Mini-GmbH findet großen Anklang

10. September 2010 von JK

Etwas mehr als anderthalb Jahre ist es nun her, seit es in Deutschland die Unternehmergesellschaft gibt, die gern auch als Schwester der GmbH oder Mini-GmbH bezeichnet wird. Entgegen den Erwartungen vieler Experten ist die Unternehmergesellschaft bei den Gründern beliebter als zunächst gedacht. Dennoch warnen viele Gründungsexperten vor den mit der Mini-GmbH verbundenen Risiken wie etwa der erhöhten Insolvenzgefahr.

Stand der Unternehmergesellschaft

Heute gibt es in Deutschland etwa 34.000 Unternehmensgründungen, bei denen sich die Gründer bewusst für die Unternehmergesellschaft entschieden haben. Erkennen kann man die Mini-GmbH im Namen des Unternehmens an dem Kürzel „UG“ und dem Zusatz „haftungsbeschränkt“. Die UG ist weit davon entfernt die klassische GmbH zu verdrängen. Davon gibt es in Deutschland ca. eine Million. Dennoch hat der Erfolg der Mini-GmbH viele Wirtschaftsexperten überrascht.

Wer als Existenzgründer, Selbständiger oder Unternehmer eine GmbH gründen will, muss ein Stammkapital von mindestens 25.000 Euro für diese haftungsbeschränkte Kapitalgesellschaft aufbringen. Im Gegensatz dazu muss man bei der Unternehmensform der britischen Limited lediglich ein Pfund Sterling als Stammkapital bei der Unternehmensgründung einbringen. Damit ist eine britische Limited natürlich wesentlich preiswerter als eine traditionelle deutsche GmbH, jedoch ergeben sich dadurch auch erhebliche Nachteile für den Existenzgründer. Eines davon impliziert schon der Name: britisch. Das heißt, der Gründer muss, um eine Limited nach britischem Vorbild zu gründen, auch das britische Gesellschaftsrecht anwenden.

In Deutschland wurde der Bedarf an einer vergleichbaren Gesellschaftsform erkannt. Diese sollte aber auf dem deutschen Recht beruhen, so dass im November 2008 die Unternehmergesellschaft nach britischem Vorbild eingeführt wurde.

1 Euro für die Gründung

Das Stammkapital für die Unternehmergesellschaft beträgt mindestens ein Euro. Die dadurch ins Leben gerufene haftungsbeschränkte Kapitalgesellschaft erfreut sich unter Gründern vor allem im Kleinstgewerbe großer Beliebtheit. Eine Studie der Universität Jena hat gezeigt, dass die Zahl der Unternehmergesellschaften seit 2008 stetig wächst. Im Gegensatz dazu sind die Gründungen von britischen Limiteds in Deutschland stark zurückgegangen.

Trotz des geringen Stammkapitals und der Anwendung deutschen Gesellschaftsrechts, hat die Mini-GmbH auch einige Nachteile. Die sehr einfach gehaltene Satzung der UG gestattet es nicht, beispielsweise Fragen der Erbfolge zu regeln. Darüber hinaus führt die stark vereinfachte Satzung auch nicht dazu, dass sich eine haftungsbeschränkte UG schneller gründen lässt als eine klassische GmbH.

Risiken

Besonders kritisch wird das geringe Stammkapital der Mini-GmbH gesehen. Laut Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) reizen dieses Angebot zwar nur wenige Gründer aus und bringen ein höher Kapital von durchschnittlich 1.000 Euro ein, doch ist das immer noch viel weniger als bei einer klassischen GmbH. Gerade Experten für Gesellschaftsrecht bemängeln, dass das bereits sehr niedrig angesetzte Stammkapital einer traditionellen GmbH von 25.000 Euro durch die Unternehmergesellschaft noch weiter unterschritten wird. Andere Experten äußern sich auch kritisch über das erhöhte Insolvenzrisiko bei einer UG, denn das niedrige Eigenkapital könnte den Betrieb schneller in die Pleite treiben.

Allerdings gibt es laut dem DIHK bisher keine Belege dafür. Auch die Studie der Universität Jena zieht bisher eine positive Bilanz. 2009 gingen nur 34 Unternehmergesellschaften Pleite oder verschmolzen mit anderen Unternehmen.

Einen weiteren interessanten Fachbeitrag zum Thema Mini-GmbH finden Sie auch unter gründerszene.de.

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