Für viele Existenzgründer, vor allem der erfahreneren Generation, die auf ein längeres Arbeitsleben zurückblicken kann, stellt sich die Frage, ob nicht vielleicht ein Unternehmenskauf besser wäre als eine komplette Neugründung. Vor allem ältere Existenzgründer verspüren nicht immer das Verlangen noch einmal von vorne zu beginnen und greifen lieber auf bereits etablierte Lösungen zurück. Aber auch für jüngere Existenzgründer kann eine Selbständigkeit durch Übernahme eines Unternehmens reizvoll sein.
Unternehmensnachfolge
Unternehmen können sehr langlebig sein. Das heißt, irgendwann wird der Unternehmensgründer sein Lebenswerk in andere Hände abgeben müssen, ob nun an ein Familienmitglied oder jemanden außerhalb der Familie. Nach Schätzungen von Experten steht in über 300.000 mittelständischen Unternehmen in Deutschland eine Nachfolge an.
Eine Unternehmensnachfolge bietet vor allem solchen Existenzgründern eine Chance, die der Gedanke an einen kompletten Neustart bisher von der Selbständigkeit abgehalten hat. Der Vorteil eines bereits vorhandenen Unternehmens liegt auf der Hand: Es verfügt bereits über eine Organisation, Mitarbeiter und Produkte, die von Kunden am Markt nachgefragt werden. Deutschlandweit werden jährlich ca. 70.000 Unternehmensnachfolgen auf diese Weise geregelt. Doch der Bedarf nach geeigneten Übernehmern ist groß. Oft mangelt es nämlich an geeigneten und auch interessierten Unternehmensnachfolgern, so dass viele gut laufende Betriebe mangels Nachfolgern schließen müssen. Dabei finden sich in jeder Branche entsprechende Übernahmekandidaten.
Gründungszuschuss
Das Gute bei einer Betriebsnachfolge bzw. Übernahme ist, dass es für den Nachfolger den Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit gibt. Bis noch vor einigen Jahren lehnte es die Agentur ab den Gründungszuschuss bei einer Unternehmensnachfolge zu gewähren. Begründet wurde diese Haltung damit, dass kein unternehmerisches Risiko mehr bestehen würde, wenn im ersten halben Jahr nach der Betriebsübernahme die Lebenshaltungskosten des neuen Inhabers aus den Betriebsüberschüssen gedeckt werden könnten. Bei der Betrachtung ließ die Agentur aber außer acht, dass der Preis für die Übernahme eines Betriebes regelmäßig vielfach über dem Jahresgewinn des Unternehmens liegt. Dadurch besteht für den Nachfolger sehr wohl ein nicht unerhebliches finanzielles Risiko.
2006 führte der Gesetzgeber den Gründungszuschuss ein. Dabei wurde auch die Übernahme von Betrieben geregelt. Das heißt, der Gründungszuschuss wird nun auch bei Unternehmensübernahme gewährt. Seit diesem Zeitpunkt ist es nicht mehr notwendig Angaben zur Gewinnermittlung des übernommenen Betriebes zu machen. Dadurch wollte der Gesetzgeber erreichen, dass bereits etablierte Unternehmen als Arbeitgeber erhalten bleiben.
Suche nach geeigneten Übernahmekandidaten
Die Suche nach einem geeigneten Übernahmekandidaten gestaltet sich nicht immer einfach. Der angehende Firmeninhaber muss sich zunächst einmal klar werden, in welche Art von Unternehmen er einsteigen möchte. Dazu ist es wichtig, die Branche, in die er einsteigen möchte, zu kennen. Außerdem sollte er sich vorher Gedanken darüber machen, wie groß der Betrieb sein sollte. Je größer das Unternehmen ist, desto größer ist die Verantwortung gegenüber dem Betrieb und dessen Mitarbeitern. Darüber hinaus schadet es nie über Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse zu verfügen, die für das Unternehmen von Wert sein könnten, sowie zuverlässige Partner zu haben.
Es gibt verschieden Wege ein geeignetes Unternehmen zur Übernahme zu finden. Eine Möglichkeit bieten Nachfolgebörsen, die Unternehmen und mögliche Nachfolger zusammen bringen. Die Nachfolgebörse nexxt ist ein bundesweit getragenes Projekt des Bundesministeriums für Wirtschaft, der Sparkassen und der Volks- und Raiffeisenbanken sowie der Industrie- und Handelskammern (IHK) und Handwerkskammern. Hier können sich potentielle Unternehmensnachfolger und verkaufswillige Unternehmen kostenlos registrieren.
Eine andere Möglichkeit sind Unternehmensmakler, die ihre Dienste bei der Suche nach geeigneten Kandidaten oder übergabewilligen Unternehmen anbieten. Der Vorteil solcher Berater ist, dass sie in der Regel den gesamten Prozess der Übernahme begleiten. Allerdings machen sie das nicht aus Uneigennützigkeit und verlangen ein entsprechendes Honorar.
Eine weitere Möglichkeit, die man nicht unterschätzen sollte, ist das eigene Netzwerk aus Freunden, Bekannten, Kollegen, aber auch Beratern, Banken und Kammern. Hier bekommt man oft nützliche Tipps und Hinweise auf Unternehmen, in denen eine Nachfolgeregelung ansteht. Aber auch soziale (Business-) Netzwerke wie etwa Xing sind nützlich zur Recherche und ersten Kontaktaufnahme.
Im zweiten Teil beschäftigen wir uns mit der Frage nach den Kosten und der Finanzierung einer Übernahme sowie der richtigen Begleitung vor, während und nach dem Übernahmeprozess.





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