Existenzgründung kulturabhängig?

8. Mai 2009 von JK

Es ist nicht immer nur eine Frage des Geldes oder der Ausbildung, ob sich – vor allem junge – Menschen irgendwann einmal in ihrem Leben selbstständig machen. Entscheidend kommt hinzu, ob es in der Gesellschaft eine akzeptierte Gründerkultur gibt und wie ausgeprägt diese ist.

Gründungsmotive

In Deutschland ist das vorherrschende Motiv sich selbstständig zu machen immer noch, dass es wohlmöglich die letzte Chance ist, einen solchen Schritt zu wagen. Im Vordergrund stehen weder die eigene Selbsterfüllung, noch die Eigenverantwortung oder gar der Spaß. Die Selbstständigkeit wird als letzter Ausweg gesehen, einer drohenden oder bereits bestehenden Arbeitslosigkeit zu entkommen. Bestenfalls kurz vor Ende des Berufslebens, wenn die Kinder aus dem Haus sind, das Häuschen abbezahlt und der Lebensabend abgesichert ist, entscheiden sich Arbeitnehmern den Weg in die Selbstständigkeit zu gehen: Meine letzte Chance.

Statistische Untersuchungen haben diesen Eindruck bestätigt. Während 2001 noch 2,9 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland eine Existenz gründeten, gingen 2007 nur noch 1,7 Prozent den Schritt in die Selbstständigkeit. Verglichen mit 42 anderen Industriestaaten weltweit, belegt Deutschland damit nur einen mageren Platz 34.

Ursachen

Die Ursachen dafür sind vielfältig und wie im Falle Deutschlands hausgemacht. Junge Existenzgründer werden hierzulande nur unzureichend vorbereitet und unterstützt. In der schulischen Ausbildung wird das Thema so gut wie gar nicht und an Hochschulen wird es immer noch sehr stiefmütterlich behandelt. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine Umfrage im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums unter Experten für Existenzgründungen aus Kammern, Banken, Hochschulen und Unternehmen.

Als besonders erschwerend gilt das beinahe unübersichtlich gewordene Förderangebot in Deutschland. Die Umfrageteilnehmer beurteilten diesen Aspekt sogar noch hemmender als die Bürokratie oder fehlendes Kapital. Aus der Umfrage geht auch hervor, dass in der deutschen Gesellschaft das Unternehmertum als eine mögliche Alternative zum Dasein eines Angestellten immer noch zu wenig akzeptiert ist. Daher, so sind sich die Befragten einig, muss das Bild der Unternehmenskultur in Deutschland zum positiven verändert werden.

Gründe dafür gibt es nämlich viele. Die Arbeitswelt in unserer Gesellschaft ist einem steten Wandel unterzogen. So liegen die Chancen, heute irgendwann einmal in seinem Erwerbsleben selbstständig zu sein, wesentlich höher, als es noch vor zehn Jahren der Fall gewesen ist.

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3 Reaktionen

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