur etwa 23 Prozent der Unternehmen wollen in diesem Jahr ihre Investitionen erhöhen. 61 Prozent der Befragten wollen dagegen ihre Investitionen konstant halten und 16 Prozent wollen ihre Investitionstätigkeit zurückschrauben. Als Gründe für die Zurückhaltung geben die Unternehmen Probleme bei der Finanzierung an. Die Banken fordern etwa höhere Kreditzinsen oder verschärfen die Sicherheitsforderungen. Mit einer Bürgschaft der Bürgschaftsbank Hessen beispielsweise können hessische Unternehmen die erhöhten Sicherheitsbedürfnisse der Banken befriedigen.

Personalabbau

Viele Studienteilnehmer fürchten darüber hinaus in diesem Jahr vermehrt Personal abbauen zu müssen. Konnten sie die Arbeitskräfte bisher dank Kurzarbeit etc. im Betrieb halten, sind bei vielen Mittelständlern die Reserven aufgebraucht. Daher sind die Unternehmen gezwungen, sollte sich deren Lage in nächster Zeit nicht verbessern, Arbeitsplätze abzubauen. Hinzu kommt, dass viele klein- und mittelständische Unternehmen einen weiteren Konjunktureinbruch befürchten. Zwar beurteilen insgesamt 79 Prozent der Studienteilnehmer ihre wirtschaftliche Lage als „gut“ oder „eher gut“, trotzdem wollen 18 Prozent in diesem Jahr Stellen abbauen. Nur 15 Prozent wollen dagegen dieses Jahr mehr Arbeitskräfte einstellen.

Insolvenzrisiko

Das Insolvenzrisiko wird 2010 weiter steigen. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform geht von aus 38.000 bis 40.000 Firmenpleiten in diesem Jahr aus, 20 Prozent mehr als 2009. Hinzu kommt das Risiko von steigenden Verbraucherinsolvenzen. Auch hier wird sich nach Prognosen der Experten die Krise erst im laufenden Jahr voll auf den deutschen Arbeitsmarkt auswirken.

Das Mittelstandsbarometer

Für die Erstellung der halbjährlichen Mittelstandsbarometer befragt das Marktforschungsinstitut Valid Research aus Bielefeld im Auftrag von Ernst & Young rund 3.000 mittelständische Unternehmen. Die Unternehmen haben zwischen 30 und 2.000 Mitarbeiter.

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