Neue Studie zur Ich-AG und Überbrückungsgeld
Nach dem Boom der Ich-AGs 2003 ging das öffentliche Interesse an diesem Förderinstrument der Bundesagentur für Arbeit schnell wieder verloren. Erst hochgejubelt und dann stark in Kritik geraten, schaffte die Bundesregierung Mitte 2006 die Ich-AG wieder ab. Doch im Rahmen der Evaluation der Hartz-Reformen stellte sich die Ich-AG als ein ausgesprochen effektives Instrument der Arbeitsmarktpolitik heraus. Nach über zwei Jahren liegt nun eine neue Studie in Zusammenarbeit des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) vor, die den langfristigen Erfolg der Gründer einer Ich-AG fundiert analysiert und beurteilt.
Im Rahmen der Studie wurden im Laufe des Jahres 2008 über 2.800 Gründer befragt, die eine Ich-AG gegründet oder Überbrückungsgeld von der Bundesagentur für Arbeit erhalten haben. Die Befragten Existenzgründer mussten außerdem zwischen Juli und September 2003 ihre Selbstständigkeit aufgenommen haben. In der Auswertung der Studie wurde zwischen männlichen und weiblichen als auch zwischen west- und ostdeutschen Gründern unterschieden.
Hohe Selbstständigenquote
Nach über fünf Jahren waren zwischen 50 und 60 Prozent der Gründer einer Ich-AG selbstständig. Bei den Empfängern von Überbrückungsgeld waren zwischen 53 und 67 Prozent der Geförderten in Voll- oder Teilzeit selbstständig. Damit konnte erstmalig auch über einen längerfristigen Zeitraum der Erfolg dieser arbeitsmarktpolitischen Instrumente belegt werden. Eine Verbleibquote zwischen 50 und 70 Prozent ist ein wahrhaft gutes Ergebnis.
Gegenüber 2006 registrierte die aktuelle Studie der IZA und IAB einen Rückgang der Selbstständigenquote bei den Gründern einer Ich-AG von etwa 10 bis 15 Prozent. Daraus lässt sich schließen, dass ein Teil der Existenzgründer von den Zuschüssen der Arbeitsagentur abhängig waren und nach dem Auslaufen der Förderung auch die Selbstständigkeit wieder aufgegeben haben.
Im Vergleich dazu sind die mit Überbrückungsgeldern geförderten Existenzgründer fest am Markt etabliert. Hier konnte die Studie von 2008 im Vergleich zur Studie von 2006 kaum noch einen spürbaren Rückgang der Selbstständigenquote ausmachen.
Arbeitsplätze
Die aktuelle Studie birgt noch weitere positive Überraschungen. So haben nach fünf Jahren etwa 40 Prozent aller mit Überbrückungsgeld Geförderten und etwa 20 Prozent aller Gründer einer Ich-AG mindestens einen weiteren Mitarbeiter beschäftigt. Statistisch gesehen bedeutet das, dass 100.000 mit Überbrückungsgeld geförderte Existenzgründer rund 80.000 neue Arbeitsplätze geschaffen haben. Bei den Gründern einer Ich-AG sind es immerhin noch rund 16.000 neue Arbeitsplätze. Vor dem Hintergrund von über einer Million geförderter Existenzgründer ist der positive Effekt auf den Arbeitsmarkt außerordentlich hoch.
Einkommenseffekt
Die Studie zeigt eindrucksvoll die positiven Effekte auf die Einkommenssituation der geförderten Existenzgründer auf. Im Vergleich zur Kontrollgruppe von Arbeitslosen, die sich nicht für eine geförderte Existenzgründung entschieden haben, weisen die Teilnehmer an den Förderprogrammen der Agentur für Arbeit eine wesentlich höhere Erwerbsquote und teilweise deutlich höhere Einkommen auf. Spitzenreiter in der Untersuchung sind dabei westdeutsche Männer mit einem durchschnittlichen Nettoeinkommen von knapp 2.700 Euro im Monat. Dieses Resultat liegt über dem Einkommensdurchschnitt der gesamten erwerbstätigen Bevölkerung.
Fazit
Vor dem Hintergrund der überaus positiven Ergebnisse wird die Abschaffung der Ich-AG 2006 und die damit verbundene Zusammenlegung mit dem Überbrückungsgeld zum Gründungszuschuss als außerordentlich kritisch betrachtet. Der Gründungszuschuss spricht laut den Autoren der Studie eine ganz andere Zielgruppe an als die Ich-AG. Auf ihre jeweilige Zielgruppe betrachtet, waren Ich-AG und Überbrückungsgeld ausgesprochen erfolgreiche Instrumente. Vergleichbare Effekte scheinen den Autoren mit anderen Instrumenten kaum erreichbar zu sein. In diesem Sinne kann man die Studie der beiden Forschungsinstitute auch als Aufforderung an die Politik verstehen, sich über die Neuauflage eines oder beider Instrumente Gedanken zu machen. Es wäre ein unverzeihlicher Fehler, wenn im Zuge der sich in der deutschen Wirtschaft abzeichnenden Rezession und der damit verbundenen Zunahme der Arbeitslosenzahlen, auf nachgewiesen erfolgreiche Instrumente verzichtet werden würde.
Die gesamte Studie finden sie hier.
Tags: Existenzgründer, Gründer, Gründerzuschuss, Ich-AG, Überbrückungsgeld
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