Wo und wie Mittelständler an frisches Kapital kommen (I)
Zum klassischen Bankkredit gibt es heute viele Alternativen. Neben Private Equity, Leasing oder Genussrechte, eignen sich für langfristige Investitionen auch staatliche Fördermittel sehr gut. Sie sind günstig und haben in der Regel eine lange Laufzeit.
Für viele Mittelständler ist es wichtig, dass sie sich nicht zu sehr abhängig von der Hausbank machen. Daher setzten sie vermehrt auf einen Finanzierungsmix zur Deckung ihres Kapitalbedarfs. Alternativen zur klassischen Finanzierung durch die Hausbank gibt es viele (z.B. Anleihen, Factoring, Förderkredite, Genussrechte etc.). Jede Option hat seine Vor- und Nachteile, die Mittelständler bedenken sollten, wenn sie nach attraktiven Finanzierungsmöglichkeiten Ausschau halten.
Alternative Finanzierungsoptionen
Der Börsengang ist sicherlich eine der Finanzierungsmöglichkeiten, die besonders tief in ein Unternehmen eingreift. Diese Alternative ist oftmals – jedoch nicht immer – gleichzeitig mit einer Umwandlung der Rechtsform des Unternehmens in eine AG (Aktiengesellschaft) verbunden. Der Börsengang eignet sich für Mittelständler mit einem Umsatz von mindestens im dreistelligen Millionenbereich und wenn der Kapitalbedarf mindestens 50 Millionen Euro und mehr beträgt. Der Börsengang hat den Vorteil, dass jederzeit die Chance auf neues Kapital besteht, beispielsweise wenn das Unternehmen Aktien verkauft. Hinzu kommt die enorme Öffentlichkeitswirkung, denn ein Börsengang ist ein tiefgreifendes Ereignis im Leben eines Unternehmens. Der dritte Vorteil ist, dass in Vorbereitung auf den Börsengang sich das Unternehmen auch strukturell wandelt und dabei in der Regel gestärkt aus diesem Prozess hervorgeht, um für zukünftige Herausforderungen gewappnet zu sei. Nachteilig allerdings ist, dass ein Börsengang eine sehr lange Vorbereitungszeit benötigt. Das heißt auch, dass damit sehr viele Kosten verbunden sind und das Unternehmen ab sofort von außen kontrolliert wird (Berichtspflichten, Mitbestimmung der Aktionäre).
Private Equity ist eine weitere Alternative. Sie kommt vor allem für Mittelständler mit einem Kapitalbedarf zwischen fünf und 40 Millionen Euro in Frage. Der Vorteil ist ganz klar das Wissen und die Kontakte des Kapitalgebers, die durch die Beteiligung in das Unternehmen fließen. Sie nützen dem gesamten Unternehmen. Allerdings übt der Kapitalgeber im Falle einer Mehrheitsbeteiligung die Kontrolle über das Unternehmen aus. Weiterhin sind solche Kapitalgeber eher kurz- bis mittelfristig an einem Engagement interessiert, so dass in der Regel nach drei bis sieben Jahren der Verkauf der Beteiligung oder ein Börsengang des Unternehmens angestrebt wird und der Kapitalgeber eine entsprechende Rendite erhält.
Anleihen sind ebenfalls eine Möglichkeit, wie Mittelständler an frisches Kapital kommen können. Anleihen eignen vor allem für Unternehmen mit einem Kapitalbedarf ab 30 Millionen Euro und die über eine bestimmte Marke oder einen entsprechenden Namen haben. Der Vorteil an einer Ausgabe von Anleihen ist auf jeden Fall der positive Imageeffekt, der durch die Präsenz am Kapitalmarkt ausgelöst wird. Außerdem sind für die Ausgabe von Anleihen keine Sicherheiten notwendig. Das Risiko allerdings besteht in den hohen Kosten der Ausgabe von Anleihen. Bis zu sechs Prozent des Emissionsvolumens (Gesamtvolumen der ausgegeben Anleihen) und Zinszahlungen fallen an. Darüber hinaus ist das Unternehmen gegenüber den Anleihekäufern berichtspflichtig.
Im zweiten Teil erfahren Sie, welche Alternativen der Finanzierung es für Mittelständler noch gibt.
(Bild: Dr. Klaus Uwe Gerhardt / pixelio.de)
Tags: Aktiengesellschaft, Anleihen, Börsengang, Finanzierung, Hausbank, Kapitalgeber, Kredit, Kreditinstitut, Mittelstand, Mittelständler, Private Equity
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