Benachteiligung hauptberuflicher Selbstständiger in der GKV?
Wer hauptberuflich Selbstständig und freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert ist, muss sowohl Beiträge auf seinen Gewinn als auch auf seine Kapitaleinkünfte – z.B. aus Mieteinnahmen, Einkommen aus nebenberuflicher Festanstellung etc. – zahlen. Hauptberuflich Angestellte dagegen müssen nur Beiträge auf ihr Gehalt zahlen. Ihre weiteren Kapitaleinkünfte bleiben unberücksichtigt.
Hauptberuflich Selbstständige müssen darüber hinaus relativ hohe Mindestbeiträge leisten. Das sind monatlich mindestens 286 Euro, mit Krankentagegeld 297 Euro. Umgerechnet auf den Verdienst eines hauptberuflich angestellten Arbeitnehmers entspricht das einem monatlichen Brutto-Verdienst von 1.916 Euro. Doch Existenzgründer verdienen in der Regel in der Startphase deutlich weniger, so dass, wenn sie freiwillig gesetzlich krankenversichert sind, sie einen Beitrag auf einen Gewinn zahlen müssen, den sie gar nicht erwirtschaftet haben.
Verdienstgrenzen beachten
Wer selbstständig und zugleich angestellt arbeitet, sollte unbedingt auf seine Verdienstgrenzen achten. In vielen Fällen lohnt es sich als hauptberuflich angestellt und nebenberuflich selbstständig arbeitend zu gelten. Bei dieser Konstellation werden die Krankenkassenbeiträge nur aus dem Angestelltenverhältnis berechnet.
Allerdings achten die Krankenversicherungen sehr genau darauf, wer als hauptberuflich selbstständig gilt:
- Wird durch die selbstständige Tätigkeit der größere Teil des Einkommens erzielt,
- wird die selbstständige Tätigkeit mehr als 20 Stunden pro Woche ausgeführt und
- wird ein Mitarbeiter mehr als nur geringfügig beschäftigt (bis 400 Euro),
gilt der Versicherungsnehmer als hauptberuflich Selbstständig. Wer den Gründungszuschuss in Anspruch nehmen möchte, entfällt diese Option, da er sich hauptberuflich selbstständig machen muss.
Alternative
Die Alternative ist der Wechsel in die Private Krankenversicherung (PKV). Die Entscheidung für einen Wechsel sollte jedoch nicht übereilt getroffen werden. Bei der PKV gibt es eine Vielzahl von Tarifen und Möglichkeiten, so dass nicht nur der Vergleich zwischen GKV und PKV lohnt, sondern auch ein Vergleich zwischen den verschiedenen PKV. Weiterhin sollte bedacht werden, dass der Wechsel von der PKV in die GKV nur in Ausnahmefällen möglich ist, während der Wechsel von der GKV in die PKV jederzeit ohne weiteres möglich ist.
Private Krankenversicherungen orientieren sich nicht nur am Einkommen, sondern vor allem an Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen des Versicherungsnehmers sowie dem Anteil, den man bereit ist, selbst zu zahlen, und dem gewünschten Leistungsumfang.
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