Fördermittel und –programme für Existenzgründer

16. Mai 2013 von gaugustin

Für Existenzgründer gibt es eine Vielzahl von verschiedenen Förderprogrammen, die der Staat aus Steuermitteln und Mitteln des Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union zur Verfügung stellt. Damit soll nicht nur die Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit sondern auch kreative und innovative Ideen in Zukunfts- und High-Tech-Branchen gefördert werden. Allerdings können Gründer und Selbstständige hier schnell den Überblick verlieren, denn nicht jedes Angebot ist auch für jede Art von Gründung geeignet.

Gründung aus der Arbeitslosigkeit

Das bekannteste und bisher auch erfolgreichste Instrument zur Förderung der Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit ist der Gründungszuschuss. In den Genuss des Gründungszuschusses können Arbeitslosengeld-I-Empfänger kommen, die noch einen Anspruch auf ALG I von mindestens 150 Tagen haben. Der Zuschuss setzt sich aus dem ALG I und einer pauschale von 300 Euro zusammen. Sechs Monate erhält der Gründer den Zuschuss, um seine Geschäftsidee umzusetzen. Das Geld kann zur Deckung der Lebenshaltungskosten und der Aufwendungen für Versicherungen verwendet werden. Auf Antrag kann die Zahlung von 300 Euro um weitere sechs Monate verlängert werden. Die Anträge für den Gründungszuschuss erhält man bei der zuständigen Arbeitsagentur.

Das Einstiegsgeld ist zur Unterstützung der Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit aus dem Arbeitslosengeld II (Hartz IV) heraus gedacht. Das Einstiegsgeld ist wie der Gründungszuschuss eine Ermessensleistung. Die Höhe des Einstiegsgeldes ist variabel und setzt sich maximal aus dem ALG-II-Satz plus maximal und pauschal 50 Prozent des ALG-II-Satzes zusammen. Lebt der ALG-II-Empfänger in einer Bedarfsgemeinschaft kann der Zuschuss noch einmal um zehn Prozent für jede in der Bedarfsgemeinschaft lebenden Person erhöht werden. Das Einstiegsgeld wird ebenfalls sechs Monate gezahlt. Die Aufwendungen für die Sozialversicherungen übernimmt in der Zeit die Arbeitsgemeinschaft der Bundesagentur. Auf Antrag kann das Einstiegsgeld um weitere sechs Monate verlängert werden. Zusätzlich zum Einstiegsgeld können für einmalige Investitionen (z.B. Einrichtung des Arbeitsplatzes) bezuschusst werden.

Wichtige Förderprogramme für Existenzgründer

Existenzgründer können eine Vielzahl von Zuschüssen und Förderungen erhalten. Sie können sich bei der Vorbereitung ihrer Selbstständigkeit von Unternehmens- bzw. Existenzgründerberatern unterstützen lassen. Da die Beratungsleistungen in der Regel kostenpflichtig sind, bieten eine Reihe von Bundesländern noch vor der eigentlichen Gründung einen Zuschuss für die Existenzgründerberatung an.

Auch nach der Gründung können kleine und mittlere Unternehmen sowie freie Berufe, die seit mindestens einem Jahr am Markt sind, eine Förderung von Unternehmensberatungsleistungen in Anspruch nehmen. Dabei kann es beispielsweise um Fragen und Herausforderungen der Unternehmensführung gehen. Den gleichen Zuschuss können auch Unternehmensnachfolger direkt nach Antritt der Nachfolge beantragen.

Wer den Gründungszuschuss erhält, kann in der Start- und Festigungsphase der Selbstständigkeit bis spätestens fünf Jahre nach Gründung das Programm „Gründercoaching Deutschland“ in Anspruch nehmen. Hierfür stellen der Europäische Sozialfonds (ESF) und der Bund Mittel zur Förderung zur Verfügung. Die Beratungshonorare sind bei 4.000 Euro gedeckelt, wovon im Rahmen des Gründercoaching Deutschlands 90 Prozent der Kosten übernommen werden.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) stellt Existenzgründern und Selbstständigen zinsgünstige Förderkredite zur Verfügung. Die wichtigsten Programme sind das „ERP-Kapital für Gründungen“, „ERP-Gründerkredit – StartGeld“, „ERP-Gründerkredit – Universell“ und der „KfW-Unternehmerkredit“ (ab zwei bzw. dreie Jahre nach der Gründung). Eine weitere Möglichkeit zur Sicherung der finanziellen Grundlage biete der Mikrokreditfonds Deutschland an. Für die Kleinstkredite stehen ebenfalls Mittel des Bundes und des ESF zur Verfügung. Vermittelt werden die Kredite über die sogenannten Mikrofinanzinstitute und abgesichert durch die GLS Bank.

Und dann gibt es selbstverstöndlich noch die segensreichen Institutionen der Bürgschaftsbanken, die sich vor allem an KMUs, Freie Berufe, Handwerk und Mittelständler wenden und sowohl die klassische Bürgschaft als auch das Programm „Bürgschaft ohne Bank“ bieten.

Förderprogramme für Technologieunternehmen

Für spezielle Zukunfts- und High-Tech-Branchen gibt es mehrere Fördermöglichkeiten. Der High-Tech Gründerfonds finanziert Start-ups aus dem Technologiesektor zu günstigen Finanzierungskonditionen. Darüber hinaus werden die High-Tech-Gründer durch ein starkes Netzwerk und Branchen-Know-how unterstützt.

