Rechtsform, Teil II

4. Januar 2010 von JK

Viele Existenzgründer stellen sich am Anfang ihrer Unternehmung die Frage, welche Rechtsform sie wählen sollen. Eine Mini-GmbH? Eine GbR? Eine Limited nach englischem Vorbild? Oder doch eine AG? Im ersten Teil dieser Serie haben wir einen Blick auf die GbR geworfen und die UG vorgestellt. Im zweiten Teil betrachten wir die GmbH und die Limited näher.

Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

Die Bewertung der Unternehmergesellschaft durch Gründungsexperten fällt unterschiedlich aus. Zum einen lässt sie sich mit wenig Kapital leicht und kostengünstig gründen, trotzdem raten viele Experten von der UG ab. Eine GmbH ist für die meisten Existenzgründer nach wie vor am sinnvollsten. Die 25.000 Euro Stammkapital für die Gründung einer GmbH benötigen die meisten Gründer am Anfang ihrer Unternehmung ohnehin. Im Gegensatz zur UG lässt sich in eine GmbH als Stammkapital auch Sachanlagen wie Maschinen einbringen.

Hinzu kommt ein weiterer nicht zu unterschätzender Faktor: Aufgrund der relativen Unbekanntheit der UG in weiten Teilen der deutschen Geschäftswelt, wird die GmbH bei vielen Geschäftspartnern, Investoren und Kunden als sehr viel seriöser angesehen. Mit einer GmbH ist es generell einfacher Geschäftspartner und Investoren für sein Unternehmen zu finden und zu gewinnen. Die Haftungsbeschränkung ist vor allem auch dann sinnvoll, wenn man vor hat ins Ausland zu expandieren, beispielweise in die USA. Hier sind extrem hohe Schadensersatzforderungen nach Produktfehlern keine Seltenheit.

Die GmbH ist die bekannteste und bewährteste Gesellschaftsform in Deutschland seit 1892. Die GmbH als Modell ist ein weltweiter Exportschlager.

Vorteile:

  • Die Haftung der Gesellschafter einer GmbH ist auf deren Einlage begrenzt. Dadurch wird das private Vermögen im Rechtsstreit oder Insolvenzfall geschützt.
  • Die GmbH gilt aufgrund ihres höheren Stammkapitals als seriöser und kreditwürdiger als zum Beispiel die UG.
  • Für das benötigte Stammkapital von 25.000 Euro können auch Sacheinlagen wie Maschinen eingebracht werden.
  • Darüber hinaus ist es bei einer GmbH möglich einen Beirat zugründen, was diese Gesellschaftsform vor allem für Familienunternehmen attraktiv macht.

Nachteile:

  • Das Stammkapital ist im Gegensatz zur Limited oder UG mit 25.000 Euro relativ hoch.
  • Die Gründung einer GmbH kann mitunter Monate dauern.
  • Zur Gründung einer GmbH wird ein Notar benötigt, der den Gesellschaftsvertrag beurkunden muss.
  • Eine GmbH muss in das Handelsregister eingetragen werden.
  • Die Gesellschafter haben gegenüber den Geschäftsführern ein Weisungsrecht.
  • Die Übertragung von Anteilen an der GmbH ist nur mit einem Notar möglich.
  • Der Aufwand zur Gründung einer GmbH ist mittel bis hoch.

Private Limited Company by Shares (Ltd.)

Nach Ansicht von Gründungsexperten ist eine UG nur in Ausnahmefällen interessant, vor allem dann, wenn ein Existenzgründer sehr früh gründet und noch über wenig Kapital verfügt. In diesem Fall ist eine UG auch der Limited (Ltd.) nach englischem Vorbild vorzuziehen.

Lange Zeit war die britische Rechtsform der Limited die einzige Möglichkeit, eine haftungsbeschränkte Gesellschaft mit wenig Kapital zur gründen. Ein britisches Pfund reichte für die Gründung der Limited bereits aus.

Wer sich als Gründer für eine Limited entscheidet, sollte jedoch einiges beachten. Die Limited bewegt sich in Deutschland zwischen zwei Rechtssystemen: dem deutschen auf der einen Seite, wonach der Gründer den hiesigen buchhalterischen Regeln unterworfen ist, und dem britischen auf der anderen Seite. Dazu gehört zum Beispiel, dass dem britischen Handelsregister regelmäßig eine Jahresbilanz zu schicken ist. Vergisst man diese Pflicht, kann es unter Umständen zu sehr empfindlichen Strafen führen. Darüber hinaus ist auch das britische Insolvenzrecht wesentlich strenger als das deutsche. Für insolvente Gründer bedeutet das, dass sie mit einer Limited viel schneller und leichter zur persönlichen Haftung herangezogen werden können als beispielsweise bei einer UG in Deutschland.

Gemäß der europäischen Niederlassungsfreiheit ist es auch deutschen Gründern möglich, eine Limited in England nach britischem Recht zu gründen.

Vorteil:

  • Die Gründung einer Limited ist innerhalb von 24 Stunden möglich.
  • Das Mindestkapital für eine britische Limited beträgt ein britisches Pfund.
  • Die Limited nach britischem Recht ist eine haftungsbeschränkte Rechtsform, die das Privatvermögen der beteiligten Gesellschafter schützt.
  • Bei einer Limited sind Änderungen am Gesellschaftervertrag, mit den Teilhabern oder im Bezug auf die Geschäftsführung ohne weiteres möglich. Das hinzuziehen eines Notars ist unnötig.
  • Der Gründungsaufwand für eine Limited nach britischem Recht ist gering.


Nachteile:

  • Für die Gründung einer Limited ist ein registrierter Firmensitz in Großbritannien nötig und daher mit eventuellen Mehrkosten bei der Gründung verbunden.
  • Jährlich muss eine Jahresbilanz in englischer Sprache beim britischen Zentralhandelsregister eingereicht werden.
  • Der Aufwand für die Buchführung nach deutschem Handelsgesetzbuch und nach britischen Vorschriften ist sehr hoch.
  • In Deutschland leidet die Rechtsform der britischen Limited am Makel der Unseriosität im Vergleich zu einer GmbH oder ähnlichen Gesellschaftsformen.

Im dritten Teil dieser Serie legen wir den Fokus auf die Aktiengesellschaft.

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3 Reaktionen

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