Studie: Wie Familienunternehmen die Krise bewältigen

2. Oktober 2009 von JK

Lange galten Familienunternehmen als Wachstumstreiber und Jobmotor in Deutschland. Doch auch Familienunternehmen bleiben nicht von der Krise verschont. Eine Studie der Stiftung Familienunternehmen hat untersucht, wie diese Unternehmen die derzeitige Krise bewältigen.

Studie

Die Stiftung Familienunternehmen hat 250 Unternehmen über alle Größen und Branchen hinweg betrachtet und untersucht wie sie die gegenwärtige Wirtschaftskrise meistern. Die Stiftung ist beim Institut für Familienunternehmen der Privatuniversität Witten-Herdecke angesiedelt. Die Studie wurde von der Privatuniversität und der Hochschule für angewandtes Wissen und Kunst (HAWK) Hildesheim in Auftrag gegeben.

Von den rund zwei Millionen Unternehmen in Deutschland mit einem Jahresumsatz von über 50.000 Euro, werden etwa 93 Prozent zu den Familienunternehmen gezählt. Für die gesamte Wirtschaft bedeutet das, dass ungefähr zwei Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung und Beschäftigten in Deutschland auf Familienunternehmen entfallen.

Wahrnehmung & Realität

Zur Überraschung der Wissenschaftler, stimmte die Wahrnehmung der Krise und die tatsächlich empfundene Bedrohungslage bei den untersuchten Unternehmen nicht überein. 75 Prozent der 250 befragten Unternehmen beklagten einen zum Teil erheblichen Einbruch der Nachfrage, begleitet von einem beträchtlichen Verfall des Preisniveaus. Die Umsatzrückgänge sind inzwischen so hoch, dass die Unternehmen diese nicht mehr mit den sonst üblichen Maßnahmen der Kostensenkung ausgleichen können. Im Moment zehren die meisten Familienunternehmen noch von der vor der Krise aufgebauten Kapitalreserve und können daher die Erlöseinbußen durch Eigenmittel wettmachen. Allerdings ist zu erwarten, dass bereits in naher Zukunft auch der Finanzierungsbedarf der Familienunternehmen erheblich steigen wird.

Ein Viertel der befragten Unternehmen schätzen ihre derzeitige Lage als gut bis sehr gut ein. Ein gleicher Anteil dagegen schätzt seine Lage genau gegensätzlich ein und beschreibt die derzeitige Situation als bedrohlich. Unterschiede in der Größe der Unternehmen gibt es dabei nicht. Die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage ist in allen Größenkategorien gleich.

Strategien der Krisenbewältigung

Die meisten Unternehmen stützen sich bei der Bewältigung der Krise auf die Stärken dieses speziellen Unternehmenstyps. Dazu zählt eine hohe Eigenfinanzierungskraft, die große Opferbereitschaft der Belegschaft, die intensive Beziehung zu Kunden und Lieferanten sowie eine hohe Rückendeckung aus dem Kreis der Familie und der Gesellschafter.

Allerdings erweisen sich einige der vermeintlichen Stärken als zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite führt die enge Kopplung von Familie und Unternehmen dazu, dass die Eigentümer ihre eigenen finanziellen Interessen in Zeiten der Krise zurückstellen. Auf der anderen Seite aber können sich Konflikte im Gesellschafterkreis verschärfend auswirken. Indes geht aus der aktuellen Studie hervor, dass im Notfall knapp drei Viertel der Gesellschafter bereit sind frisches Kapital in das Unternehmen zuschießen.

Personalpolitik

Auch in der Personalpolitik berücksichtigen Familienunternehmen durchschnittlich die Bedürfnisse der Belegschaft besser andere Unternehmenstypen. Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise planen trotzdem 41 Prozent der Befragten Unternehmen in den kommenden Monaten Personal abzubauen. Hierbei spielt die Größe des Unternehmens jedoch eine entscheidende Rolle. In der Studie wurde festgestellt, dass je größer der Betrieb ist, desto eher besteht die Bereitschaft zur Entlassung von Mitarbeitern.

Die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat – insofern vorhanden – bezeichnen über 75 Prozent der Unternehmen als vertrauensvoll. Daraus ziehen die Forscher den Schluss, dass die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Belegschaft in Zeiten der Krise gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Die komplette Studie finden Sie hier.

Tags: , , , , , , , , ,
Abgelegt in: Aktuelles

Einen Kommentar schreiben

Bitte beachten: Die Kommentar-Moderation ist eingeschaltet, deshalb könnte Ihr Beitrag etwas später veröffentlicht werden. Sie brauchen Ihren Kommentar nicht mehrmals abzugeben.