Seit dem 15. Mai 2013 gibt es außerdem das Programm „Investitionszuschuss Wagniskapital“. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle stellt dafür eine Online-Plattform zur Verfügung, auf der elektronisch Anträge für einen Investitionszuschuss gestellt werden können. Dadurch sollen die Finanzierungsbedingungen junger und innovativer Unternehmen verbessert werden. Private Investoren und Business Angels haben hier die Möglichkeit, Start-ups und etablierten Unternehmen privates Wagniskapital zur Verfügung zu stellen.

Unternehmen, die nicht älter als zehn Jahre alt sind, die Kriterien für Kleinunternehmen der EU erfüllen und als Kapitalgesellschaft organisiert sind, können Mittel aus dem ERP-Startfonds erhalten. Dabei geht die KfW Beteiligungen an jungen und innovativen Technologieunternehmen ein. Mit dem aufgenommen Beteiligungskapital können die Unternehmen anschließend ihren Finanzbedarf decken. Insbesondere sollen dadurch Vorhaben finanziert werden, die sich mit der Entwicklung neuer oder wesentlich verbesserter Verfahren, Produkte und/oder Dienstleistungen sowie deren Markteinführung befassen.

Das EXIST-Gründerstipendium richtet sich an Studierende, Absolventen und Wissenschaftler von Hochschulen, aber auch außeruniversitären Forschungseinrichtungen, um diese bei der Umsetzung ihrer Geschäftsideen und Businesspläne zu unterstützten. Das Förderprogramm EXIST-Forschungstransfer dagegen unterstützt besonders herausragende und forschungsbasierte Gründungsvorhaben, die in der Regel mit aufwändigen und risikoreichen Entwicklungsarbeiten verbunden sind.

 Weitere Förderprogramme

Neben den bereits genannten Förderprogrammen, gibt es noch weitere Programme, die für Existenzgründer und Selbstständige in Frage kommen könnten. In den neuen Bundesländern und Berlin können Existenzgründer beispielsweise eine Investitionszulage erhalten, wenn sie sich hier ansiedeln.
Aus den Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) können gewerbliche Investitionen und Investitionen in die kommunale wirtschaftsnahe Infrastruktur gefördert werden. Dazu gehören auch in einem klar definierten Rahmen Beratungsleistungen externer Sachverständiger oder Schulungsmaßnahmen von Mitarbeitern. Die Fördermittel werden an kleine und mittlere Unternehmen vergeben.

Das ERP-Beteiligungsprogramm dient der Erweiterung der Eigenkapitalbasis insbesondere von kleinen und mittleren Unternehmen. Dies erfolgt auf Basis der Bereitstellung von Haftungskapital über private Kapitelbeteiligungsgesellschaften.

Das ERP-Innovationsprogramm dient dagegen der Finanzierung marktnaher Forschungen sowie der Entwicklung neuer Verfahren, Produkte und Dienstleistungen sowie deren Markteinführung. Schwerpunkt ist dabei die Kooperation mittelständischer Unternehmen mit Forschungseinrichtungen. Besonders gefördert werden derzeit im Rahmen der Energiewende Vorhaben zur (Weiter-)Entwicklung von Technologien zur Energieeinsparung, effizienten Energieerzeugung, Energiespeicherung und Energieübertragung.

Überblick behalten

Die oben dargestellten Förderprogramme sind nur die wichtigsten Programme des Bundes und des ESF zur Förderung von Existenzgründern und jungen Unternehmen. Darüber hinaus kommen weitere Fördermöglichkeiten wie Sicherheiten und Ausfallbürgschaften der Bürgschaftsbanken, Beteiligungen und Förderkredite der Förderbanken der Länder, private Venture-Capital-Geber sowie Angebote auf regionaler und lokaler Ebene durch die Wirtschaftsförderung von Städte, Gemeinden und Kommunen hinzu.

Um bei dieser Vielzahl von Förderprogramme nicht den Überblick zu verlieren und das jeweils passende Programm zu finden, können sich Existenzgründer und Selbstständige sogenannter Fördermittelberater bedienen, für eine Übersicht und Hilfe bei Fördermittel für Existenzgründer – hier klicken. Der Vorteil einer Fördermittelberatung ist, dass Existenzgründer und junge Unternehmen hier nicht nur die wesentlichen Informationen zu den für sie passenden Förderprogrammen erhalten, sondern auch über Voraussetzungen und Fallstricke sowie bei der Beantragung und Abwicklung der Förderung begleitet und durch das Expertenwissen der Berater unterstützt werden.

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Eine Reaktion

  1. Rüdiger

    Man sollte sich bei der Planung der Selbständigkeit auch mit der Risikoanalyse der eigenen Tätigkeit beschäftigen. Was passiert, wenn mal was schief geht usw.
    Ich habe mich damals Selbständig gemacht und vergessen eine Betriebshaftpflichtversicherung abzuschließen. Frei nach dem Motto, geh erst mal arbeiten und Geld verdienen.
    Dann kam der Tag, an dem ich einen satten Schaden durch Unachtsamkeit verursacht habe. Hätte ich eine Betriebshaftpflicht gehabt, dann wäre ich heute noch Selbständig. Leider war dem nicht so und ich musste meine Selbständigkeit aufgeben.

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