Langerwartete Trendwende im Mittelstand

Der Optimismus ist in den deutschen Mittelstand zurückgekehrt. Der Geschäftsklima-Indikator ist deutlich gestiegen. Das wurde auch Zeit, denn die Kapitaldecke der meisten klein- und mittelständischen Unternehmen ist extrem dünn geworden.

Geschäftsklima-Index

Der Geschäftsklima-Index ist im März 2010 weitaus besser ausgefallen als im Vormonat, sowohl was die aktuelle Lage der befragten Unternehmen angeht als auch die kommenden Geschäftserwartungen. Es handelt sich um den zweitstärksten Anstieg seit Beginn der Aufzeichnungen im Januar 1991. Der Anstieg des Index fiel dreimal so stark aus wie im Durchschnitt.

Die Geschäftserwartungen stiegen um vier Punkte auf 12,3 Saldenpunkte. Die Werte zur aktuellen Lage stiegen um 6,8 Zähler auf insgesamt 0,9 Saldenpunkte. Damit liegen die Werte für die aktuelle Lage der Unternehmen das erste Mal seit dem massiven Einbruch im November 2008 wieder leicht oberhalb der Nulllinie.

Der Anstieg des Geschäftsklima-Index stellt für Experten gegenwärtig nur eine Bestätigung dessen dar, was sich in den letzten Monaten an Erwartungen bereits angekündigt hat. Daher rücken die Ökonomen nicht von dem Bild einer schwachen bis moderaten Gesamterholung der Wirtschaft in 2010 ab. Eine weitere Erklärung für den sprunghaften Anstieg ist, so die Wirtschaftsexperten, das Ende des langen und harten Winters 2009/2010.

Schrumpfende Eigenkapitaldecke

Dagegen ist die Kapitaldecke des Mittelstands deutliche geschrumpft. Experten sprechen sogar von einer ausgeprägten Krise bei deutschen KMU. Seit Beginn der Wirtschaftskrise ist die Eigenkapitaldecke deutlich geschrumpft. Zwar waren deutsche klein- und mittelständische Unternehmen im internationalen Vergleich noch nie mit einer hohen Eigenkapitalquote ausgestattet, doch in der derzeitigen Situation sind die Reserven fast gänzlich aufgebraucht.

Eine mögliche Lösung sind professionelle Eigenkapitalgeber wie etwa die halb-öffentlichen mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Hessen (MGB Hessen) oder die von den Sparkassen und Genossenschaftsbanken gestützten Beteiligungsgesellschaften. Alternativ dazu gibt es auch einige private Kapitalgeber, die unabhängig von Banken agieren.

Der Vorteil der Beteiligungsgesellschaften ist, dass die Kapitalspritze weit über die reine Finanzierung hinaus geht. Im Vorfeld der Investition wird das Unternehmen sorgfältig geprüft. Während der Phase der Beteiligung wird die Unternehmensführung darüber hinaus in strategischen Fragen unterstützt. Die Unternehmen profitieren nicht nur von dem dringend benötigten Kapital sondern auch von den Erfahrungen der Beteiligungsunternehmen.

Theorie und Praxis

In der Theorie klingt das alles sehr einfach und verlockend. Doch die meisten Kapitalgeber definieren den Mittelstand erst ab einen Jahresumsatz von 25 Millionen Euro. Die meisten klein- und mittelständische Unternehmen liegen aber mit ihrem Jahresumsatz unter dieser Grenze. Beteiligungsgesellschaften bevorzugen daher vor allem größere Unternehmen. Zum einen lässt sich hier mehr Kapitalvolumen unterbringen und zum anderen sinkt in Abhängigkeit der Unternehmensgröße auch der Prüfungsaufwand für die Kapitalgeber. Mindestinvestitionen liegen meist bei 500.000 Euro. In kleineren Einheiten wird erst gar nicht investiert. KMU haben meist das nachsehen.

Beteiligungsgarantien

Aus diesem Grund gibt der Staat über die deutschen Bürgschaftsbanken, wie der Bürgschaftsbank Hessen, sogenannte Beteiligungsgarantien aus. Das heißt, bei einem Ausfall des Unternehmens bekommt die Beteiligungsgesellschaft bis zu 80 Prozent des investierten Kapitals zurück. Dadurch wird eine Investition in klein- und mittelständische Unternehmen interessanter.

Die Beteiligungsgarantien des Staates unterliegen jedoch der Kontrolle durch die Europäische Union. Sie wurden Mitte 2007 neu bewertet. Seit dem Zeitpunkt müssen neue Förderangebote der Bundesländer erst bei der EU neu angemeldet werden. Bis auf Niedersachsen hat jedoch bisher kein Bundesland davon gebrauch gemacht.

Die Zeit drängt, denn viele mittelständische Unternehmen brauchen im Moment deutlich mehr Unterstützung. Durch die teilweise dramatischen Verluste der Unternehmen im Krisenjahr 2009 hat die Bonität vieler Unternehmen deutlich gelitten. Bei der Suche nach neuem Kapital stehen daher nicht nur die Beteiligungsgesellschaften bereit, sondern auch Bürgschaftsbanken, wie die Bürgschaftsbank Hessen. Mit einer Ausfallbürgschaft können hessische Unternehmen Sicherheiten vorweisen, die bei Banken und Kreditinstituten stets willkommen sind.

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